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26.01.2026

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust

Topmanager und Bürger fordern tiefgreifende Reformen und eine stärkere europäische Zusammenarbeit, um den drohenden Abstieg zu verhindern.

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©DenysRudyi/fotolia.com

96 % der europäischen Topmanager und 85 % der Bürger halten daher den Schutz der europäischen Wirtschaftsinteressen für zwingend notwendig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „European Competitiveness Barometer“ der Boston Consulting Group (BCG), für das 850 Topmanager und 6.400 Bürger in 30 europäischen Ländern befragt wurden. Vier von fünf der befragten Führungskräfte und Bürger fordern laut der Untersuchung radikale Reformen der EU-Regulierung und eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der EU. Die Sorgen der Spitzenmanager gelten zunehmend den wirtschaftlichen Folgen einer weiter sinkenden Wettbewerbsfähigkeit: Ohne wirkungsvolle Gegenmaßnahmen rechnen 93 % mit Stellenabbau – das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2025, 90 % (+10 Prozentpunkte) erwarten, dass Unternehmen ihre Standorte außerhalb Europas verlagern, 88 % gehen von einer sinkenden Investitionsfähigkeit aus (+11 Prozentpunkte). Dennoch ist mit zwei Dritteln (67 %) die Mehrheit der Führungskräfte optimistisch, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas noch gestärkt werden kann.

Italiener optimistisch – in Deutschland und Frankreich überwiegt Skepsis

Auf Seiten der Bevölkerung zeichnet sich hingegen ein anderes Bild ab: Drei Viertel der befragten europäischen Bürger fürchten einen dauerhaften Niedergang der Wirtschaft Europas. „Es besteht wirklich dringender Handlungsbedarf. Noch kann Europa gegensteuern, doch das Zeitfenster wird kleiner. Die Wettbewerbsfähigkeit stagniert, wirtschaftliche und soziale Risiken wachsen. Die anfängliche ‚Jetzt-erst-recht‘-Haltung nach den US-Zollankündigungen hat schnell an Kraft verloren. Jetzt braucht Europa klare Entscheidungen und konsequentes Handeln“, sagt BCG-Europachef Matthias Tauber. Die Studie zeigt, dass nur ein Bruchteil der europäischen Bevölkerung optimistisch ist – am wenigsten zuversichtlich sind demnach Befragte aus Deutschland und Frankreich. Dort gaben etwa 70 % an, pessimistisch auf Europas globale Wettbewerbsfähigkeit zu blicken. Auch in der Wirtschaft bröckelt der Optimismus: Die Hoffnung, dass die Ankündigung hoher US-Strafzölle am „Liberation Day“ mutige Schritte auslösen würde, ist bereits verflogen. Eine Ausnahme bildet Italien: Dort ist der Optimismus der Unternehmenslenker seit April vergangenen Jahres um sieben Prozentpunkte gestiegen und liegt damit europaweit an der Spitze. In Deutschland ist der Optimismus gegenüber dem Frühjahr hingegen um 21 Prozentpunkte auf 60 % zurückgegangen, der höchste Rückgang unter allen befragten Ländern.

Führungskräfte fordern tiefgreifende Reformen mit klaren Prioritäten

Rund 80 % der Spitzenmanager sehen einen grundlegenden Veränderungsbedarf, knapp 40 % halten sogar eine fundamentale Neuordnung für notwendig. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach tiefgreifendem Wandel erneut in Frankreich und Deutschland, während in den nordischen Ländern und in Italien der Reformbedarf weniger dringlich eingestuft wird. Gleichzeitig fordern die Unternehmenslenker eine fokussierte Umsetzung: 95 % plädieren für eine Konzentration auf wenige zentrale EU-Mitgliedsländer. Zudem sprechen sich 91 % für klare Prioritäten sowie ausgewählte Schlüsselindustrien aus, insbesondere Energie und Verteidigung. Über alle Branchen hinweg gibt es breite Einigkeit über mehrere zentrale Handlungsfelder – darunter vereinfachte Regulierung, die Förderung europäischer Champions, Entlastungen für Unternehmen, bessere Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere Kapitalmarktintegration.

Mehr Mitsprache für die Wirtschaft gewinnt breite Zustimmung

Um den Reformstau zu überwinden, wächst der Wunsch nach einer stärkeren Rolle der Wirtschaft in öffentlichen Entscheidungsprozessen. Knapp drei Viertel der Bürger (76 %) sprechen sich dafür aus, dass Unternehmen Verantwortung in Regierungen oder öffentlichen Institutionen übernehmen, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Auch in der Wirtschaft selbst ist die Bereitschaft dazu hoch: Etwa neun von zehn Unternehmensentscheider befürworten dies (93 %) und halten eine EU-weite CEO-Arbeitsgruppe für sinnvoll (91 %). 84 Prozent von ihnen wären bereit, sich dabei auch persönlich einzubringen. Gleichzeitig erwarten die Entscheider allerdings neue, klar definierte Formen der Zusammenarbeit, ohne unternehmerische und politische Rollen zu vermischen. „Die Bereitschaft der Wirtschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist groß und wird von der Gesellschaft klar getragen“, so Tauber. „Entscheidend ist nun, schnell Strukturen zu schaffen, in denen dieses Engagement wirksam werden kann.“

(BCG vom 26.01.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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