05.05.2026

Baubranche unter Dauerstress

Die Bauindustrie befindet sich weiterhin in einer angespannten Lage, verfügt aber zugleich über wichtige Zukunftschancen.

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© kasto/de.123rf.com

Die deutsche Bauindustrie steht auch 2026 weiter unter erheblichem Druck. Die aktuelle PwC-Studie zeigt eine Branche, die ihre Herausforderungen klar erkannt hat, deren Umsetzung von Gegensteuerungsmaßnahmen jedoch weiter auf sich warten lässt.

Kostendruck ist die größte Herausforderung

Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen geopolitischen Belastung bleibt der Kostendruck die größte Herausforderung der Branche. 91 % der Befragten geben an, davon betroffen zu sein. Die Dynamik ist bemerkenswert – lag der Kostendruck 2022 noch auf Platz vier der Herausforderungen, steht er heute über sämtliche Teilbranchen hinweg unangefochten an der Spitze. Gleichzeitig berichten drei von vier Unternehmen, dass Bauprojekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Bei Bauunternehmen hat sich der geopolitische Einfluss auf die Geschäftstätigkeit seit 2021 nahezu verdoppelt und verbleibt seitdem konstant auf hohem Niveau, bei Planungsbüros ist der Anteil stark betroffener Unternehmen binnen eines Jahres von 43 % auf 64 % gestiegen. Mit 68 % weisen Bauzulieferer die höchste Betroffenheit auf.

Als Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette sind sie unmittelbar mit volatilen Rohstoffpreisen, belasteten Lieferketten sowie zoll- und handelspolitischen Unwägbarkeiten konfrontiert. Diese Belastungen werden sukzessive an die nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette weitergegeben – die hohe Betroffenheit der Bauzulieferer könnte damit als Frühwarnindikator für kommende Herausforderungen der gesamten Branche gelten.

Sondervermögen eröffnet Chancen, spürbare Effekte brauchen jedoch Zeit

Ein wichtiger Hoffnungsträger ist aus Sicht vieler Unternehmen das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Zwei Drittel der Befragten erwarten sich davon in den kommenden fünf Jahren einen positiven Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit. Die größten Zuwachschancen sehen vier von fünf Unternehmen in der Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Danach folgen Rechenzentren, die zusätzlich vom KI- und Digitalisierungsboom profitieren.

Um sich frühzeitig zu positionieren, setzen 6 von 10 Befragten auf Kooperationen mit neuen Partnern. Insbesondere Planungsbüros investieren darüber hinaus in Schulungen und Fachkräfteaufbau in den geförderten Bereichen. Entscheidend wird nun sein, ob die angegangenen Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen und wie schnell die politische Intention in konkrete Bauprojekte übersetzt werden kann.

Digitalisierung bleibt der große Hebel

Die Studie bestätigt erneut die hohe strategische Bedeutung digitaler Technologien für die Bauindustrie. Besonders groß ist die Erwartung an KI-basierte Anwendungen: Vier von fünf Befragten sehen hier ein hohes bis sehr hohes Potenzial. Allerdings bleibt die Lücke zwischen technologischem Potenzial und der eigenen Kompetenz hoch – bei KI ist die Lücke der Potenzialausschöpfung im Jahresvergleich weitergewachsen: auf 64 Prozentpunkte, nach 57 Prozentpunkten im Vorjahr.

Drei Viertel der Unternehmen nennen fehlendes fachliches Know-how als zentrale Hürde bei der Nutzung digitaler Lösungen. Damit steht dieser Punkt bereits das dritte Jahr in Folge an der Spitze der Herausforderungen. Hinzu kommen steigende Anforderungen an die Cybersicherheit. Von Auftraggeberseite kommt bislang zu wenig Nachfrage: Lediglich 17 % der Befragten berichten, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren stark oder sehr stark eingefordert werden. 2021 lag dieser Wert noch fast doppelt so hoch (32 %). Digitalisierung wird damit zwar branchenweit als Hebel für Produktivität, Transparenz und Effizienz anerkannt, in den Kernprozessen der Branche ist sie jedoch vielerorts noch nicht ausreichend verankert.

Nachhaltigkeit gewinnt strategisch an Bedeutung und löst sich von regulatorischen Impulsen

Trotz entschärfter regulatorischer Vorgaben bleibt Nachhaltigkeit für die Unternehmen ein zentrales Thema. 87 % der Befragten geben an, dass die Bedeutung von ESG in ihrem Unternehmen gleichgeblieben oder gestiegen ist. Knapp die Hälfte verzeichnet sogar einen Bedeutungszuwachs. Das ist bemerkenswert, weil sich der politische Druck zuletzt eher abgeschwächt hat.

Gleichzeitig verändert sich die ESG-Umsetzung. Reputation und Mitarbeitendenbindung gewinnen als Treiber an Bedeutung, während Regulatorik an Einfluss verliert. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit zunehmend von einer extern gesetzten Anforderung zu einem strategischen Thema der Unternehmensführung. Auch die Umsetzungshürden verschieben sich entsprechend: Interne Kompetenzprobleme sind seit 2022 um 11 Prozentpunkte zurückgegangen, wohingegen regulatorische Rahmenbedingungen als Hürde nur um sieben Prozentpunkte zugenommen haben. Der Reifegrad bleibt jedoch begrenzt: Zwar haben drei Viertel der Unternehmen ESG-Ziele definiert, häufig beruhen diese aber auf Einzellösungen statt auf einer durchgängig verankerten Steuerung. Auch die Einbindung in vergütungsrelevante Kennzahlen ist insgesamt rückläufig.

„Dass ESG auch bei geringerem regulatorischem Druck relevant bleibt, ist ein sehr deutliches Signal unserer Studie. Die Unternehmen sehen zunehmend, dass Nachhaltigkeit sie unternehmerisch fordert und auch wirtschaftliche Vorteile erbringen kann. Umso wichtiger ist es, das Thema organisatorisch tief zu verankern“, erklärt Dr. Martin Nicklis, Director im Bereich Wirtschaftsprüfung bei PwC Deutschland.

(PwC vom 05.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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