29.03.2019

Digitale Transformation treibt M&A

Autokonzerne auf der Überholspur

© Tim/Fotolia.com

Die digitale Transformation, verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen sowie geopolitische Faktoren prägten den M&A-Markt zuletzt maßgeblich und werden neben der weiterhin hohen Verfügbarkeit von Eigen- und Fremdkapital auch künftig eine wesentliche Rolle spielen. Mit Blick auf die aktuell gedämpften wirtschaftlichen Prognosen gilt dabei weiterhin, dass vorausschauendes Handeln, eine detaillierte Analyse der Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher, politischer, technologischer und regulatorischer Entwicklung sowie eine sorgfältige Vorbereitung von M&A-Transaktionen wichtige Faktoren sind.

Die 90 größten börsengelisteten deutschen Unternehmen sind nach wie vor sehr aktiv bei Fusionen und Übernahmen (M&A) und treiben damit insbesondere auch die digitale Transformation ihrer Produkte und Prozesse voran, wie die aktuelle M&A-Studie der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zeigt. Im untersuchten Zehnjahres-Zeitraum 2009 bis 2018 wurden von diesen 90 Unternehmen 2.002 Investitionen durch M&A-Transaktionen getätigt, davon entfielen 1.334 auf die DAX- und 668 auf die MDAX-Werte. DAX-Unternehmen investierten dabei bevorzugt in Deutschland (rund 19 Prozent aller relevanten Transaktionen) und den USA (rund 17 Prozent). Hingegen fanden mehr als 39 Prozent der M&A-Investments von MDAX-Unternehmen in Deutschland statt, erst mit weitem Abstand folgen hier die USA mit einem Anteil von 13 Prozent.
Der veröffentlichte Gesamtwert aller relevanten Transaktionen lag im Betrachtungszeitraum bei 486,4 Mrd. US-Dollar. Rund 431 Mrd. US-Dollar investierten die im DAX vertretenen Unternehmen, mehr als 55 Mrd. US-Dollar die Unternehmen des MDAX.

Highlights 2018

Im vergangenen Jahr wurden 202 strategische Investments durch M&A (144 Deals durch die DAX- und 58 Deals durch die MDAX-Konzerne) getätigt, ein ähnlicher Wert wie in den Jahren zuvor. Die Rekordzahlen der Jahre 2006 bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 wurden indes noch nicht wieder erreicht. Vergleichsweise hoch war im Jahr 2018 das Deal-Volumen, das bei rund 113 Mrd. US-Dollar lag, wovon mehr als 110 Mrd. US-Dollar auf die DAX-Unternehmen entfallen. Ursache hierfür sind insbesondere eine Reihe sogenannter Mega-Deals von DAX-Firmen im US-Markt.

USA und Indien im Fokus

Die wichtigsten Märkte für M&A-Investitionen der DAX- und MDAX-Konzerne waren in den vergangenen zehn Jahren erneut Deutschland und die USA. Der Heimatmarkt Deutschland nimmt bei den absoluten Zahlen sowohl bei den DAX- als auch MDAX-Unternehmen die Spitzenposition ein, mehr als ein Viertel aller Transaktionen wurden hier realisiert.
„Die Investitionsfreude der deutschen Industrie in den USA ist nicht neu. In den vergangenen zehn Jahren wurden allein im US-Markt rund 47 Prozent des Gesamt-Transaktionsvolumens erzielt. Es ist Beleg für die Größe und Attraktivität des US-Marktes als Produktions-, Innovations- und Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Zudem sichern sich besonders DAX-Unternehmen durch ihre Aktivitäten Zugang zu innovativen Ideen und beteiligen sich aktiv an der Branchenkonsolidierung,“ kommentiert Dr. Wessel Heukamp, Partner und Leiter der Praxisgruppe Global Transactions in Deutschland.
In Wachstumsmärkten wie Indien und China fanden im Beobachtungszeitraum 299 M&A-Investitionen (15 Prozent aller relevanten Deals) statt. Das veröffentlichte Gesamtvolumen dieser Transaktionen erreichte 22,1 Milliarden US-Dollar.

Digitale Transformation als Treiber

Die nach Anzahl der Deals beliebtesten M&A-Investitionsziele der DAX-Werte sind Unternehmen aus der Digitalwirtschaft. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den MDAX-Konzernen. Von den DAX-Werten war die Allianz in den vergangenen zehn Jahren am aktivsten, gefolgt von Siemens und der Deutschen Bank. Bei den MDAX-Firmen agierten Axel Springer, United Internet und Brenntag am häufigsten.
„Der globale Trend der digitalen Transformation von Unternehmen und Industriezweigen spiegelt sich deutlich in den Akquisitionsaktivitäten der DAX- und MDAX-Konzerne wider. Viele Unternehmen erschließen und erweitern insbesondere auch durch Zukäufe ihre eigenen Kapazitäten in Schlüsselbereichen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Online-Plattformen oder Industrie 4.0. Bemerkenswert ist dabei auch, dass Transaktionen in der digitalen Wirtschaft insgesamt bedeutend schneller umgesetzt werden als in anderen Sektoren – und zwar global durchschnittlich in rund 25 Tagen verglichen mit rund 45 Tagen in anderen Branchen. Diese Dynamik gilt es jedoch zu balancieren mit dem Erfordernis vorausschauender Risikoabschätzung und Planung in Zeiten erhöhter regulatorischer und politischer Unsicherheit,“ erklärt Dr. Lars Meyer, Partner.

Ausblick

Der Boom bei M&A-Investitionen in Unternehmen in der Digitalwirtschaft steht im Wechselspiel mit erhöhter wirtschaftlicher und regulatorischer Unsicherheit, deren Ursachen im aktuellen politischen Umfeld liegen und die gerade auch besonders innovative Industriezweige betrifft. So lassen insbesondere die sich ändernde Rolle der USA im Weltgeschehen, verbunden mit anhaltenden Handelskonflikten mit Europa und China, die Auswirkungen des möglichen Brexits auf den europäischen Markt sowie verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen (etwa in Form restriktiverer Fusionskontrollprüfungen oder Verschärfungen des Außenwirtschaftsrechts in vielen Ländern) deutsche Unternehmen vorsichtiger agieren und dämpfen auch insgesamt die Aussichten für den M&A-Markt im Jahr 2019.
„Internationale Transaktionen werden derzeit sehr viel stärker politisch betrachtet. Regierungen greifen vermehrt mit Verschärfungen der regulatorischen Bedingungen in den M&A-Markt ein. Dies führt nicht nur zu längeren Prüffristen durch nationale Behörden, sondern auch zu erhöhter Unsicherheit für die beteiligten Unternehmen,“ fasst Dr. Juliane Hilf, Partnerin, zusammen.

Weitere Informationen finden Sie hier .

(Pressemitteilung Freshfields vom 26.03.2019)


Redaktion

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