• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Der Einsatz von Sale & Lease Back als strategischer Finanzierungsbaustein

24.03.2016

Der Einsatz von Sale & Lease Back als strategischer Finanzierungsbaustein

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Deutsche Unternehmen überdenken zunehmends ihre Finanzierungsquellen und suchen nach Ergänzungen zu bestehenden Kapitalgebern. Dies schafft eine größere Unabhängigkeit von der Hausbank und verschafft den Unternehmen einen größeren finanziellen Spielraum. Dabei greifen sie vermehrt auch auf alternative Finanzierungsmodelle zurück, die in anderen Ländern bereits weit verbreitet sind. Eines dieser Modelle ist das sog. Sale & Lease Back. Der Beitrag stellt das Sale & Lease Back-Verfahren vor und erläutert kurz den Ablauf einer solchen Finanzierung.

Deutschland behauptet im weltweiten Innovationswettbewerb einen Spitzenplatz. Das ist das Ergebnis des Innovationsindikators 2015, herausgegeben vom Bundesverband der Deutschen Industrie in Kooperation mit acatech – der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Innovationen sichern Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Auf Platz fünf im internationalen Wettbewerb ist Deutschland 2015 noch lange kein Weltmeister, das Ergebnis unterstreicht aber die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Damit Deutschland weiterhin zur Spitze gehört, müssen Staat, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft jedoch weiter Fortschritte machen und gemeinsam die Bedingungen für deutsche Top-Innovationsleistungen schaffen. Nachholbedarf gibt es in vielen Bereichen, wie zum Beispiel im Bildungssystem, beim Breitbandausbau, bei der finanziellen Unterstützung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von Unternehmen oder dem Ausbau von Wagniskapitalinvestitionen.

Finanziellen Spielraum durch Finanzierungsmix erhöhen

Auch beim Einsatz alternativer Finanzierungsmodelle sind andere Länder Deutschland einen großen Schritt voraus. Crowdfunding, Factoring, Einkaufsfinanzierung oder Sale & Lease Back sind in den USA oder Großbritannien längst ein „alter Hut“. Deutsche Unternehmen setzen diese Lösungen zunehmend im strategischen Finanzierungsmix ein und ergänzen damit in der Regel den klassischen Hausbankkredit – für mehr Unabhängigkeit und einen größeren finanziellen Spielraum. Angesichts der sich verschärfenden Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) und der Umsetzung des Reformpakets des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Basel III) ist zu erwarten, dass auch Kreditinstitute stärker auf eine Zusammenarbeit mit anderen Finanzierern setzen, um gerade Unternehmen ohne TOP-Bonitäten gemeinsam ausreichende finanzielle Mittel für verschiedenste Anlässe zur Verfügung stellen zu können. Dies hat Vorteile für alle Beteiligten: Die Hausbank ist weiterhin Hauptansprechpartner für den Unternehmer, sie kann durch die Einbindung weiterer Geldgeber ausreichende finanzielle Mittel bereitstellen und dem Kunden eine Lösung bieten. Alternative Finanzierer sind zudem keine Konkurrenz für das eigene Geschäft, denn sie haben in der Regel keine Produktpaletten analog dem klassischen Kreditinstitut. Das Thema Risikoteilung ist ein weiterer Vorteil der Zusammenarbeit von Banken und alternativen Finanzhäusern.

Anlässe für zusätzlichen Liquiditätsbedarf

Verschiedenste Anlässe im Unternehmen, wie z.B. Expansionen, Fusionen, Unternehmensnachfolgen, Erweiterungen des Produkt- und Leistungsportfolios oder Restrukturierungen, erfordern immer wieder zusätzliche finanzielle Mittel. Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes stellt Sale & Lease Back eine interessante Finanzierungsform dar, um stille Reserven im Unternehmen zu heben und zusätzliche Liquidität zu generieren. Viele Betriebe haben enormes gebundenes Kapital in Form von gebrauchten Maschinenparks in der Halle stehen. Beim Sale & Lease Back werden diese verkauft und direkt zurückgeleast. So wird gebundenes Kapital im Rahmen einer reinen Innenfinanzierung gehoben und eine schnelle Zufuhr von Liquidität ermöglicht. Die Maschinen werden dabei durchgehend im Unternehmen weiter genutzt. Die Leasingraten stellen zudem abzugsfähige Betriebsausgaben dar und können im Rahmen der Gestaltungsmöglichkeiten als Teil- oder Vollamortisationsverträge so kalkuliert werden, dass sie fortlaufend aus dem Cashflow des Unternehmens geleistet werden. Ein entscheidender Vorteil von Sale & Lease Back ist, dass bei der Finanzierungsentscheidung die Bonität nachrangig betrachtet wird, entscheidend ist die Werthaltigkeit der Maschinen.

