Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Das Vertrauen in Maschinen wächst dagegen: 39 % der Menschen in Deutschland nutzen Künstliche Intelligenz, um ihre Finanzplanung zu optimieren. Das zeigt der aktuelle „AI Sentiment Index 2026 – Fokusthema Finanzen“ von EY, für den weltweit rund 18.000 Menschen in 23 Ländern befragt wurden, darunter 1.000 in Deutschland.
Damit liegt Deutschland zwar unter dem internationalen Durchschnitt von 49 %. In Indien nutzen bereits 86 % KI für das eigene Finanzmanagement, in China 80 %. Doch auch hierzulande ist klar: KI ist im Finanzalltag angekommen.
KI hilft beim Budget, beim Trading und beim Schutz der Daten
Die Anwendungen reichen von Vorschlägen für Finanzprodukte wie Konten, Aktien oder Investmentfonds bis hin zum Schutz sensibler Finanzdaten. Jeweils 15 % der Befragten in Deutschland sind offen für KI-Empfehlungen bei Finanzprodukten oder nutzen KI zum Schutz ihrer Finanzdaten. Jeweils 13 % setzen KI bei Tradingstrategien oder bei der Haushaltsplanung ein. Ein Teil geht sogar noch weiter: 9 % der Menschen in Deutschland überlassen der KI die komplette Finanzplanung – von der Budgetplanung über Investmententscheidungen bis zur laufenden Kontoführung. International liegt dieser Wert bei 11 %, in Indien sogar bei 30 %.
Zwischen Komfort und Kontrollverlust
Technisch ist autonomes Finanzmanagement längst keine Zukunftsmusik mehr. Robo-Advisor können Einnahmen, Ausgaben, Risikoprofile und Marktbewegungen analysieren, Portfolios anpassen und Transaktionen automatisiert auslösen. Das spart Zeit, senkt Kosten und kann gerade bei standardisierten Entscheidungen Mehrwert schaffen. Doch die Skepsis bleibt groß. 71 % der Befragten in Deutschland halten KI nicht für nützlich, wenn es um Beratung auf Basis eigener Finanzdaten geht. Nur 24 % fühlen sich wohl dabei, Kontoaktivitäten und Ausgaben mit einer KI zu teilen – ein internationaler Tiefstwert.
Vertrauen wird zur wichtigsten Währung
Der Grund liegt nicht nur in Datenschutzbedenken, sondern auch im fehlenden Verständnis der Technologie. Nur 28 % der Deutschen sagen, sie verstünden KI gut und könnten sie sinnvoll einsetzen. Gleichzeitig sehen viele durchaus Vorteile: 64 % fühlen sich mit KI im Alltag grundsätzlich wohl, 48 % spüren bereits positive Effekte.
Für Anbieter ist die Botschaft eindeutig: Wer KI im Finanzbereich etablieren will, muss Transparenz, Sicherheit und menschliche Kontrolle ernst nehmen. Denn Finanzdaten sind der Schlüssel zu besseren Empfehlungen, aber auch die größte Schwachstelle. Am Ende entscheidet nicht nur der Algorithmus über den Erfolg, sondern das Vertrauen der Nutzer.
(EY vom 01.06.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

