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12.10.2022

Emissionsmarkt Deutschland: Porsche Börsengang sorgt für ein Highlight in der IPO-Durststrecke

Die Inflation erreicht zweistellige Werte, die Angst vor einer Rezession wächst und ein rasches Ende des Ukraine-Kriegs ist nicht in Sicht: In einem von wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten geprägten Marktumfeld wagte sich im dritten Quartal kein Unternehmen an die Börse – mit einer Ausnahme: Porsche gelang Ende September der Sprung aufs Frankfurter Parkett. Der Automobilhersteller erzielte dabei knapp 9,4 Mrd. € – der größte Börsengang in Deutschland seit rund 25 Jahren. Bei den Kapitalerhöhungen und Fremdkapitalemissionen bleiben Emittenten zögerlich. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst und kommentiert.

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Sorgen und Unsicherheiten beherrschen die Kapitalmärkte

Die Stimmung in der Wirtschaft und an den Aktienmärkten ist am Boden: Der Ifo Geschäftsklimaindex ist im freien Fall, an den Aktienmärkten setzt sich die Talfahrt fort – bei hoher Volatilität – und für 2023 rechnen Experten mit einer Rezession. Der Emissionsmarkt ist entsprechend schwach, stellen die Studienautoren fest. Unter diesen schwierigen Bedingungen traue sich aktuell kaum ein Unternehmen an die Börse. Viele IPO-Kandidaten würden hre Börsenpläne zurückstellen und auf ein besseres Zeitfenster warten.

Der größte Börsengang seit mehr als einem Vierteljahrhundert

Die einzige Ausnahme im dritten Quartal bildete der Börsengang von Porsche: Der Automobilhersteller ist seit dem 29.09.2022 im Prime Standard an der Frankfurter Börse gelistet und spielte mit der Transaktion rund 9,4 Mrd. € ein. Damit handelt es sich um den größten Börsengang in Deutschland seit dem IPO der Deutschen Telekom im Jahr 1996. Die Transaktion des Automobilherstellers verlief trotz schwieriger Marktbedingungen erfolgreich: Der Emissionspreis lag am oberen Ende der Preisspanne und auch die Aftermarkt Performance war solide.

Porsche-Börsengang ist die zweitgrößte Erstnotiz in der deutschen Geschichte

Die Auroren der Analyse erwarten vom Porsche-IPO allerdings keinen Push-Effekt für den deutschen Emissionsmarkt, denn der Sonderfall Porsche lasse sich nicht so leicht auf andere Kandidaten übertragen. Die aktuellen Unsicherheiten im Markt seien einfach zu groß und die Bedingungen für Börsengänge so widrig, dass kaum ein Unternehmen eine attraktive IPO Bewertung erzielen könne.

Zurückhaltung bei Kapitalerhöhungen hält an

Auch bei den Kapitalerhöhungen bleiben Emittenten zögerlich: Immerhin zehn Unternehmen – und damit drei mehr als im zweiten Quartal – besorgten sich auf diesem Weg frisches Geld an der Börse. Das Volumen der Kapitalerhöhungen stieg auf 634 Mio. € und lag damit über dem Wert des Vorquartals (Q2: 526 Mio. €). Den mit rund 212 Mio. € größten Anteil steuerte der Windturbinen-Hersteller Nordex bei; die TAG Immobilien AG besorgte sich rund 202 Mio. € frisches Kapital an der Börse.

Leichter Aufwärtstrend bei den Fremdkapitalemissionen

Einen leichten Aufwärtstrend verzeichnet die PwC-Analyse bei den Fremdkapitalemissionen: Das Emissionsvolumen im Investment-Grade-Bereich ist im Vergleich zum Tief im zweiten Quartal gestiegen und lag bei 13,7 Mrd. € (Q2: 8,8 Mrd. €). Die Anzahl der Emissionen verharrt jedoch auf niedrigem Niveau.

Der primäre Markt für High-Yield-Bonds ist nach dem Rekordjahr 2021 quasi ausgetrocknet. Im zweiten Quartal hatte es keine einzige Transaktion gegeben; im dritten Quartal fanden nur vereinzelte Transaktionen statt. Das Volumen lag Ende September auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009.

Spreads auf hohem Niveau; Instrumente mit ESG-Bezug immer beliebter

Sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich sind die Spreads im dritten Quartal gestiegen – und Marktteilnehmer rechnen mit einem weiteren Anstieg. Die Gründe liegen auch hier in den anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf den Ukraine-Konflikt und den allgemeinen Rezessionsängsten der Investoren. Und ein weiterer Trend hält an: Die Nachfrage nach Instrumenten mit Bezug zu den Aspekten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) nimmt laut der Analyse weiter zu. Insbesondere bei größeren Investoren werden diese Instrumente immer beliebter.

Pessimistischer Ausblick auf den weiteren Verlauf

Mit Blick auf das vierte Quartal sind die Studienautoren zurückhaltend. Es sei gut möglich, dass man mit dem Börsengang von Porsche bereits den letzten Börsengang für dieses Jahr gesehen habe und es im vierten Quartal keine weitere Erstnotiz auf dem Frankfurter Parkett geben werde. Im günstigsten Fall liegen noch ein oder zwei kleinere IPOs im Bereich des Möglichen, so die Einschätzung der Autoren der Studie.

Im „Emissionsmarkt Deutschland“ analysiert PwC vierteljährlich sämtliche Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt. Darüber hinaus werden Neuemissionen von Unternehmensanleihen deutscher Emittenten erfasst. Die Angaben der Kapitalerhöhungen basieren auf Informationen von Thomson Reuters, Bloomberg und Capital IQ und beinhalten Transaktionen bis einschließlich 30.09.2022.

Die Studie „Emissionsmarkt Deutschland“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung PwC vom 12.10.2022)


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