Der deutsche Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung bleibt auf Wachstumskurs. Nach einem Plus von 7,6% im Jahr 2024 stieg das Marktvolumen 2025 um 6,1% auf 22,6 Milliarden Euro. Die 25 umsatzstärksten Gesellschaften legten im Durchschnitt sogar um 8,1% zu. Das zeigen erste Ergebnisse der Lünendonk-Studie 2026, die im August erscheinen soll.
Deloitte erreicht erstmals Platz zwei
PwC behauptet mit 3,26 Milliarden Euro Umsatz und einem Wachstum von 8,5% die Marktführerschaft. Dahinter teilen sich Deloitte und KPMG mit jeweils 2,71 Milliarden Euro erstmals den zweiten Rang. EY fällt trotz eines Umsatzplus von 2,4% auf Platz vier zurück.
Zusammen erzielen die Big Four 11,3 Milliarden Euro und kontrollieren damit 50,1% des deutschen Marktes. Allerdings wächst die Gruppe mit durchschnittlich 5,0% langsamer als die mittelgroßen Wettbewerber.
Next Six gewinnen an Boden
Die sogenannten Next Six – RSM Ebner Stolz, BDO, Rödl, Forvis Mazars, Baker Tilly und Grant Thornton – steigerten ihre Erlöse durchschnittlich um 8,8% auf 2,4 Milliarden Euro. RSM Ebner Stolz und Forvis Mazars verzeichneten mit jeweils 11,2% das stärkste Wachstum. RSM Ebner Stolz überschritt mit 530,8 Millionen Euro erstmals die Marke von 500 Millionen Euro. Auch BDO erreichte mit 508,3 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Dahinter folgen Rödl mit 443 Millionen Euro und Forvis Mazars mit 372 Millionen Euro. Besonders dynamisch entwickelten sich zudem Bansbach mit einem Plus von 17,3%, dhpg mit 14,3%, Nexia mit 12,7% und Curacon mit 12,2%.
Private Equity unter Druck
Nicht nur die Konjunktur beeinflusst das Geschäft der Branche, auch regulatorische Entwicklungen rücken zunehmend in den Fokus. Bislang wählten Private-Equity-Investoren (PE) einen besonderen Weg beim Thema Fremdbesitz: Sie beteiligten sich über ausländische WP-Gesellschaften mittelbar an deutschen Kanzleien. „Nachdem der Deutsche Bundestag Mitte Juni 2026 mit der Steuerberatungsnovelle das Fremdbesitzverbot für Steuerberatungen präzisiert hat, überprüfen die PEs ihr Engagement. Denn das Gesetz stellt klar, dass auch über ausländische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften keine mittelbaren Beteiligungen von Finanzinvestoren an deutschen Steuerkanzleien ohne weiteres möglich sind“, sagt Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder. Die Neuregelung soll Umgehungskonstruktionen verhindern und die Unabhängigkeit der Beratung sichern.
Umbruch mit KI und Partnermodellen
Die Studie zeigt außerdem, dass das klassische Partnermodell unter Druck gerät. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften reagieren derzeit mit flexibleren Einstiegswegen, leistungsabhängiger Vergütung und stärker differenzierten Partnerrollen.
KI entwickelt sich laut Jörg Hossenfelder zum „Hygienefaktor statt zum Differenzierungsmerkmal“ – durchschnittlich fließen 3% des Umsatzes in Digitalisierung, davon rund 41% in KI; die Effizienzgewinne beeinflussen die Preise bislang allerdings kaum, sondern dienen zunächst dazu, Investitionen in Technologie, Implementierung und KI-Schulungen aufzufangen.
(Lünendonk vom 16.07.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

