Der weltweite Markt für Fusionen und Übernahmen ist gut aufgestellt, seinen Aufwärtstrend auch 2026 fortzusetzen. Das Transaktionsvolumen stieg im vergangenen Jahr um 40 % auf insgesamt 4,9 Billionen US-Dollar und damit auf den zweithöchsten jemals gemessenen Wert. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Unternehmensberatung Bain & Company in ihrem „Global M&A Report 2026“.
Auch der deutsche M&A-Markt profitierte von der globalen Erholung: 2025 wuchs das gesamte Transaktionsvolumen hierzulande um 39 % auf rund 125 Milliarden US-Dollar, während die Zahl der Deals über 30 Millionen US-Dollar um 11 % zulegte (Abb. 2 anbei).
Allgemeine Rahmenbedingungen verbessern sich
Grundlage des positiven Ausblicks ist eine Befragung von 300 M&A-Verantwortlichen, die Bain im Rahmen des Reports rund um den Globus durchgeführt hat. So erwarten 80 %, ihre Transaktionsaktivitäten 2026 auf dem aktuellen Niveau zu halten oder weiter auszubauen. Das Marktumfeld gilt als günstig: Die makroökonomischen Rahmenbedingungen verbessern sich vielerorts, während sich gleichzeitig ein wachsender Bestand an Private-Equity- und Venture-Capital-Assets auf den Exit vorbereitet. Zugleich erkennen die Befragten branchenübergreifend, dass viele etablierte Geschäftsmodelle die Grenzen ihrer bisherigen Wachstumstreiber erreicht haben.
In Deutschland zeigte sich diese Dynamik insbesondere in einzelnen Branchen: Während der strategische Dealwert im Bereich Industriegüter und -dienstleistungen um 26 % zurückging, legten Transaktionen im Bereich Technologie um 328 % und im Bereich Finanzdienstleistungen sogar um 454 % zu.
„Die Voraussetzungen für ein weiteres starkes M&A-Jahr sind gegeben – nach der nahezu rekordverdächtigen Erholung in den vergangenen zwölf Monaten“, sagt Bain-Partner und M&A-Experte Kai Grass. „Unternehmen müssen sich neu erfinden, um technologischer Disruption, einer post-globalisierten Wirtschaft und sich verlagernder Profitpools voraus zu sein. M&A wird bei dieser Neuausrichtung 2026 eine zentrale Rolle spielen.“
Technologische und geopolitische Umbrüche prägen M&A-Jahr
Technologische Umbrüche – insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Robotik und Quantencomputing – werden auch in diesem Jahr erhebliche Auswirkungen auf die Transaktionsaktivität haben. Weltweit weist fast die Hälfte aller Deals in der Technologiebranche bereits einen klaren KI-Bezug auf. Dieser Trend dürfte sich weiter beschleunigen, da Unternehmen gezielt nach Assets suchen, um entsprechende Talente und Technologien zu erwerben. Auch außerhalb des Technologiesektors wird M&A an Bedeutung gewinnen, da Unternehmen verstärkt Transaktionen nutzen, um eigene Kompetenzen auszubauen.
Geopolitische Entwicklungen und die Post-Globalisierung werden die M&A-Strategien auch 2026 und darüber hinaus prägen. Insbesondere die Zolldiskussionen haben zuletzt das Bewusstsein dafür geschärft, wie stark die Fragmentierung die globalen Ströme von Waren, Kapital, geistigem Eigentum und Arbeitskräften verändern wird. „Unternehmen werden mutigere Entscheidungen treffen müssen, um bestimmte Teile ihres globalen Footprints gezielt zu stärken und ihre Abhängigkeit von weniger attraktiven Regionen zu reduzieren“, betont Grass. „M&A sowie Desinvestitionen werden entscheidend sein, um diese Neuausrichtung voranzutreiben.“
Branchenübergreifend greifen Unternehmen zudem verstärkt auf Fusionen und Übernehmen zurück – einschließlich Veräußerungen und Carve-outs –, da strukturelle Veränderungen in vielen Industrien den Anpassungsdruck auf die Portfoliostrategie erhöhen. Mehr als 50 % der von Bain im Rahmen des Reports befragten Unternehmen bereiten schon heute Assets für einen Verkauf in den kommenden Jahren vor. Treiber sind der Wunsch nach stärkerem Fokus, die Freisetzung von Liquidität sowie die Möglichkeit, das aktuell hohe Bewertungsniveau am Markt zu nutzen.
