Der europäische Private-Equity (PE)-Markt war im Jahr 2025 gespalten: Die Anzahl der Transaktionen sank um 8 % auf insgesamt 3.881 Deals, während das Gesamtvolumen um 28 % auf 457,6 Milliarden Euro stieg. Vor allem Megadeals – Transaktionen jenseits der Eine-Milliarde-Euro-Schwelle – trieben den Markt. Demgegenüber fanden kleinere und mittlere Deals seltener statt. Dieser K-förmige Markt – oben dynamisch, in der Mitte verhalten – prägt die Branche nachhaltig.
Der Wettbewerb um attraktive Zielunternehmen hat sich dabei weiter verschärft: 67 % der Befragten berichten von gestiegenem Wettbewerbsdruck gegenüber 2024. Gleichzeitig wirkt geopolitische Disruption als unerwarteter Dealmaker: 55 % der Befragten gaben an, dass Konflikte, Protektionismus und Handelsunsicherheit die Investitionstätigkeit 2025 sogar unterstützt haben. Und: Das noch nicht investierte Kapital liegt mit derzeit 434,8 Milliarden Euro nahe dem Allzeithoch.
Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der Private Equity Trend Report 2026 von PwC Deutschland.
Gesamteuropäische Dynamik in der DACH-Region noch deutlich markanter
In der DACH-Region – Deutschland, Österreich und Schweiz – fanden 2025 in Summe 557 Deals statt – 3 % weniger als im Vorjahr, aber mit deutlich größerem Transaktionsvolumen: Es stieg um satte 69 % auf insgesamt 88,3 Milliarden Euro. Das entspricht der gesamteuropäischen Dynamik – weniger Deals, mehr Volumen –, nur noch deutlich stärker ausgeprägt.
Trotz zweier aufeinanderfolgender Jahre mit schrumpfender Wirtschaftsleistung und tiefgreifendem industriellen Strukturwandel bleibt Deutschland für PE-Investoren zentral: 66 % der Befragten halten Investments in Deutschland (2024: 58 %). Von ihnen planen 97 % weitere Investments in den kommenden fünf Jahren, und 56 % wollen ihre Allokation erhöhen. Zugleich planen 95 % der Firmen ohne bestehendes Engagement keinen Einstieg.
Drei attraktive Investmentfelder für Deutschland
Der Report identifiziert für Deutschland drei attraktive Investmentfelder:
- Unternehmensabspaltungen (Carve-outs). Industriekonzerne wie BASF, Siemens und ThyssenKrupp trennen sich unter Aktionärsdruck von Randaktivitäten. Exemplarisch dafür steht die 7,7-Milliarden-Euro-Übernahme der BASF-Lacksparte durch Carlyle und die Qatar Investment Authority.
- Die Nachfolge im Mittelstand: Dem KfW-Nachfolge-Monitoring zufolge stehen rund 560.000 kleine und mittlere Unternehmen (16 % aller Mittelständler) in Deutschland bis zum Jahr 2027 vor einem Eigentümerwechsel. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn schätzt, dass rund 30 % dieser Unternehmen keinen familien- oder unternehmensinternen Nachfolger finden. Das erzeugt einen strukturellen, konjunkturunabhängigen Dealflow.
- Die „grüne“ Industrietransformation: Die Energiewende, der Netzinfrastrukturausbau, Wasserstoff und die industrielle Elektrifizierung erfordern Kapital in großem Maßstab — und damit genau die Projektentwicklungs- und Transformationskompetenz, die PE-Investoren mitbringen.
Zugleich verbessern sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: Der Infrastruktur- und Verteidigungsfonds der neuen Bundesregierung über 500 Milliarden Euro (davon 100 Milliarden Euro für Klima und Transformation), die Wiedereinführung der 30-prozentigen degressiven Abschreibung bis 2027 sowie die geplante Senkung der Körperschaftsteuer von 15 auf 10 % bis 2032 schaffen zusätzliche Investitionsanreize.
Vorsichtiger Optimismus für 2026 bei gedämpften Wachstumserwartungen
Die Investitionsabsichten für 2026 sind verhalten positiv: 43 % der befragten europäischen Investoren wollen ihre Neuinvestments erhöhen, 47 % wollen das Niveau von 2025 halten. Fast zwei Drittel (60 %) erwarten ein verbessertes Deal-Umfeld in Europa, vor allem weil sich die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern weiter annähern und aufgestaute Transaktionen vermehrt stattfinden.
Zugleich blickt die Branche nüchtern auf die gesamtwirtschaftliche Lage: 71 % der Befragten erwarten für Europa ein nur geringes oder gar kein Wachstum. Die Kapitalbeschaffung ist auf ein Zehnjahrestief von 80,9 Milliarden Euro gefallen.
Wichtigste Renditefaktoren
Ein weiterer Befund des Reports: Digitale Technologien prägen die Branche stärker als je zuvor auch deshalb, weil die Einstiegsbewertungen mit einem Median von 12,8x EV/EBITDA weiterhin hoch sind und operative Wertschöpfung zum zentralen Renditetreiber wird. 88 % der befragten Firmen investierten 2025 in die digitale Transformation, 94 % planen solche Investments für 2026. Erstmals nannten sie Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) als wichtigste Einflussfaktoren auf die Rendite (36 % der Befragten), noch vor dem Verschuldungshebel (32 %). 81 % erwarten, dass der Einfluss von KI auf die Rendite künftig weiter steigen wird.
Digitalisierung und KI sind zudem die wichtigsten Faktoren bei der Gestaltung von Investmentthesen für Neuakquisitionen (26 %), vor Risikominimierung (18 %). PE-Investoren konzentrieren sich dabei auf die Anwendungsebene — also auf Softwareanbieter, die KI in bestehende Geschäftsprozesse integrieren, statt auf die kapitalintensiven KI-Basismodelle.
Besonders dynamisch: 83 % der Befragten wollen 2026 Datenanalysen und generative KI in der Due Diligence einsetzen – gegenüber 65 % im Jahr 2025. Datenanalyse bleibt mit 72 % der geplanten Investments der wichtigste Einzelbereich, gefolgt von KI mit 69 %. 72 % der Befragten halten den Digitalisierungsgrad außerdem für wichtig oder sehr wichtig für künftige Verkaufserlöse – und kein einziger Befragter hält ihn für unwichtig.
Universelle ESG-Adoption in Europa
Ein klares Signal sendet die Branche auch in Sachen Nachhaltigkeit: Ausnahmslos alle der befragten Firmen verfügen mittlerweile über ESG-Richtlinien und entsprechende Umsetzungsinstrumente; 80 % integrieren ESG-Werttreiber fest in ihre Buy-Side-Bewertung. Diese universelle Adoption läuft dem politischen Gegenwind in anderen Märkten diametral entgegen.
(PwC vom 24.04.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

