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07.04.2016

Banken bleiben die wichtigsten Geldgeber des Mittelstands

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Corporate Finance

Die traditionellen Banken dominieren noch immer die Mittelstandsfinanzierung. Nicht-Banken erobern aber einen zunehmend größeren Marktanteil. Die Mittelstandsfinanzierung folgt dem Trend bei Großunternehmen: Refinanzierungsgeschäfte nehmen im zweiten Halbjahr 2015 ab.

Über die letzten 12 Monate war eine zunehmend große Vielfalt an Nicht-Banken in der Mittelstandsfinanzierung tätig. Dies gilt sowohl für das untere Marktsegment (unter 20 Mio. € bilaterale Verschuldung) als auch für die großen Unternehmensfinanzierungen im Mittelstandsbereich (Club-Deals oder Konsortialfinanzierungen oberhalb von 200 Mio. €). Das zeigt der Mid-Market-Debt-Survey des  Beratungsunternehmens AlixPartners.

Noch dominieren traditionelle Banken das Geschäft mit Fremdfinanzierungen – doch ihr Vorsprung schrumpft

Trotz der Volatilität des makroökonomischen Umfelds war das Transaktionsvolumen im europäischen Mittelstandsmarkt im Jahr 2015 stabil, getrieben nicht zuletzt von der hohen Liquidität der institutionellen Anbieter. Die Studie von AlixPartners zeigt, dass der Anteil der Fremdfinanzierungen durch Kreditgeber, die keine Banken sind, stark wächst. Dennoch wird der Mittelstandsmarkt nach wie vor von Banken dominiert, die hinter 67% der in der Studie analysierten Kreditgeschäfte stehen.

Mit 67 Deals schaffte es die HSBC, ihre Position als europaweit stärkste Mittelstands-Kreditgeberin das zweite Jahr in Folge zu halten, wenn auch der Abstand zu RBS und Lloyds geringer wurde. Die HSBC war im Jahr 2015 an 15% aller in der AlixPartners-Studie berücksichtigten Kredite beteiligt; in Großbritannien und Irland betrug ihr Anteil 27% (gegenüber 38% im Vorjahr).

Trotz einer Verzerrung der Daten durch die üblicherweise oft hastig abgeschlossenen Jahresend-Kredite im Dezember deutet laut Analyse einiges darauf hin, dass die Kreditanbieter im Jahr 2015 stärker auf Kreditqualität achteten und sich auf das Halten ihrer Marktanteile fokussierten. Nach dem ersten Halbjahr wurde über mehrere Kreditanbieter berichtet, die Transaktionen mit aggressivem Leveraging oder offensiven Preisanfragen abgelehnt hätten.

Die Nicht-Banken gewinnen als Kreditgeber an Attraktivität

Nicht-Bank-Kreditgeber, von denen einige inzwischen auch von milliardenschweren Fonds unterstützt werden, haben im Jahr 2015 deutlich Marktanteile hinzugewonnen. Die sechs Größten unter ihnen konnten die Zahl ihrer Kreditgeschäfte im Schnitt um 36% steigern. Zu ihnen gehörte beispielsweise Alcentra, das die Zahl seiner Deals im Vergleich zu 2014 um 80% steigerte, wobei der überwiegende Teil der Kreditvergaben (67%) bilaterale Unitranche-Geschäfte waren (16 Deals). Tikehau Investment Management vergab den überwiegenden Teil seiner Kredite in Frankreich (85%) und vor allem in Form von erstrangigen Finanzierungen. Sankaty Advisors und Permira Debt Managers legten besonders in der zweiten Jahreshälfte bei der Anzahl ihrer Transaktionen in Großbritannien, Deutschland und Skandinavien zu. Auch wenn Ares Management in der AlixPartners-Analyse nicht erschöpfend ausgewertet werden konnte, gilt das Unternehmen als einer der führenden Nicht-Banken-Player für Kreditvergaben und engagierte sich 2015 in einer Reihe relevanter Transaktionen, darunter einer bilateralen Kreditlinie über 250 Millionen Euro zur Unterstützung des Buyouts des irischen Duty-free-Shopping-Dienstleisters Fintrax durch Eurazeo (Quelle: Private Debt Investor).