KI ist im M&A-Prozess angekommen
Laut dem Bain-Report haben 45 % der M&A-Verantwortlichen 2025 KI-Tools bei Transaktionen eingesetzt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Etwa ein Drittel der Befragten nutzt KI bereits systematisch oder gestaltet entsprechende Prozesse gezielt neu. Mehr als die Hälfte erwartet, dass KI die Art und Weise, wie Transaktionen durchgeführt werden, grundlegend verändern wird.
Führende Unternehmen setzen KI insbesondere in fünf zentralen Bereichen ein: um ihre Deal-Pipeline dynamischer zu steuern, externe Markt- und Wettbewerbsanalysen präziser zu gestalten, größere Synergien schneller zu realisieren, den Aufwand bei der Integrationsvorbereitung zu reduzieren sowie relevante Stakeholder früher und umfassender einzubinden.
Kapitaldruck nimmt zu
Eine zentrale Herausforderung für den M&A-Markt 2026 ist der hohe Kapitalbedarf. Trotz der starken Transaktionsaktivität im vergangenen Jahr ist der Anteil des für Fusionen und Übernahmen eingesetzten Kapitals auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen. Gleichzeitig haben Unternehmen zuletzt ihre Reinvestitionen erhöht, insbesondere in Sachinvestitionen (Capex) sowie in Forschung und Entwicklung.
Angesichts konkurrierender Kapitalanforderungen steigen die Anforderungen an Transaktionen deutlich. Umso entscheidender sind dem Bain-Report zufolge eine disziplinierte Neuausrichtung sowie eine konsequente Fokussierung auf Wertschöpfung.
Wie sich Unternehmen 2026 aufstellen sollten
Vor diesem Hintergrund identifiziert Bain zentrale Handlungsfelder für die M&A-Strategie 2026. So gilt es, Transaktionen konsequent aus dem neuen strategischen Kontext heraus zu denken: M&A sollte gezielt dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit in attraktiven Märkten zu stärken, Fähigkeiten schneller aufzubauen oder sich von Geschäftsbereichen zu trennen, bei denen das Unternehmen nicht mehr der beste Eigentümer ist. Gleichzeitig kommt es darauf an, große Akquisitionen der vergangenen Jahre durch klare Integrationsprioritäten in nachhaltige Wertschöpfung zu überführen.
Angesichts knapper werdenden Kapitals gewinnt zudem eine streng thesenbasierte Due Diligence an Bedeutung, die nicht nur Deals absichert, sondern auch kritisch prüft, ob M&A der beste Einsatz von Kapital ist. Ergänzend sollten Unternehmen ihre M&A-Fähigkeiten entlang des gesamten Deal-Zyklus systematisch ausbauen. Eine regelmäßig überprüfte, langfristig ausgerichtete Kapitalallokation ist dabei unerlässlich, um die strategische Rolle von M&A klar zu definieren und gegenüber Investoren transparent zu kommunizieren. „Im Jahr 2026 nutzen erfolgreiche Unternehmen M&A nicht opportunistisch, sondern als integralen Bestandteil ihrer strategischen Neuausrichtung“, bilanziert Grass. „Wichtig ist dabei ein klarer Fokus auf Wertschöpfung, Priorisierung und disziplinierten Kapitaleinsatz.“
(Bain & Company vom 02.02.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

