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11.05.2023

Finanzvorstände: Wirtschaftliche Erholung mit geopolitischen Risiken

Die Geschäftserwartungen haben sich gegenüber dem Herbst deutlich verbessert, auch der Investitionswille steigt. Doch für fast alle CFOs bleiben geopolitische Risikoszenarien relevant für ihre Branchen.

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©JulienEichinger/fotolia.com

War der vorangegangene CFO Survey von Deloitte im Herbst noch geprägt von düsteren wirtschaftlichen Aussichten infolge der Krisenkette aus Energiekrise, Inflation und Ukraine-Krieg, so zeigt die neueste Untersuchung unter 140 deutschen Finanzvorständen Anzeichen der Erholung. Zugleich wird deutlich, wie stark aus Sicht der Finanzvorstände Risiken wie Fachkräftemangel und Geopolitik die weitere wirtschaftliche Entwicklung hemmen und gefährden.

„Der Tiefpunkt der aktuellen Krise scheint überwunden, negative Faktoren wie die Energiekrise sind weitgehend verschwunden, wir sehen im neuen CFO Survey eine deutliche Verbesserung bei den meisten Werten“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. „Dennoch: Die Inflation wird nicht einfach so verschwinden, dasselbe gilt für die geopolitischen Risiken. Daher bleiben die meisten Finanzchefs eher vorsichtig optimistisch, mit Betonung auf vorsichtig. Wir sehen aktuell vor allem Maßnahmen, um die Unternehmen wetterfest zu machen. Finanzielle Resilienz ist für die Unternehmen derzeit beispielsweise wichtiger als offensive Unternehmensstrategien.“

Geopolitik bestimmt zunehmend die Unternehmens-Agenda

Vor allem das neue geopolitische Umfeld treibe Unternehmen dazu, verstärkt Maßnahmen zu ergreifen, um ihre geopolitisch bedingte Resilienz zu optimieren und ihre geopolitischen Muskeln zu trainieren. Die drastischen Auswirkungen von Pandemie und Krieg haben den Unternehmen vor Augen geführt, wie verletzlich ihre Produktions- und Lieferketten sind und wie schnell geopolitische Änderungen das eigene Geschäft gefährdet. Geopolitische Risiken sind daher auf der Agenda von CFOs weit nach oben gerutscht, gerade in internationalen sowie exportorientierten Unternehmen.

Fast alle der befragten Unternehmen haben erkannt, dass geopolitische Risikoszenarien potenziell relevant für ihre Branche sind (96 %). Das Risiko einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs wiegt dabei für die CFOs am schwersten (65 %), gefolgt von einer Ausbreitung von Cyberattacken (54 %) und einer möglichen Eskalation des Konflikts zwischen China und Taiwan (44 %).

Vor allem bezüglich Absatzmärkte wollen die Unternehmen resilienter werden – so wollen 43 % der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe ihre Absatzmärkte anpassen, vor allem die Automobilindustrie. In der Konsumgüterindustrie liegt der Fokus hingegen auf eine zunehmend diversifizierte und lokalisierte Beschaffung von Vorleistungen und Rohstoffen (30 %). Für 21 % der Befragten geht es vor allem um eine Resilienz hinsichtlich der Produktionsstandorte.

Digital- und Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Finanzfunktion nimmt zu

Ein weiterer wesentlicher Punkt auf der CFO-Agenda bleibt die digitale Transformation der Finanzfunktion. Flexibilität und Skalierbarkeit sind essenziell, um die Finanzfunktion für drohende Risiken vorzubereiten – hier sind zwar Fortschritte erkennbar, wichtige Potenziale, vor allem im Bereich der fortgeschrittenen Analytics Anwendungen, bleiben aber noch unausgeschöpft.

Immer mehr in ihre Rolle finden CFOs auch beim Thema Nachhaltigkeit, das zunehmend auch in traditionellen CFO-Handlungsfeldern berücksichtigt wird. Doch auch hier gibt es – vor allem im Hinblick auf zu erwartende Reporting-Anforderungen – noch einigen Nachholbedarf. So schätzen gerade mal 20 % der Befragten ihr Unternehmen als vorbereitet ein für die Anforderungen der kommenden Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD).

„In fast allen befragten Unternehmen soll Nachhaltigkeit beispielsweise in die interne Finanzberichterstattung integriert werden“, erklärt Markus Seeger, Director Deloitte und mitverantwortlich für den CFO Survey. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Relevanz von Nachhaltigkeit für die CFO-Agenda nachlässt. Im Gegenteil: Durch kommende Herausforderungen, denen sich Unternehmen mit Blick auf EU-Taxonomie und CSRD stellen müssen, steigt der Handlungsbedarf für die Finanzfunktion noch weiter. Insbesondere beim Sicherstellen einer integrierten Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung sind die Kompetenzen des CFO-Ressorts gefragt. Anspruch und Wirklichkeit sind jedoch noch weit voneinander entfernt – gerade mal sechs Prozent der befragten Firmen hat bereits eine vollständige Integration erreicht.“

Den kompletten CFO Survey können Sie hier herunterladen.

(Deloitte vom 10.05.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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