• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Höchste Ausfallrate seit Finanzkrise erwartet

12.03.2026

Höchste Ausfallrate seit Finanzkrise erwartet

Die Ausfallraten im deutschen Unternehmenssektor werden weiter steigen, da die anhaltende konjunkturelle Schwäche viele Unternehmen unter Druck setzen.

Beitrag mit Bild

©vizafoto/fotolia.com

Die Ausfallrisiken deutscher Unternehmen steigen spürbar. Wie die aktuelle Default Study 2026 von Creditreform Rating zeigt, erhöhte sich die empirische Ausfallrate im Jahr 2025 auf 1,88 %. Für das Jahr 2026 erwartet die Ratingagentur einen weiteren Anstieg auf 2,08 %. Damit würde die Zwei-Prozent-Marke erstmals seit der globalen Finanzkrise wieder überschritten.

Die Entwicklung spiegelt die weiterhin schwache konjunkturelle Dynamik in Deutschland wider. Zwar konnte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025 eine erneute Rezession vermeiden, doch blieb das reale BIP-Wachstum mit 0,2 % sehr gering. „Die wirtschaftliche Stabilisierung bleibt fragil“, sagt Dr. Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Rating. „Hohe Energie- und Lohnkosten, geopolitische Unsicherheiten sowie eine verhaltene Investitionsneigung bremsen die wirtschaftliche Dynamik. Unter diesen Bedingungen nimmt der Druck auf viele Unternehmen spürbar zu.“

Zusätzliche Risiken ergeben sich aus ersten Abschwächungstendenzen am Arbeitsmarkt sowie aus weiterhin restriktiven Kreditvergabestandards der Banken und im Vergleich zur Niedrigzinsphase deutlich höheren Finanzierungskosten. Insbesondere risikobehaftete Engagements geraten dadurch zunehmend unter Druck.

Ausfälle treffen vor allem Mittelstand und zyklische Branchen

Die steigenden Ausfallraten betreffen den Unternehmenssektor in seiner ganzen Breite, konzentrieren sich jedoch weiterhin auf kleinere und mittlere Unternehmen. Besonders Betriebe mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro überschritten mit einer Ausfallquote von 2,06 % erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Zwei-Prozent-Marke.

Deutlich stabiler zeigen sich hingegen große Unternehmen. In der Umsatzklasse von über 250 Millionen Euro lag die Ausfallquote 2025 bei lediglich 0,36 %. Damit verstärkt sich die Spreizung der Kreditrisiken zwischen kleinen und großen Unternehmen.

Auch nach Unternehmensalter zeigt sich ein klares Risikogefälle. Die höchsten Ausfallraten weisen weiterhin junge Unternehmen auf: Firmen im Alter von zwei bis fünf Jahren erreichen mit 3,66 % die höchste Ausfallquote im Unternehmenssektor.

Auf Branchenebene liegen die Ausfallraten inzwischen in nahezu allen Wirtschaftszweigen über dem Vorkrisenniveau von 2019. Besonders betroffen bleiben zyklisch sensible Branchen wie Verkehr und Logistik (3,58 %) sowie das Baugewerbe (2,37 %).

Im Bundesländervergleich weist Berlin mit 3,04 % weiterhin die höchste Ausfallquote auf. Die stärksten Anstiege gegenüber dem Vorjahr verzeichnen Bremen und Nordrhein-Westfalen, die nun bei 2,54 bzw. 2,16 % liegen. In den ostdeutschen Flächenländern sind die Ausfallraten weiterhin am niedrigsten – allerdings steigen sie auch dort.

Moderate konjunkturelle Erholung – steigende Ausfallrisiken

Für 2026 erwartet Creditreform Rating ein reales BIP-Wachstum von rund 1,1 %, gefolgt von 1,5 % im Jahr 2027. Die Konjunktur dürfte vor allem von staatlichen Investitionen, steigenden Realeinkommen und einer schrittweisen Stärkung der inländischen Nachfrage gestützt werden.

Gleichzeitig bleibt der Ausblick mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Schwache Industrieaufträge, volatile Produktionsdaten sowie geopolitische Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten, belasten weiterhin die wirtschaftlichen Perspektiven.

„Die Ausfallraten im deutschen Unternehmenssektor werden weiter steigen, da die anhaltende konjunkturelle Schwäche, strukturelle Transformationsprozesse und ein anspruchsvolles Finanzierungsumfeld viele Unternehmen weiterhin unter Druck setzen“, sagt Mohr. „Für 2026 erwarten wir daher einen weiteren Anstieg der Ausfallrate auf 2,08 %.“

(Creditreform Rating vom 12.03.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

 

Zur Studie

Die Default Study von Creditreform Rating analysiert die Risikolage im deutschen Unternehmenssektor anhand empirischer Ausfallraten. Grundlage ist eine Basel-konforme Definition von Unternehmensausfällen. Die Analyse umfasst rund 2,35 Millionen wirtschaftsaktive Unternehmen in Deutschland und basiert damit auf einer vollständigen Abdeckung des deutschen Unternehmenssektors. Die ausgewiesenen Ausfallraten sind empirische Beobachtungen und keine modellbasierten Schätzungen.


Weitere Meldungen


Meldung

©fotomek/fotolia.com

24.09.2026

Studie: Banken liegen bei KI-Governance vorn

Banken, die konsequent auf vertrauenswürdige künstliche Intelligenz setzen, erzielen deutlich höhere Erträge aus ihren KI-Investitionen. Das zeigt der aktuelle „Data and AI Impact Report“ des Softwareanbieters SAS, dessen Daten vom Marktforschungsunternehmen IDC erhoben wurden. Banken liegen beim KI-Vertrauen vorn Im Branchenvergleich zählen Banken zu den Vorreitern. Ihr Trustworthiness-Index stieg binnen eines Jahres um 12,8 Punkte

Studie: Banken liegen bei KI-Governance vorn
Meldung

©helmutvogler/fotolia.com

23.09.2026

Pontes startet: Zentralbankgeld für tokenisierte Märkte

Das Eurosystem treibt die Tokenisierung der Finanzmärkte voran. Am 21.09.2026 hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit „Pontes“ eine Infrastruktur gestartet, über die Geschäfte mit tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld abgewickelt werden können. Damit setzt die Notenbank erstmals ihre Strategie für einen stärker auf Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basierenden Finanzmarkt praktisch um. Sicheres Geld für digitale Märkte Tokenisierung soll

Pontes startet: Zentralbankgeld für tokenisierte Märkte
Meldung

pitinan/123.rf.com

22.09.2026

Deutscher KI-Markt wächst um 48 %

Deutschland investiert deutlich mehr in Künstliche Intelligenz, und generative KI treibt das Wachstum. Im laufenden Jahr verdoppeln sich die Ausgaben für generative KI voraussichtlich auf 11,5 Milliarden Euro, nach 5,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Der gesamte KI-Markt aus Software, Services und Hardware wächst um 48 Prozent auf 28,7 Milliarden Euro, nach 19,4 Milliarden Euro in

Deutscher KI-Markt wächst um 48 %
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)