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17.03.2021

Technologie-Start-ups in Deutschland sammeln trotz Corona-Krise mehr Geld ein

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© tashatuvango/fotolia.com

Die Finanzierung der aktuell 100 größten deutschen Tech-Start-ups hat sich 2020 im Vergleich zu den Vorjahren weiter verbessert: Sie konnten seit ihrer Gründung 13,7 Mrd. USD von Investoren einsammeln. Im Vergleich zu den Top-100-Start-ups 2019 entspricht das einer Steigerung um 3,7 Mrd. USD beziehungsweise 37%, so die Studie „Venture Capital and Start-ups in Germany 2020“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Untersucht wurden Finanzierungen, Fusionen und Übernahmen der zum Stichtag 31.12.2020 größten deutschen Tech-Start-ups.

Die am besten finanzierten zehn Technologie-Start-ups erhielten 2020 zusammen zwar 1,3 Mrd. USD weniger als die Top Ten des Vorjahres und kamen somit auf 1,8 Mrd. USD an Venture Capital. Dafür verteilten sich die Investitionen auf mehr Start-ups: Die Zahl der Deals im Technologie-Segment stieg von 791 im Jahr 2019 auf 820 im vergangenen Jahr.

Auto1 Group erhielt seit Gründung mit knapp 1,4 Mrd. USD am meisten

Seit ihrer Gründung konnte die AUTO1 Group mit insgesamt knapp 1,4 Mrd. USD das meiste Venture Capital einsammeln. Dahinter folgen die Reiseplattform GetYourGuide (789 Mio. USD) und das Finanz-Start-up N26 (783 Mio. USD).

Berlin ist Start-up-Zentrum: 64 der 100 bestfinanzierten Technologie-Start-ups kommen aus der Hauptstadt

Alle drei genannten Unternehmen sitzen in Berlin und auch insgesamt ist die Hauptstadt das Start-up-Zentrum Deutschlands: 64 der 100 Tech-Start-ups mit der höchsten Gesamtfinanzierung kommen aus der Hauptstadt. Aus München kommen 21 der größten Start-ups, aus Hamburg sechs.

2020 ist die Finanzierung der Technologie-Start-ups trotz Corona-Pandemie der Analyse zufolge weiter gestiegen. Die hohen Bewertungen hängen auch damit zusammen, dass diese Unternehmen ihr Geschäftsmodell von Beginn an digital ausgerichtet haben und damit flexibler als andere Unternehmen auf die derzeitigen Herausforderungen reagieren können, erklären die Studienautoren. Die Digitalisierung der Wirtschaft sei einer der Megatrends des 21. Jahrhunderts und diese Jungunternehmen weisen den Weg. Insbesondere im zweiten Halbjahr 2020 wurde eine Zunahme der Finanzierungsrunden für junge Technologieunternehmen beobachtet.

M&A ging 2020 zurück – Zunahme für 2021 erwartet

Die Anzahl der Fusionen und Übernahmen von Technologie-Start-ups ist im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 90 zurückgegangen ist. Nach Einschätzung der Studienautoren wird das aber nicht so bleiben. Da ausreichend Liquidität im Markt sei, und viele Start-ups mit innovativen digitalen Geschäftsmodellen im vergangenen Jahr überzeugen konnten, rechnen die Experten mit einer Zunahme der M&A-Aktivität im laufenden Jahr.

Die meisten Mittel flossen in 2020 in Mobility, gefolgt von E-Commerce und FinTech

Vor allem im Fokus der Investoren: FinTechs sowie Software- und Analysedienstleister, von denen 24 bzw. 20 zu den 100 bestfinanzierten Tech-Start-ups 2020 zählen. Am meisten Geld floss jedoch in die Bereiche Mobilität und E-Commerce. Allein im Jahr 2020 erhielten Mobilitäts-Start-ups Venture Capital in Höhe von über 1 Mrd. USD. Start-ups aus dem Bereich E-Commerce kamen auf 744 Mio. USD. Durchschnittlich sammelte der Studie zufolge jedes in der Top 100 vertretene Start-up aus diesen beiden Bereichen etwa 250 Mio. USD seit ihrer Gründung ein – so viel wie in keiner anderen Branche.

Im vergangenen Jahr richteten die Investoren ihren Fokus vor allem auf Start-ups mit B2B-Lösungen, die andere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Die Studienautoren sehen aber auch eine Zunahme in anderen Bereichen. Dazu zählen E-Commerce-Plattformen, die vom Trend zu Bestellungen über das Internet und der Lieferung nach Hause profitieren oder Gesundheits-Start-ups, die gerade durch die Pandemie an Sichtbarkeit gewonnen haben. Aber auch Investitionen in CleanTech-Start-ups seien in den letzten Jahren konstant gestiegen und werden noch weiter steigen. Auch Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung, so die EY-Analyse.

Nur zehn der 100 Top-Start-ups von Frauen gegründet

In einem weiteren Bereich der deutschen Start-up-Landschaft wünschen sich die Autoren der Studie noch weitere Schritte nach vorne: Weibliche Gründer sind nach wie vor eine Minderheit. Dabei wisse man aus Untersuchungen, dass Diversität ein erheblicher Faktor für Wachstum und Erfolg ist. Von den 100 höchstbewerteten Start-ups wurden nur zehn von Frauen (mit-)gegründet, 14 werden aktuell von einer Frau geleitet bzw. mit geleitet.

Frauennetzwerke ausbauen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

Es sei für Frauen insbesondere schwieriger an Risikokapital zu kommen, stellen die Studienautoren fest. Das liege unter anderem daran, dass auch die Investoren überwiegend männlich sind und sich oft nicht mit den Produkten von Start-ups identifizieren können, die sich auf Frauen als Kunden konzentrieren. Zudem fehle es an Frauennetzwerken in der Start-up-Szene. Man könnte das traditionelle, männlich dominierte Start-up-Bild aber verändern, indem die Gesellschaft junge Frauen dazu ermuntert, zu gründen und ihnen auf dem Weg helfen, z.B. indem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessert werde, so das Fazit der Studie.

Die EY-Studie „Venture Capital and Startups in Germany 2020“ finden Sie hier zum Herunterladen.

(Pressemitteilung Ernst & Young vom 15.03.2021)


Redaktion

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