Die Ausfallrisiken deutscher Unternehmen steigen spürbar. Wie die aktuelle Default Study 2026 von Creditreform Rating zeigt, erhöhte sich die empirische Ausfallrate im Jahr 2025 auf 1,88 %. Für das Jahr 2026 erwartet die Ratingagentur einen weiteren Anstieg auf 2,08 %. Damit würde die Zwei-Prozent-Marke erstmals seit der globalen Finanzkrise wieder überschritten.
Die Entwicklung spiegelt die weiterhin schwache konjunkturelle Dynamik in Deutschland wider. Zwar konnte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025 eine erneute Rezession vermeiden, doch blieb das reale BIP-Wachstum mit 0,2 % sehr gering. „Die wirtschaftliche Stabilisierung bleibt fragil“, sagt Dr. Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Rating. „Hohe Energie- und Lohnkosten, geopolitische Unsicherheiten sowie eine verhaltene Investitionsneigung bremsen die wirtschaftliche Dynamik. Unter diesen Bedingungen nimmt der Druck auf viele Unternehmen spürbar zu.“
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus ersten Abschwächungstendenzen am Arbeitsmarkt sowie aus weiterhin restriktiven Kreditvergabestandards der Banken und im Vergleich zur Niedrigzinsphase deutlich höheren Finanzierungskosten. Insbesondere risikobehaftete Engagements geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Ausfälle treffen vor allem Mittelstand und zyklische Branchen
Die steigenden Ausfallraten betreffen den Unternehmenssektor in seiner ganzen Breite, konzentrieren sich jedoch weiterhin auf kleinere und mittlere Unternehmen. Besonders Betriebe mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro überschritten mit einer Ausfallquote von 2,06 % erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Zwei-Prozent-Marke.
Deutlich stabiler zeigen sich hingegen große Unternehmen. In der Umsatzklasse von über 250 Millionen Euro lag die Ausfallquote 2025 bei lediglich 0,36 %. Damit verstärkt sich die Spreizung der Kreditrisiken zwischen kleinen und großen Unternehmen.
Auch nach Unternehmensalter zeigt sich ein klares Risikogefälle. Die höchsten Ausfallraten weisen weiterhin junge Unternehmen auf: Firmen im Alter von zwei bis fünf Jahren erreichen mit 3,66 % die höchste Ausfallquote im Unternehmenssektor.
Auf Branchenebene liegen die Ausfallraten inzwischen in nahezu allen Wirtschaftszweigen über dem Vorkrisenniveau von 2019. Besonders betroffen bleiben zyklisch sensible Branchen wie Verkehr und Logistik (3,58 %) sowie das Baugewerbe (2,37 %).
Im Bundesländervergleich weist Berlin mit 3,04 % weiterhin die höchste Ausfallquote auf. Die stärksten Anstiege gegenüber dem Vorjahr verzeichnen Bremen und Nordrhein-Westfalen, die nun bei 2,54 bzw. 2,16 % liegen. In den ostdeutschen Flächenländern sind die Ausfallraten weiterhin am niedrigsten – allerdings steigen sie auch dort.
Moderate konjunkturelle Erholung – steigende Ausfallrisiken
Für 2026 erwartet Creditreform Rating ein reales BIP-Wachstum von rund 1,1 %, gefolgt von 1,5 % im Jahr 2027. Die Konjunktur dürfte vor allem von staatlichen Investitionen, steigenden Realeinkommen und einer schrittweisen Stärkung der inländischen Nachfrage gestützt werden.
Gleichzeitig bleibt der Ausblick mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Schwache Industrieaufträge, volatile Produktionsdaten sowie geopolitische Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten, belasten weiterhin die wirtschaftlichen Perspektiven.
„Die Ausfallraten im deutschen Unternehmenssektor werden weiter steigen, da die anhaltende konjunkturelle Schwäche, strukturelle Transformationsprozesse und ein anspruchsvolles Finanzierungsumfeld viele Unternehmen weiterhin unter Druck setzen“, sagt Mohr. „Für 2026 erwarten wir daher einen weiteren Anstieg der Ausfallrate auf 2,08 %.“
(Creditreform Rating vom 12.03.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)
Zur Studie
Die Default Study von Creditreform Rating analysiert die Risikolage im deutschen Unternehmenssektor anhand empirischer Ausfallraten. Grundlage ist eine Basel-konforme Definition von Unternehmensausfällen. Die Analyse umfasst rund 2,35 Millionen wirtschaftsaktive Unternehmen in Deutschland und basiert damit auf einer vollständigen Abdeckung des deutschen Unternehmenssektors. Die ausgewiesenen Ausfallraten sind empirische Beobachtungen und keine modellbasierten Schätzungen.

