Viele Immobilien wurden vor Jahren zu niedrigen Zinsen und deutlich höheren Bewertungen finanziert. Bei einer Anschlussfinanzierung verlangen Banken heute jedoch höhere Zinsen, mehr Eigenkapital und strengere Sicherheiten. Gleichzeitig sind zahlreiche Immobilien im Wert gesunken. Dadurch reicht ein neuer Kredit häufig nicht aus, um die bestehende Finanzierung vollständig abzulösen. Eigentümer müssen zusätzliches Kapital aufbringen, Immobilien verkaufen oder ihre Schulden restrukturieren. Das zeigt eine aktuelle Befragung von EY-Parthenon unter 90 deutschen Kreditinstituten und 70 spezialisierten Kanzleien.
Notleidende Kredite nehmen zu
Die Probleme spiegeln sich bereits in den Bankbilanzen wider. Im ersten Quartal 2026 waren rund 6,8 % der gewerblichen Immobilienkredite notleidend. Das entspricht etwa 18 Milliarden Euro. Mehr als 40 % der befragten Institute fanden bereits in Einzelfällen keine tragfähige Finanzierungslösung. Bisher übliche Laufzeitverlängerungen reichen angesichts sinkender Immobilienwerte zunehmend nicht mehr aus.
Büroimmobilien besonders gefährdet
Besonders kritisch ist die Lage bei Büroimmobilien. Rund 70 % der Banken erwarten hier weitere Preisrückgänge. Schwache Nachfrage, hohe Finanzierungskosten und sinkende Bewertungen erhöhen das Risiko zusätzlicher Kreditausfälle. Auch Wohn-, Einzelhandels-, Hotel- und Logistikimmobilien stehen unter Druck.
Erholung frühestens nach 2029
Zusätzlich verschärfen die Zinserwartungen die Lage. Rund 80 % der Befragten rechnen innerhalb der kommenden zwölf Monate mit steigenden Zinsen. Eine nachhaltige Markterholung könnte sich deshalb über das bislang erwartete Jahr 2029 hinaus verzögern. Nach Einschätzung der Studienautoren sind realistische Wertkorrekturen und umfassendere Restrukturierungen notwendig, um die Finanzierungslücken dauerhaft zu schließen.
(EY vom 09.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