Der Ablauf im Überblick

In der Praxis funktioniert das Verfahren wie folgt: zuerst erfolgt eine vorläufige Bewertung des kompletten Anlagevermögens. Dies kann entweder im Rahmen der Schreibtischbewertung eines detaillierten Anlagespiegels erfolgen oder eines ggf. bereits vorliegenden Zeitwertgutachtens. Nach Abgabe eines indikativen Angebots und dessen Annahme erfolgt die gutachterliche Bewertung des Maschinenparks zu Zeitwerten. Diese Bewertung bildet die Basis des Sale & Lease Back-Vertrags. Für die Erstellung des Vertrages werden weitere Unterlagen, wie Eigentumsnachweise oder Sicherheitenfreigaben der Banken benötigt. Nach Eingang aller Unterlagen steht einer schnellen Abwicklung nichts mehr im Wege. Durchschnittlich dauert der Vorgang von Erstansprache bis Valutierung etwa 6 bis 8 Wochen.

Voraussetzung: werthaltiger Maschinenpark

Das Unternehmen muss für eine Finanzierung über Sale & Lease Back über einen diversifizierten, universal einsetzbaren und werthaltigen Maschinenpark verfügen. Damit eignet sich dieser Finanzierungsbaustein hervorragend für produktionslastige Unternehmen, wie zum Beispiel aus der Metall- bzw. Kunststoffbe- und -verarbeitung, dem Baugewerbe, der Lebensmittelherstellung, der Textilproduktion, der Verpackungsindustrie etc.. Möglicherweise können auch Maschinen aus kurzfristig auslaufenden Mietkauf- oder Leasingverträgen abgelöst und in eine Finanzierung einbezogen werden, wenn derZeitwert über dem Ablösewert liegt.

Langfristiger strategischer Finanzierungsmix nötig

Das Credo für die Unternehmer von morgen lautet in Anbetracht der sich immer zugeknöpfter gebenden Banken: es muss eine strategische und möglichst breit aufgestellte Unternehmensfinanzierung mit einem Mix aus Modellen und verschiedenen Geldgebern her, die mittelständischen Unter-nehmen ausreichende Mittel für verschiedenste Anlässe sichert. Ein boni-täts- und bankenunabhängiger – und damit wirklich alternativer – Baustein im Rahmen dieses Mixes stellt die Innenfinanzierung in Form von Sale & Lease Back des gebrauchten mobilen Anlagevermögens dar – geeignet für die Finanzierung von Innovationsprozessen, über Wachstum, Nachfolgen bis hin zu Sanierungen, sprich, für alle unternehmerischen Lebenslagen.

Autor: Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführer Maturus Finance GmbH

 


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©tstockwerkfotodesign/de.123rf.com

09.06.2026

Die Regulierung von ESG-Ratingagenturen kommt

Ab dem 02.07.2026 werden ESG-Ratingagenturen, die im Gebiet der Europäischen Union tätig sind, erstmals einem Regulierungsrahmen (Verordnung (EU) 2024/3005) und der Aufsicht durch die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) unterstellt, die bereits für die Aufsicht über Kreditratingagenturen zuständig ist. Diese Entwicklung definiert die Spielregeln des ESG-Marktes neu. Ein Wendepunkt für die Glaubwürdigkeit von ESG Dieser

Die Regulierung von ESG-Ratingagenturen kommt
Meldung

© kritchanut/fotolia.com

08.06.2026

Europas M&A-Markt zieht wieder an

Europas M&A- und Private-Equity-Markt startet mit deutlich größeren und selektiveren Transaktionen ins Jahr 2026 und gewinnt wieder an Dynamik. Nach mehreren Jahren hoher Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und zurückhaltender Finanzierungsmärkte mehren sich die Anzeichen für eine Belebung. Gleichzeitig zeigt sich: Die aktuelle Erholung verläuft deutlich selektiver und komplexer als frühere Marktzyklen. Zu diesem Ergebnis kommt der

Europas M&A-Markt zieht wieder an
Meldung

© Denis Junker / fotolia.com

04.06.2026

Zahlungsverzug setzt Unternehmen unter Druck

Späte Zahlungen und steigende Forderungsausfälle setzen deutsche Unternehmen unter Druck. Die schwache Konjunktur verschärft die Situation – mit direkten Folgen für Liquidität und Lieferketten. Das aktuelle Atradius-Zahlungsbarometer für Deutschland zeichnet ein besorgniserregendes Bild der wirtschaftlichen Lage. „Während sich die Kreditbedingungen der Banken in ganz Westeuropa verschärfen, ist der Druck auf deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken

Zahlungsverzug setzt Unternehmen unter Druck
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)