Der Markt für elektrische Lkw entwickelt sich weltweit mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während China beim Hochlauf bereits weit vorangeschritten ist, steht Europa vor einer starken Wachstumsphase. Die USA dürften dagegen noch länger von Dieselantrieben geprägt bleiben. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Boston Consulting Group (BCG).
China führt bei elektrischen Lkw
In China entfielen 2025 bereits knapp 30% der Neuzulassungen mittlerer und schwerer Lkw auf batterieelektrische Modelle. 2026 liegt der Anteil laut BCG bereits darüber. Zudem werden mehr als 90% der weltweit verkauften emissionsfreien Lkw in China abgesetzt. In mehreren Einsatzbereichen haben E-Lkw dort bereits Kostenparität mit Diesel erreicht. Ein dichtes Netz aus Lade- und Batteriewechselstationen sowie staatliche Förderung treiben die Entwicklung zusätzlich voran.
Europa könnte bis 2035 auf 48% kommen
Europa steht nach Einschätzung von BCG erst am Beginn des breiten Markthochlaufs. In einem nachfragegetriebenen Szenario könnten batterieelektrische Lkw 2035 rund 48% der Neuzulassungen erreichen. Ohne regulatorische Entlastungen könnte sogar ein Anteil von bis zu 65% nötig werden, damit Hersteller ihre CO₂-Vorgaben erfüllen.
Als zentrale Hürde gilt weiterhin die Ladeinfrastruktur, insbesondere im Fernverkehr. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck aus China. Chinesische Hersteller könnten schwere E-Lkw laut BCG 30% bis 50% günstiger anbieten als europäische Wettbewerber.
USA bleiben deutlich zurück
In den USA erwartet BCG 2030 für Elektro- und Hybrid-Lkw zusammen einen Marktanteil von weniger als 5%. Selbst 2035 sollen es lediglich rund 8% sein. Gründe sind unter anderem fehlende bundesweite Vorgaben, eine schwache Ladeinfrastruktur und unterschiedliche Förderbedingungen der Bundesstaaten.
Für Hersteller bedeutet die Entwicklung: Statt einer global einheitlichen Elektrifizierungsstrategie werden zunehmend regionale Produkt-, Produktions- und Investitionsstrategien erforderlich.
(BCG vom 09.09.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

