11.02.2026

Konjunkturoptimismus der CEOs schwindet

Die Vielzahl an politischen und wirtschaftlichen Krisen und Risiken sowie die gestiegene Unsicherheit bremsen zunehmend die Zuversicht von Konzernchefs weltweit.

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Die Stimmung in den Chefetagen kippt, zumindest mit Blick auf die Weltwirtschaft. Die Zahl der Konjunkturoptimisten ist binnen weniger Monate spürbar geschrumpft. Im September rechneten noch 35 % der CEOs weltweit mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, in Deutschland waren es 36 %. Im Januar sind es nur noch 24 % weltweit und gerade einmal 19 % hierzulande. Das ist das zentrale Signal des aktuellen CEO-Survey von EY-Parthenon. Und auch die „eingeschränkt Zuversichtlichen“ werden weniger. Weltweit sinkt der Anteil der Optimisten von 84 auf 68 %, in Deutschland sogar von 87 auf 56 %. Die Botschaft: Politische Spannungen, handelspolitische Risiken und eine fragile Konjunktur dämpfen die Erwartungen deutlich – besonders stark in Europa.

Eigene Umsätze? Zuversicht bleibt

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Einschätzung der eigenen Geschäftsentwicklung. Trotz trüber Konjunkturaussichten erwarten die meisten CEOs steigende Umsätze und stabile Margen. Weltweit sind 38 % sehr optimistisch für ihr Umsatzwachstum, 54 % eher optimistisch. In Deutschland liegen die Werte mit 39 bzw. 57 % nahezu identisch.

Auch bei der Profitabilität dominiert Zuversicht. Das Muster ist klar: Die globale Lage bereitet Sorgen; das eigene Geschäftsmodell scheint hingegen tragfähig.

KI wird zur strategischen Schlüsselinvestition

Der entscheidende Treiber dieser Zuversicht heißt Künstliche Intelligenz. Für viele Unternehmen haben sich die bisherigen Investitionen bereits ausgezahlt:

  • 20 % der CEOs weltweit berichten von deutlich übertroffenen Erwartungen,
  • weitere 58 % sehen ihre Erwartungen leicht übertroffen und
  • nur 3 % sprechen von negativen Erfahrungen.

Damit haben 79 % weltweit positive KI-Erfahrungen gemacht, in Deutschland sogar 83 %.

Für 2026 wird KI zum wichtigsten Faktor für Wettbewerbsfähigkeit – noch vor Kostendisziplin, Produktionsverlagerung oder strategischen Allianzen. Die einfache Effizienzsteigerung („Low Hanging Fruits“) ist vielerorts bereits realisiert. Nun geht es um tiefere Integration: Forschung & Entwicklung beschleunigen, Verwaltungsprozesse automatisieren, Produktzyklen verkürzen.

Die strategische Stoßrichtung ist eindeutig: Technologie als Antwort auf Fachkräftemangel, Margendruck und Innovationsgeschwindigkeit.

83 % passen Investitionspläne an

Parallel zur KI-Offensive reagieren Unternehmen auf geopolitische Turbulenzen mit strategischer Neujustierung. 83 % der befragten Konzerne haben ihre Investitionspläne angepasst:

  • 31 % stoppten mindestens ein Projekt,
  • 40 % beschleunigten Investitionen,
  • 17 % zogen sich aus Märkten zurück und
  • 22 % erschlossen neue Regionen.

Von De-Globalisierung kann keine Rede sein. Vielmehr entsteht eine Neuordnung der Lieferketten und Absatzmärkte – fragmentierter, dynamischer, teilweise widersprüchlich.

Asien investiert, Europa zögert

Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede. Während Unternehmen in China, Südkorea oder Japan Investitionen überdurchschnittlich häufig beschleunigen, agieren deutsche und französische Firmen deutlich vorsichtiger. Französische Unternehmen brechen Investitionen besonders häufig ab. Das deutet auf eine strategische Unsicherheit Europas hin: Zwischen Nordamerika und Asien fehlt vielfach eine klare Positionierung.

Nordamerika bleibt Magnet

Trotz politischer Spannungen bleiben die USA das weltweit attraktivste Investitionsziel. 34 % der CEOs planen dort Engagements. Dahinter folgen Kanada und Deutschland (je 18 %), Großbritannien (17 %) sowie Indien (12 %). Bemerkenswert: Deutschlands Attraktivität wird im Ausland höher bewertet als im Inland. Industriekompetenz, Innovationskraft und qualifizierte Fachkräfte bleiben starke Argumente.

M&A-Aktivität zieht wieder an

Auch der Transaktionsmarkt belebt sich. Weltweit planen 53 % der Unternehmen eine Fusion oder Übernahme; ein deutlicher Anstieg gegenüber 48 % vor wenigen Monaten. In Deutschland steigt der Wert von 44 auf 51 %. Der Transformationsdruck bleibt aber hoch. Gleichzeitig erschweren geopolitische Verwerfungen, regulatorische Unsicherheit und konjunkturelle Schwäche viele Deals.

(EY vom 10.02.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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