21.11.2023

Unternehmen setzen vermehrt auf Afrika

Der geopolitische Weckruf ist wohl angekommen: Deutsche Unternehmen setzen jetzt vermehrt auf Afrika als Absatzmarkt und Produktionsstandort.

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tumsasedgars/123rf.com

In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen scheinen deutsche Unternehmen ihren Blick stärker auf den afrikanischen Kontinent zu richten. Dies legen die Ergebnisse  der „Afrika Studie 2023“ nahe, eine gemeinsame Befragung des Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft und der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unter deutschen Unternehmen mit Geschäftstätigkeit auf dem afrikanischen Kontinent.

59 % der befragten deutschen Unternehmen wollen demnach ihr Geschäft in Afrika aufgrund der geopolitischen Situation ausweiten, ein Fünftel (20 %) zieht den Kontinent deshalb erstmals als Investitionsstandort in Betracht. Unabhängig davon wollen zwei Drittel (66 %) der Firmen ihre Investitionstätigkeit in Afrika in den kommenden fünf Jahren generell ausweiten. Jedes zehnte Unternehmen ist dabei erst in den vergangenen fünf bis zehn Jahren auf Afrika als Investitionsstandort aufmerksam geworden.

Mehr Aufmerksamkeit für Afrika

Auch die deutsche Politik schenkt dem Kontinent wieder mehr Aufmerksamkeit. Erst vor wenigen Wochen brach Bundeskanzler Olaf Scholz bereits zur dritten Afrika-Reise in seiner Amtszeit auf und besuchte mit Nigeria und Ghana zwei der wirtschaftlich stärksten Staaten Westafrikas. Wenige Tage später folgte ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in diplomatischer Mission nach Tansania und Sambia reiste. Den intensivierten Dialog will der Bundeskanzler nun auch in Deutschland fortsetzen. So hat er seine Teilnahme am vierten G20-Investitionsgipfel der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI) am 20.11.2023 in Berlin zugesagt. Bei der Veranstaltung geht es unter anderem um die Frage, wie die wirtschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents durch Investitionen der Privatwirtschaft nachhaltig vorangebracht werden kann.

Deutschland hinkt bei Investitionen hinterher – Investitionsgarantien könnten Abhilfe schaffen

Die deutsche Wirtschaft hat im internationalen Vergleich die Zeichen der Zeit erst spät erkannt und deutlichen Nachholbedarf. Laut aktuellen Studien haben sich deutsche Investitionen in Afrika in den letzten 20 Jahren bis 2023 etwas mehr als verdoppelt (Faktor 2,6). Frankreich dagegen versechsfachte seinen Kapitalbestand auf dem Kontinent im selben Zeitraum; China steigerte ihn sogar um den Faktor 90. Die Investitionszurückhaltung der Vergangenheit spüren deutsche Unternehmen in Afrika heute: Wenngleich gut jedes fünfte befragte Unternehmen (22 %) wachsende Marktanteile der deutschen Wirtschaft beobachtet, sieht sich mehr als ein Drittel (38 %) einer dominanten internationalen Konkurrenz ausgesetzt. Zu den in afrikanischen Ländern stark bzw. zunehmend präsenten Wettbewerbern zählen zum Beispiel Akteure aus Frankreich, China oder der Türkei.

Als wichtigste Instrumente zur Investitionsförderung in Afrika nennen mehr als die Hälfte der befragten in Afrika tätigen Unternehmen (57 %) Investitionsgarantien und Subventionen, gefolgt von Freihandelsabkommen (43 %) und der Unterstützung vor Ort durch deutsche staatliche bzw. staatlich finanzierte Organisationen (39 %). Knapp die Hälfte der Befragten (46 %) geht davon aus, dass die Anfang 2021 in Kraft getretene und perspektivisch 54 afrikanische Staaten umfassende Freihandelszone „African Continental Free Trade Area“ (AfCFTA) mittel- bis langfristig einen positiven Effekt auf ihre Geschäfte in Afrika haben könnte.

Deutsche Wirtschaft blickt optimistisch auf Afrika

Tatsächlich zeichnen die vor Ort tätigen deutschen Unternehmen ein positives Bild von Afrika als Geschäfts- und Investitionsstandort. 29 % der befragten Unternehmen sind sehr zufrieden mit den eigenen Geschäften vor Ort, 22 % zufrieden. Auch mit Blick auf die Geschäftsaussichten kann Afrika überzeugen. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen erwartet, dass ihr Umsatz im Geschäftsjahr 2023 entweder signifikant (17 %) oder leicht (39 %) ansteigt. Jedes vierte Unternehmen (26 %) rechnet mit gleichbleibenden Umsätzen. Nur jede zehnte befragte Firma geht von einem Umsatzrückgang aus. Für die kommenden fünf Jahre erwarten sogar insgesamt mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen einen signifikanten (37 %) oder leichten (41 %) Anstieg der Umsätze.

Als zentrale Standortvorteile nennen die Unternehmen vor allem Marktgröße und -wachstum (69 %) und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften (27 %). Trotz der großen Rohstoffabhängigkeit Deutschlands von China und des Rohstoffreichtums Afrikas nennt lediglich jedes fünfte Unternehmen (18 %) die dortigen Rohstoffvorkommen als einen der drei wichtigsten Standortvorteile Afrikas. Als wichtigste Vorteile im Vergleich mit China werden die schnell wachsende afrikanische Bevölkerung (51 %) und die unerschlossenen Märkte Afrikas genannt (52 %).

Standortnachteile sind länderspezifisch zu bewerten

Trotz der grundsätzlich positiven Stimmung sehen sich die Unternehmen auch mit Herausforderungen konfrontiert. Mehr als jeweils gut die Hälfte der Befragten weist auf Korruption (59 %) und mangelnde politische Stabilität in einzelnen afrikanischen Ländern (54 %) hin, gefolgt von mangelhaften regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (39 %). Die Ergebnisse müssen aufgrund der sehr heterogen Länder Afrikas differenziert betrachtet werden. Das zeigen beispielsweise  die Zahlen des Korruptionswahrnehmungsindex CPI von Transparency International. Im Ranking 2022 werden zahlreiche afrikanische Länder besser bewertet als klassische Partnermärkte Deutschlands.

(KPMG vom 20.11.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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