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20.04.2026

Exportwachstum der Industrie droht Halbierung bis 2035

Eine aktuelle Untersuchung prognostiziert, dass Ausfuhren künftig nur um rund ein Prozent statt bisher zwei Prozent jährlich zulegen könnten.

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© johas/fotolia.com

Die Exporte der deutschen Industrie könnten künftig deutlich langsamer wachsen als bisher. Sind sie in den vergangenen zehn Jahren um 2,1 % pro Jahr gestiegen, könnte sich das Wachstum bis 2035 auf 1,3 % jährlich reduzieren, wie eine aktuelle Modellierung von Deloitte zeigt. Entscheidend für den Rückgang ist, dass die Ausfuhren in die beiden größten Märkte – USA und China – langfristig sinken könnten. Exporte in die Vereinigten Staaten gehen nach dieser Prognose um -1,5 % pro Jahr zurück auf 65 Milliarden Euro bis 2035, die Ausfuhren nach China um -1,7 % auf 41 Milliarden Euro. Ende 2025 lag das Volumen bei den beiden Ländern bei 76 beziehungsweise 49 Milliarden Euro.

Risiko: Handelspolitik

Die volatile Handelspolitik in jüngster Zeit hat der exportorientierten deutschen Industrie erheblich zu schaffen gemacht. Im vergangenen Jahr sind die Ausfuhren in die USA im Vergleich zu 2024 um -13 % und die nach China um -16 % zurückgegangen. China wurde damit als zweitgrößter Absatzmarkt von Frankreich überholt. Die Ausfuhren dorthin lagen 2025 – trotz eines Rückgangs um drei % – mit 50 Milliarden Euro knapp vor China. „Es ist damit zu rechnen, dass auch die Industrieexporte in die Niederlande und Großbritannien die Ausfuhren in die Volksrepublik in wenigen Jahren übersteigen“, sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei Deloitte. „Als Industrienation braucht Deutschland ein neues Geschäftsmodell.“

Die aktuelle Modellierung in der Studienreihe „Supply Chain Pulse Check“ basiert auf dem Global Trade Analysis Project (Purdue University) und analysiert die künftigen Handelsmuster zwischen Deutschland und 71 Ländern in den Branchen Maschinenbau, Elektro-, Auto- und Chemieindustrie.

Indien und Brasilien mit erheblichem Potenzial

Auch die Absätze in große Länder des globalen Südens wie Indien und Brasilien sind 2025 um zwei beziehungsweise drei Prozent gesunken. Langfristig liegt hier jedoch erhebliches Potenzial. Die Ausfuhren nach Indien könnten nach der vorliegenden Projektion um 3,9 %, die Exporte nach Brasilien um 4,1 % wachsen. Damit würde der Absatz in diese beiden Länder 2035 bei 13 beziehungsweise 11 Milliarden Euro liegen. Auch Australien könnte mit einer Steigerung von 4,7 % auf neun Milliarden Euro an Bedeutung gewinnen. „Die neuen Freihandelsabkommen sind Grund zur Hoffnung“, sagt Dr. Jürgen Sandau, Partner und Lieferkettenexperte bei Deloitte. „Doch Hoffnung allein reicht nicht. Die Unternehmen müssen ihre Lieferketten wie auch ihre Absatzmärkte diversifizieren und Europa muss seine Handelshemmnisse im Binnenmarkt weiter abbauen.“

Die Ausfuhren in große europäische Märkte wie die Niederlande (3%), Großbritannien (4%) und Polen (6%) haben auch im vergangenen Jahr zugelegt. Dieser Trend bleibt nach der vorliegenden Modellierung bestehen. So könnten die Absätze nach Polen und Spanien um 2,9 und 2,3 % auf 56 und 38 Milliarden Euro bis 2035 wachsen. In Summe könnten die zehn größten Märkte in Europa im Jahr 2035 ein Volumen von 417 Milliarden Euro aufweisen – beinahe doppelt so viel wie in den größten Märkten Asiens und Amerikas inklusive China und der USA. Langfristig könnte das Potenzial in Europa sogar größer ausfallen, wenn Handelshemmnisse innerhalb der Europäischen Union weiter abgebaut werden.

(Deloitte vom 15.04.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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