Die weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigen weiter – getrieben vor allem von den großen US-Technologiekonzernen. Allein die sogenannten „Big Five“ Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon und Meta erhöhten ihre F&E-Investitionen im vergangenen Jahr um fast 46 Milliarden Euro – ein Plus von 21 %. Zum Vergleich: Die 31 deutschen Unternehmen im Top-500-Ranking steigerten ihre F&E-Ausgaben lediglich um 3 % beziehungsweise 2,8 Milliarden Euro auf insgesamt 83,3 Milliarden Euro.
Abstand zwischen den USA und Europa wird immer größer
Eine Folge des Investitionsbooms bei den US-Technologieunternehmen: Der Abstand zwischen den USA und Europa wird immer größer. Während die US-Unternehmen ihre F&E-Budgets im vergangenen Jahr um 11 % ausweiteten, betrug das Plus bei europäischen Unternehmen lediglich 5 %, bei deutschen sogar nur 3 %. Asiatische Unternehmen steigerten ihre Ausgaben um 9 %.
Auch bei der F&E-Quote – also dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz – liegen die US-Konzerne deutlich vorn: Sie investierten durchschnittlich 9,2 % ihres Umsatzes in F&E, europäische Unternehmen 6,7 % und asiatische 4,7 %. Und: Von den größten F&E-Investoren der Welt haben sieben ihren Sitz in den USA, zwei in Europa und eins in Asien. Volkswagen ist wie im Vorjahr der größte F&E-Investor Europas und belegt im globalen Ranking erneut den siebten Rang. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, für die die 500 börsennotierten Unternehmen mit den größten F&E-Budgets weltweit untersucht wurden.
KI-Boom sorgt für Rekorde
„Vor allem der KI-Boom treibt die Forschungsausgaben der Technologieunternehmen auf immer neue Rekordhöhen“, sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY. „Selbst eine schwache Weltkonjunktur und hohe geopolitische Risiken bremsen diese Entwicklung bislang kaum.“ Abseits der Tech Giganten zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. So reduzierten 33 % der US-Unternehmen im Ranking im vergangenen Jahr ihre F&E Ausgaben. In Europa schrumpften die Investitionen bei 35 % der Unternehmen, in Asien lediglich bei 30 %.
Die vergleichsweise zurückhaltende Investitionspolitik europäischer Unternehmen wirkt sich auch auf ihre Präsenz im Ranking aus. Während 2024 noch 132 europäische Unternehmen unter den Top 500 vertreten waren, sank ihre Zahl 2025 auf 126. Die Zahl der nordamerikanischen Unternehmen blieb mit 147 stabil, die der asiatischen stieg von 215 auf 220. „Es verfestigt sich der Eindruck, dass Europa zunehmend Schwierigkeiten hat, mit dem Innovations- und Investitionstempo der USA und Asiens mitzuhalten“, so Ahlers. „Gerade die US-Technologiekonzerne bauen ihren Vorsprung mit enormen Innovationsausgaben kontinuierlich aus.“
Konjunkturflaute bremst vor allem europäische Unternehmen
Die hohen F&E-Ausgaben zu stemmen fällt den US-Unternehmen vergleichsweise leicht, weil ihre Gewinne sprudeln: Allein die fünf größten US-Technologiekonzerne erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 261 Milliarden Euro – 21 % mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Alle DAX 40 Unternehmen kamen zusammen auf einen Gewinn von 173 Milliarden Euro – 4 % weniger als 2024.
Insgesamt steigerten alle US-Unternehmen im Ranking ihren Gewinn um 20 %. Asiatische Unternehmen erzielten ein Plus von 5 %, während europäische Unternehmen einen Gewinnrückgang von 5 % verzeichneten. Auch beim Umsatz entwickelten sich die Regionen unterschiedlich: Während die Umsätze europäischer Unternehmen stagnierten, legten asiatische Konzerne um 5 % und US-Unternehmen sogar um 8 % zu.
Pharmakonzerne investieren am meisten
Die höchste F&E-Intensität weisen traditionell Pharma-Unternehmen auf, bei denen der Anteil der Forschungsausgaben am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 15,0 % lag. Die europäischen Pharmakonzerne lagen mit 14,7 % unter den nordamerikanischen Wettbewerbern (16,4 %), aber oberhalb der asiatischen Unternehmen (13,6 %).
Als überdurchschnittlich innovationsfreudig erweist sich Europa in erster Linie in der Automobilindustrie: Während die europäischen Automobilunternehmen 6,5 % ihres Umsatzes in F&E investieren, liegt der Anteil in Nordamerika bei 4,1 % und in Asien bei 4,6 %.
Hohe Forschungsausgaben gehen mit höheren Margen einher
Branchenübergreifend zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen hoher F&E Intensität und Profitabilität. Über alle 500 Unternehmen hinweg erzielten besonders forschungsintensive Unternehmen im vergangenen Jahr eine durchschnittliche EBIT Marge von 14,1 %. Unternehmen mit niedrigen F&E Ausgaben kamen dagegen nur auf 9,9 %. Besonders deutlich ist dieser Effekt in der Informationstechnologie: Hier lag die EBIT Marge bei stark forschenden Unternehmen bei 18,8 %, bei vergleichsweise wenig investierenden Unternehmen hingegen nur bei 5,9 %. „Hohe F&E Investitionen garantieren zwar keinen Markterfolg“, sagt Ahlers. „Aber es zeigt sich klar, dass erfolgreiche Unternehmen überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung investieren. Wer dazu nicht in der Lage ist, riskiert langfristig, den Anschluss zu verlieren.“
(EY vom 12.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

