Mittel- und Osteuropa gewinnt für deutsche Unternehmen in deren globalen Strategien weiter an Gewicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von KPMG und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, für die 115 Unternehmen hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen in der Region befragt wurden. 63 % der Firmen erwarten demnach, dass die Länder Mittel- und Osteuropas in den kommenden fünf Jahren noch stärker zu ihrem globalen Umsatz beitragen. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet fast ein Drittel (29 %) mit einer wachsenden Bedeutung der Region.
Darum ist Osteuropa so attraktiv
Dabei entwickelt sich Mittel- und Osteuropa strukturell weiter. Die Region löst sich von der Rolle als reiner Produktionsstandort und etabliert sich als integrierter Produktions-, Beschaffungs- und Absatzraum. Treiber dieser Entwicklung sind rund 155 Millionen Einwohner, eine steigende Kaufkraft, ein erwartetes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fast 3 % im Jahr 2026 sowie die fortschreitende Integration in den europäischen Binnenmarkt und die Eurozone. Insbesondere Polen baut seine Bedeutung als wirtschaftlicher Anker in Mittel- und Osteuropa weiter aus. Große Chancen sieht die deutsche Wirtschaft auch in der Ukraine, und das trotz des fortdauernden Krieges.
Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb zu: 16 % der befragten Unternehmen erleben eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Unternehmen, die infolge der US-Zölle verstärkt in Mittel- und Osteuropa investieren und dorthin exportieren.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen will neue Arbeitsplätze schaffen
Ihre aktuelle Geschäftslage in Mittel- und Osteuropa schätzen deutsche Unternehmen überwiegend positiv ein: Fast die Hälfte (47 %) bewertet sie als „gut“ oder „sehr gut“, weitere 39 Prozent als „stabil“. Lediglich ein kleiner Teil der Befragten (14 %) spricht von einer „schwachen“ Entwicklung. Für die kommenden fünf Jahre rechnen drei Viertel (75 %) mit einer Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung; nur 5 % mit einer Verschlechterung.
Perspektivisch gewinnt die Region in den Unternehmensportfolios deutlich an Gewicht. 63 % erwarten in den kommenden fünf Jahren höhere Umsatzanteile in der Region für ihr Unternehmen. Nur 5 % rechnen mit einem Rückgang. 61 % wollen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und nur 3 % gehen von sinkenden Beschäftigtenzahlen aus.
Starker Absatzmarkt, aber auch Sicherheitsrisiken
Etwas mehr als die Hälfte nennt den attraktiven Absatzmarkt als wichtigsten Standortvorteil (+13 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Vorjahr). Auch niedrige Arbeitskosten sind ein zentrales Argument (38 %, +5 Prozentpunkte). Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften geben hingegen nur noch 28 % der Befragten als Vorteil an (-9 Prozentpunkte).
Gleichzeitig bestehen weiter Herausforderungen und Hindernisse. Ein großer Teil der Befragten (60 %) sieht politische und Sicherheitsrisiken als größten Nachteil der Region (im Vergleich mit 67 % im Jahr 2025). 47 % nennen die Korruption als Herausforderung (+9 Prozentpunkte). Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen klagt über zu viel Bürokratie.
Für fast die Hälfte der Befragten (45 %) hat der russische Krieg gegen die Ukraine keine Auswirkungen auf ihre Investitionsentscheidungen in Mittel- und Osteuropa. Auch die US-Zollpolitik hat für mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 %) keine Folgen für ihr regionales Geschäft.
Jedes vierte Unternehmen prüft eine Verlagerung von Produktion
Jedes vierte an der Umfrage beteiligte Unternehmen (26 %) erwägt eine Verlagerung von Produktionsaktivitäten aus Deutschland in die Region (2025: 25 %), doch erst 4 % haben konkrete Pläne für die kommenden zwölf Monate. 70 % schließen hingegen eine Produktionsverlagerung kurzfristig aus. 41 % der Befragten planen innerhalb der nächsten zwölf Monate Investitionen in Mittel- und Osteuropa (2025: 42 %). Auf Fünfjahressicht steigt deren Anteil auf 55 %. Rund ein Drittel dieser Unternehmen (32 %) rechnet mit Projektvolumina von mehr als fünf Millionen Euro.
Polen ist Top-Investitionsziel – fast die Hälfte erwägt Investitionen in der Ukraine
Trotz des russischen Angriffskriegs erwägen 48 % der befragten Unternehmen innerhalb der nächsten zwölf Monate in der Ukraine zu investieren. 19 % planen dies auch, falls der Krieg fortgesetzt wird. Das sind elf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 19 % sind bereits auf dem ukrainischen Markt aktiv.
Polen ist auch 2026 der attraktivste Investitionsstandort: Mehr als die Hälfte (56 %) der Befragten, die kurz- bis mittelfristig bis zu fünf Millionen Euro oder mehr investieren wollen, sehen das Land an erster Stelle. Die Ukraine folgt mit 43 %. Rumänien und die Tschechische Republik liegen gleichauf bei jeweils 35 % dahinter.
Neben Polen (+11 Prozentpunkte) sind die Tschechische Republik (+12 Prozentpunkte) und die Ukraine (+8 Prozentpunkte) als Investitionsstandorte die größten Aufsteiger gegenüber der Vorjahresumfrage; Serbien (-18 Prozentpunkte), Ungarn (-16 Prozentpunkte) und Rumänien (-10 Prozentpunkte) fallen dagegen bei den Investitionsabsichten deutlich zurück.
(KPMG vom 12.02.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

