Der Stellenabbau in der deutschen Industrie setzt sich fort. Ende des ersten Quartals lag die Zahl der Beschäftigten in Industrieunternehmen um 127.300 oder 2,3 % unter dem Vorjahresniveau. Seit 2019 sind damit 341.500 Industriejobs verloren gegangen – gut 6 % aller Arbeitsplätze in der Branche. Anders gesagt: Seit dem Vor-Corona-Jahr ist jeder siebzehnte Industriearbeitsplatz verschwunden.
Autoindustrie besonders stark betroffen
Besonders hart trifft der Rückgang die Automobilindustrie. Dort sank die Beschäftigung binnen eines Jahres um 32.000 Stellen. Seit 2019 gingen rund 125.800 Arbeitsplätze verloren; ein Minus von 15 %. Damit ist in der Autobranche seitdem etwa jeder siebte Arbeitsplatz weggefallen.
Noch stärker fiel der prozentuale Rückgang in der Textilindustrie aus, die seit 2019 rund 22 % ihrer Arbeitsplätze verlor. In der Metallindustrie sank die Beschäftigung um 15 %. Gegen den Trend konnten nur zwei Branchen Stellen aufbauen: Chemie und Pharma legten seit 2019 um 3 % zu, die Elektroindustrie um 2 %.
Umsatzplus ist keine Entwarnung
Grund für den anhaltenden Stellenabbau ist die schwache Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre. Im ersten Quartal deutet sich allerdings erstmals wieder eine leichte Erholung an: Der Industrieumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 %. Zuvor waren zehn Quartale in Folge Rückgänge verzeichnet worden. Getragen wurde das Plus vor allem von der Metallbranche, deren Umsatz um 18 % wuchs, getrieben durch ein Exportplus von 28 %. Auch die Autoindustrie kam auf ein leichtes Wachstum von 2,1 %, die Elektroindustrie auf 1,4 %. Schwach entwickelten sich dagegen Papier- und Textilindustrie mit Rückgängen von 6 beziehungsweise 8 %.
Zweifel an der Trendwende
Die Zahlen stammen aus dem aktuellen EY-Industriebarometer, das auf Rohdaten des Statistischen Bundesamts basiert. EY-Partner Jan Brorhilker warnt davor, das leichte Umsatzplus bereits als belastbare Trendwende zu deuten. Die meisten Branchen blieben im Rückwärtsgang, das Wachstum sei vor allem der Metallindustrie zu verdanken. Auch politische Entlastungen wie Industriestrompreis oder niedrigere Körperschaftsteuer dürften erst künftig wirken. Aktuell belasteten geopolitische Konflikte, Protektionismus und Handelsstreitigkeiten weiter die Investitionsbereitschaft. Ohne neue Investitionen aber bleibe ein Aufschwung schwierig.
Überkapazitäten erhöhen den Druck
Nach mehreren Jahren schwacher Umsätze steigt in vielen Unternehmen offenbar die Bereitschaft zu härteren Einschnitten. Sorgen vor einem künftigen Fachkräftemangel treten angesichts schwacher Auftragslagen, schlechter Finanzzahlen und zunehmenden Wettbewerbsdrucks in den Hintergrund.
Brorhilker rechnet deshalb mit weiteren Jobverlusten. In vielen Branchen gebe es erhebliche Überkapazitäten, unausgelastete Werke verursachten hohe Kosten. Inzwischen stünden nicht mehr nur Sparprogramme, sondern auch Werksschließungen zur Diskussion. Zusammen mit steigenden Industrieinsolvenzen drohe ein spürbarer Verlust industrieller Substanz.
(EY vom 25.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