Das Volumen von Refinanzierungen sank, das von Unitranchen stieg

Ein weiterer deutlicher Trend des Jahres 2015 war die Abnahme der Refinanzierungs-Aktivitäten. Der Anteil der Refinanzierungen und Dividenden-Rekapitalisierung an allen Kreditgeschäften fiel signifikant und machte 2015 nur noch 27% aller Transaktionen aus. Im Vorjahr waren es noch 41%.
Im Gegensatz dazu betrafen 21% der Deals im abgelaufenen Jahr die Ausweitung bestehender Kreditlinien, auch für Akquisitionen (gegenüber 17% in 2014). Darin zeigt sich das Bestreben, existierende Kredit-Engagements zu stärken und Wert aus Akquisitionssynergien und strategischem Wachstum zu schöpfen.

Die fundamentalste und noch immer andauernde Veränderung des Jahres 2015 war jedoch die wachsende Marktdurchdringung mit Unitranche-Produkten aus der Hand von Nicht-Banken – wenn auch unter zunehmender Beteiligung einiger Banken. Erstrangige Kredite blieben zwar weiterhin die häufigste Finanzierungsform im Mittelstand, ihr Marktvolumen sank jedoch im letzten Jahr von 70% auf 62%. Treiber für diesen Rückgang ist die zunehmende Verbreitung von Unitranche-Geschäften auf bilateraler Basis durch Kreditfonds, die nach der formalen Kreditgewährung schnelle Transaktionen bei geringen Risiken erlauben.

Im Jahr 2015 registrierte die Studie rund 111 Unitranche-Geschäfte (gegenüber 69 im Jahr 2014, wobei die geographische Reichweite der Erhebung gegenüber 2014 erweitert wurde). 72% davon wurden auf bilateraler Basis gewährt. Zunehmend zeigten sich größere Kreditfonds bereit, einzelne Geschäfte bis zu einem Volumen von 300 Mio € zu zeichnen.

Einige Banken, darunter die Bank of Ireland, Lloyds und Macquarie, haben auf die wachsende Präsenz der Kreditfonds reagiert und sich an einigen größeren Unitranche-Geschäften beteiligt, die dieser Analyse zugrunde liegen. Nach ersten Ankündigungen im Jahr 2014 ließ sich 2015 eine wachsende Zahl von Partnerschaften zwischen Banken und Kreditfonds beobachten (beispielsweise die Allianz der Royal Bank of Scotland mit Hermes, AIG und M&G Investments oder die informelle Partnerschaft zwischen Barclays und Ares Management). Diese Verbindungen erhöhen die Schlagkraft, operative Geschwindigkeit und die gegenseitige Kapitalnutzung in einem wettbewerbsintensiven Markt. In der zweiten Jahreshälfte 2015 stieg die Wettbewerbsintensität weiter: Mehrere neue Kreditfonds, die auf Nischenmärkte zielen, traten in den Markt ein. Dies betrifft vor allem das untere Segment des Mittelstandsmarkts. Zugenommen hat auch die geografische Reichweite der Unitranche-Kreditgeber. Die Kreditfonds dringen zunehmend in Regionen vor, die bislang von lokalen Banken dominiert wurden, wie etwa die iberische Halbinsel, die Benelux-Länder und Nordeuropa.

Weiteres Wachstum in der Kreditfinanzierung durch Nicht-Banken erwartet

Jan Kantowsky, Managing Director bei AlixPartners: „Wir sehen auch weiterhin starkes Wachstum bei der Kreditvergabe durch Nicht-Banken. Dies betrifft die Zahl der Kreditfonds und Transaktionen ebenso wie die von diesen Fonds verwalteten Anlagegelder. Die Folge ist ein weiter zunehmender Wettbewerb, was tendenziell zu besseren Konditionen für Kreditnehmer führt. Für das Jahr 2016 erwarten wir weiteres Wachstum in der Kreditfinanzierung durch Nicht-Banken, weil sich Europa zunehmend in einen Finanzierungsmarkt nach US-Vorbild verwandelt. Wir glauben, dass der Wettbewerb in der Mittelstandsfinanzierung in Europa mittelfristig intensiver wird und die Zahl der klassischen Bankkredite weiter abnimmt. Künftig werden große Kreditfonds aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen, neue Regionen zu erschließen, die bisher von lokalen Banken dominiert werden – wie etwa die Benelux-Länder, die iberische Halbinsel und Nordeuropa.

(Pressemitteilung AlixPartners vom 31.03.2016)


Redaktion

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