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21.10.2026

Deutschland bleibt bei KI hinter der Weltspitze

Eine aktuelle BCG-Analyse zeigt, dass Deutschland bei Forschung und industrieller KI punktet, aber Nachholbedarf bei spezialisierten Fachkräften besteht.

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pitinan/123.rf.com

Der internationale Wettbewerb um künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Dynamik: Laut einer neuen Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben sich seit 2024 acht Volkswirtschaften bei den Voraussetzungen für den KI-Einsatz so deutlich verbessert, dass sie in eine höhere Bewertungsgruppe aufgestiegen sind. Besonders Japan und Südkorea haben aufgeholt und gehören nun gemeinsam mit den USA, China, Großbritannien, Kanada und Singapur zu den weltweit führenden KI-Standorten.

Deutschland verbleibt dagegen in seiner bisherigen Bewertungsgruppe und liegt damit weiterhin hinter der internationalen Spitze. Für die Analyse hat BCG 79 Länder daraufhin untersucht, wie stark ihre Wirtschaft durch KI verändert werden könnte und wie gut sie auf deren Einsatz vorbereitet sind. Nahezu alle untersuchten Volkswirtschaften verfügen inzwischen über eine nationale KI-Strategie. Daher entscheidet nun zunehmend die Geschwindigkeit der Umsetzung darüber, wie erfolgreich sie die wirtschaftlichen Potenziale künstlicher Intelligenz nutzen können.

Deutschland baut auf industrielle KI

Während die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle weiterhin stark auf die USA und China konzentriert ist, setzt Deutschland insbesondere auf industrielle KI-Anwendungen: „Deutschland muss nicht jedes KI-Modell selbst entwickeln, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, erklärt Andrej Levin, Senior Partner und KI-Experte bei BCG. „Die große Chance liegt darin, künstliche Intelligenz dort einzusetzen, wo wir bereits über industrielle Kompetenz und jahrzehntelanges Prozesswissen verfügen. Dafür brauchen Unternehmen Zugang zu leistungsfähiger Technologie und Rahmenbedingungen, die Investitionen und Umsetzung erleichtern.“

Über gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen KI-Einsatz verfügt Deutschland unter anderem in der Automobilindustrie, Chemie, Biotechnologie und Medizintechnik. Mit der Weiterentwicklung sogenannter Physical AI, also KI-Systemen zur Steuerung von Maschinen, Robotern und Fahrzeugen, könnten künftig auch industrielle Bereiche wie Produktion und Logistik stärker von KI-bedingten Veränderungen erfasst werden.

KI-Fachkräfte sind Mangelware

Rund 65 % der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen laut BCG-Analyse auf Branchen mit mittlerem oder hohem KI-Veränderungspotenzial. Um dieses Potenzial wirtschaftlich zu nutzen, gewinnen neben qualifizierten Fachkräften insbesondere Investitionen und der Zugang zu leistungsfähiger Recheninfrastruktur an Bedeutung. Insbesondere bei der Verfügbarkeit spezialisierter KI-Fachkräfte besteht hierzulande gegenüber den führenden Volkswirtschaften Nachholbedarf. In Sachen Risikokapital und Finanzierung von KI-Unternehmen weist Deutschland jedoch im internationalen Vergleich Stärken auf. Mit JUPITER verfügt das Land zudem über Europas ersten Exascale-Supercomputer. Hinzu kommen gemeinsame europäische Investitionen in Rechenleistung und Forschungskapazitäten: Bis 2030 sollen die deutschen Rechenzentrumskapazitäten verdoppelt und die Rechenkapazitäten für KI und Hochleistungsrechnen vervierfacht werden.

Gezielte Investitionen beschleunigen KI-Entwicklung

Zwei Aufsteiger stechen in der Auswertung besonders hervor: Japan verbindet eine innovationsfreundliche Regulierung mit umfangreichen Investitionen internationaler Technologieunternehmen und seiner starken Robotikindustrie, während Südkorea gezielt in eigene KI-Modelle und Rechenkapazitäten investiert. Beide Länder haben damit ihre Voraussetzungen für den KI-Einsatz seit 2024 deutlich verbessert und zeigen, wie staatliche Maßnahmen, private Investitionen und technologische Kompetenzen ineinandergreifen können: „Es reicht nicht aus, KI auf politischer Ebene zur Priorität zu erklären. Entscheidend ist, wie schnell daraus Investitionen, Infrastruktur und konkrete Anwendungen entstehen“, erläutert Levin. „Jetzt kommt es darauf an, die Umsetzung zu beschleunigen – von Genehmigungsverfahren für Rechenzentren bis zum KI-Einsatz in der industriellen Produktion.“

(BCG vom 20.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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