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15.10.2019

Zeitfenster für Finanzierung wird für Unternehmen immer kleiner

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© Marco2811/fotolia.com

Der Zinssuperzyklus bei Unternehmenskrediten hat sich jüngst fortgesetzt – das sollte Unternehmen aber nicht zu falschen Rückschlüssen veranlassen.

Das neue Zins-Rekordtief von 0,92 Prozent p.a. (bei 5 Jahren Zinsbindung, ohne Zusatzkosten) legt es nahe: Allein schon optisch ist nicht mehr viel Luft nach unten für die Zinsen bei Unternehmenskrediten. Das ist ein Ergebnis der Studie „FCF Zins- & Kreditmonitor“ des Münchener Finanzierungsspezialisten FCF Fox Corporate Finance und des Analysehauses Barkow Consulting. „Der Zinssuperzyklus, der schon abgeschlossen zu sein schien, hat sich nach längerer volatiler Seitwärtsbewegung über etwas mehr als 2 Jahre nun mit einem drastischen, finalen Abfall fortgesetzt. Noch kann ein weiterer kurzfristiger Zinsrückgang, insbesondere vor dem Hintergrund der Rede von EZB-Chef Mario Draghi vom 18. Juni 2019, nicht per se ausgeschlossen werden – Unternehmen sollten aber die Zeichen der Zeit erkennen und sich vergegenwärtigen, dass es mittlerweile anders als in den vergangenen Jahren nicht mehr opportun ist, auf weitere Zinssenkungen zu warten oder darauf zu spekulieren“, erklärt Arno Fuchs, CEO von FCF Fox Corporate Finance. Vergleichsweise sicher sind in seinen Augen vor allem Unternehmen mit hohen effektiven oder implizierten Kreditratings im Investment Grade und Cross-over Bereich, deren gute Kreditqualität auch in schwächeren Marktphasen bzw. einer Rezession Bestand haben sollte. In Gefahr und damit unter Handlungsdruck seien dagegen vor allem Firmen, deren Bonität bzw. Kreditrating aktuell schon schwächer ist oder in einem Abschwung durch zyklische Abhängigkeiten von Konjunktur bzw. von Kunden schnell dahinschmelzen kann: „Diese ‚Fallen Angels’ werden sich zukünftig deutlich härteren Verhandlungen mit den dann kreditgebenden Banken ausgesetzt sehen, wobei erfahrungsgemäß auch die Banken ihr Neukundengeschäft mit Unternehmen schwächerer Bonität und in zyklischen Branchen in gesamtwirtschaftlich schwächeren Zeiten zurückfahren“, so Arno Fuchs weiter.

Den erneuten deutlichen Rückgang – seit Oktober 2018 haben sich die Zinsen von seinerzeit 1,86 Prozent noch einmal halbiert – führt er insbesondere auf die aufgrund des Verhaltens der EZB wieder bzw. weiter sinkenden Swap-Sätze zurück. Eine nachhaltige Fortsetzung dieses Trends sieht man bei FCF aber aus mehreren Gründen nicht gegeben: „Aufgrund des sich eintrübenden Wirtschaftsausblicks hat sich das Risiko für Unternehmen ganz klar dahingehend verlagert, dass es kurzfristig zu deutlich verschärften Finanzierungskonditionen abseits der Zinssätze kommen kann. Diese Trendumkehr hat bereits im zweiten Halbjahr 2018 im Bereich der sonstigen Kreditkonditionen wie etwa bei der Laufzeit, bei Covenants und bei der Besicherung eingesetzt“, ergänzt FCF-Kreditexperte und Managing Director Kai Frömert.

Arno Fuchs sieht darin allerdings keinen Grund für Unternehmen, nicht jetzt schon tätig zu werden: „Für Unternehmen ist es sinnvoll, anstehende Finanzierungen kurzfristig und zielstrebig anzugehen und das aktuell noch günstige, offene Finanzierungsfenster mit niedrigen Zinsen und noch günstigen Kreditbedingungen zu nutzen“, erläutert der FCF-CEO.

Dass Bedarf und Interesse vieler Unternehmen an Darlehen hoch sind, davon zeugt ein weiterer Punkt des FCF Zins- & Kreditmonitors: die Analyse des historischen Bestands an Unternehmenskrediten in Deutschland. Während seit 2004 dessen Entwicklung in aller Regel der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit einiger Verzögerung nachgelaufen war, koppelte sich Erstere jedoch zuletzt ab. Zwar folgte der Anstieg des Kreditbestands ab 2016 dem seit 2014 stärkeren BIP-Wachstum noch – doch während dieses bei etwa zwei Prozent verharrte und seit Anfang 2018 kontinuierlich abnimmt, steigt die Kreditbestandskurve ungebremst weiter – eine angesichts der BIP-Abschwächung zu erwartende Abflachung der Kurve lässt sich zumindest bislang noch nicht erkennen.

Bei ihrer Kreditvergabe weisen die jeweiligen Bankengruppen deutliche Unterschiede auf, wie der FCF Zins- & Kreditmonitor zeigt. Bei genossenschaftlichen Banken und bei Sparkassen etwa hat die Kreditvergabe seit der Finanzkrise am stärksten zugelegt. So sind die Darlehensvolumina der Volksbanken in diesem Bereich um 224,3 Prozent gewachsen, die der Sparkassen um 171,8 Prozent. Bemerkenswert ist der Umstand, dass der Zuwachs bei beiden Bankengruppen nahezu kontinuierlich verläuft. Auslandsbanken haben nach einem Rückgang während der ersten sechs Jahre nach der Finanzkrise ab 2013 wieder deutlich bei der Kreditvergabe zugelegt und mittlerweile das Vorkrisenniveau erreicht. Am unteren Ende dieser Auswertung stehen die Landesbanken, die nur noch rund vier Fünftel der Kredite an Unternehmen vergeben wie 2007 – ein Ergebnis der nachhaltigen Bereinigung der Vorkrisen-Exzesse.

(Pressemitteilung FCF Fox Corporate Finance vom 11.10.2019)


Redaktion

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