• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • EU-Entgelttransparenz: Finanzbranche ringt mit der Definition vergleichbarer Arbeit

11.05.2026

EU-Entgelttransparenz: Finanzbranche ringt mit der Definition vergleichbarer Arbeit

Die Branche sieht die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie zwar als Pflicht, erwartet aber gleichzeitig, dass sie die Governance-Qualität verbessert.

Beitrag mit Bild

©relif/fotolia.com

Am 07.06.2026 läuft die Frist ab: Bis dahin muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Sie gilt für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Unternehmensgröße. Berichtspflichten zum geschlechtsspezifischen Entgeltgefälle greifen für Unternehmen ab 100 Beschäftigten, das individuelle Auskunftsrecht für alle Beschäftigten ohne Schwellenwert. Doch wie geht die Finanzbranche mit den neuen Anforderungen um? Eine Live-Umfrage unter 130 HR-Verantwortlichen aus Banken und Versicherungen auf der 19. WTW HR-Branchenkonferenz zeigt: Die Branche nimmt das Thema ernst, sieht darin aber mehrheitlich eine regulatorische Pflicht, keine strategische Chance.

Compliance dominiert, strategisches Potenzial bleibt ungenutzt

38 % der Befragten nehmen die EU-Entgelttransparenzrichtlinie überwiegend als reine Compliance-Pflicht wahr. Weitere 25 % sehen sie primär als Risiko- und Haftungsthema. Nur 17 % betrachten die Richtlinie als Chance für Fairness, Kultur und Arbeitgeberattraktivität. Knapp 20 % geben an, dass das Thema in ihrem Unternehmen noch kaum präsent oder nicht priorisiert ist, bemerkenswert angesichts der Umsetzungsfrist in wenigen Wochen.

Definition vergleichbarer Arbeit als größte Hürde

Bei der Frage nach der größten praktischen Herausforderung liefert die Umfrage ein eindeutiges Bild: 41 % nennen die Definition vergleichbarer Arbeit als zentrale Hürde, mit großem Abstand vor dem Umgang mit historischen Gehaltsunterschieden (25 %) und der Dokumentation von Leistungs- und Vergütungsentscheidungen (19 %). Zeit-, Kosten- und Systemaufwand (8 %) sowie die Kommunikation mit Mitarbeitenden und Führungskräften (6 %) spielen eine untergeordnete Rolle.

Gerade in der Finanzbranche mit ihrer Vielfalt an Rollen, von der Risikoanalyse über das Portfoliomanagement bis zur Kundenberatung, ist die Frage, welche Tätigkeiten als gleichwertig gelten, besonders komplex. Die Richtlinie verlangt objektive, geschlechtsneutrale Kriterien für die Bewertung und greift damit tief in gewachsene Vergütungsstrukturen ein.

Trotz Skepsis: Klare Erwartung positiver Effekte

Bei der Frage nach erwarteten positiven Effekten zeigt sich ein differenzierteres Bild als die Wahrnehmungsfrage vermuten lässt. Die drei am häufigsten genannten Effekte: Erhöhung der Transparenz und Fairness in der Vergütung (46 %), Verbesserung der internen Vergütungsstruktur und Governance (36 %) sowie Reduzierung geschlechtsspezifischer Entgeltunterschiede (36 %). Nur 8 % Befragte erwarten keine oder geringe Auswirkungen.

„Das ist das eigentlich Spannende an den Ergebnissen: Die Branche sieht die Richtlinie zwar als Pflicht, erwartet aber gleichzeitig, dass sie Vergütungsstrukturen und Governance-Qualität verbessert“, sagt Florian Frank, Head of Work and Rewards bei WTW. „Wer das konsequent zu Ende denkt, macht aus einer regulatorischen Anforderung einen echten Wettbewerbsvorteil.“

(wtw vom 07.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

© anyaberkut/fotolia.com

25.06.2026

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte

Mittelständische Unternehmen bewerten ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe deutlich positiver als objektive Prüfungen. In vielen Fällen sind zudem die Investitionen in IT-Sicherheit zu niedrig, um die Komplexität aktueller IT-Landschaften und regulatorischer Anforderungen angemessen zu berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die PwC-Studie „Trügerische Sicherheit: der Mittelstand überschätzt seine Cyber-Resilienz“, der eine Befragung von 400 Führungskräften aus mittelständischen

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte
Meldung

©fotomek/fotolia.com

24.06.2026

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken

Die Europäische Bankenaufsicht (European Banking Authority – EBA) konsultiert den überarbeiteten EU-weiten Stresstest. Dieser ist stärker risikoorientiert. Bei der Methodik, den Templates und Anleitungen, die bei dem Stresstest 2027 angewendet werden sollen, sind zum Beispiel die Datenanforderungen an die beaufsichtigten Unternehmen gesunken. Zudem sollen die Anforderungen des Stresstests mit aufsichtlichen Standards harmonisiert werden. Dadurch sinkt

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken
Meldung

©7razer/fotolia.com

23.06.2026

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export

Zehn Jahre nach dem Brexit zeigt sich die britische Wirtschaft insgesamt robust, bleibt aber deutlich hinter ihrem Potenzial zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade. Das hat auch Folgen für Deutschland und die Europäische Union (EU), die mit einer dauerhaft geringeren Handelsdynamik, stärkerem Wettbewerb und hoher Unsicherheit durch

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)