Eine leistungsfähige Infrastruktur wird für Deutschlands Unternehmen zunehmend zum Investitionsfaktor. Das zeigt die Studie „Vom Wachstumshemmnis zum Wachstumstreiber“ des Handelsblatt Research Institute (HRI) mit PwC Deutschland und Strategy&. Befragt wurden 304 Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten.
Für 76% beeinflusst die Qualität der Infrastruktur das Investitionsverhalten in Deutschland stark. Gelingt die Modernisierung, will fast die Hälfte der Unternehmen ihre Investitionen erhöhen. 36% erwarten zudem Produktivitätsgewinne, davon rechnen 48% mit Zuwächsen von mindestens 6%.
Milliardenbedarf trifft auf begrenzte Mittel
Der Investitionsbedarf ist enorm. In den kommenden zehn Jahren werden rund 60 Mrd. Euro für Bundesfernstraßen, bis zu 270 Mrd. Euro für die Schiene und mehr als 70 Mrd. Euro für digitale Infrastruktur benötigt. Hinzu kommen über 20 Jahre 490 bis 650 Mrd. Euro für den Umbau der Energieversorgung.
Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz mit 500 Mrd. Euro über zwölf Jahre kann diesen Bedarf allein nicht decken. Umso wichtiger ist der gezielte Einsatz der Mittel. Laut Studie kann jeder investierte Euro in der aktuellen konjunkturellen Unterauslastung das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,20 Euro erhöhen. Voraussetzung sind baureife, volkswirtschaftlich sinnvolle Projekte und eine schnelle Umsetzung.
Planung wird zum entscheidenden Faktor
Zum Engpass könnten fehlende Kapazitäten in Bauwirtschaft, Verwaltung und Planung werden. Die Studienautoren plädieren deshalb für einen nationalen Infrastruktur-Taktfahrplan. Zudem müssten Verkehr, Energie und digitale Netze stärker gemeinsam geplant werden. Rechenzentren benötigen etwa gleichzeitig Glasfaser und Stromkapazitäten, Industriegebiete zusätzliche Netzanschlüsse.
Entscheidend seien schnellere Genehmigungen, moderne Vergabeverfahren, stärkere Behörden und professionelles Projektmanagement. Gelingt die Modernisierung, könnte Deutschlands Potenzialwachstum wieder deutlich über 1% steigen und die Infrastruktur vom Wachstumshemmnis zum Standortvorteil werden.
(PwC vom 03.09.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

