07.01.2025

US-Konzerne beherrschen die Weltbörsen

Generell dominieren US-Unternehmen an den Börsen. Von den zehn teuersten Unternehmen haben sogar neun ihren Sitz in den USA.

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Trotz starker geopolitischer Spannungen und einer schwächelnden Weltkonjunktur: Der Der Börsenwert der 100 teuersten börsennotierten Unternehmen der Welt stieg im Verlauf des vergangenen Jahres um 25 % und erreichte mit 44,9 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand. Angetrieben wird die Rekordjagd an den Börsen vom KI-Boom, der die Bewertungen vieler Unternehmen aus dem Technologiesektor in die Höhe treibt. Aktuell können sich 24 Technologieunternehmen unter den Top 100 platzieren. Die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen stieg im Verlauf des vergangenen Jahres um 40 % – keine andere Branche weist ein derart starkes Wachstum auf.

Wo sitzen die wertvollsten Unternehmen?

Klar führend sind gerade in diesem Bereich Unternehmen aus den USA: Von den 24 Technologieunternehmen unter den Top 100 haben 17 ihren Hauptsitz in den USA. Generell dominieren US-Unternehmen das Ranking – zum Jahresende 2024 platzieren sich 62 US-Konzerne in der Liste der höchstbewerteten Unternehmen der Welt. Von den zehn teuersten Unternehmen haben sogar neun ihren Sitz in den USA. Europäische Unternehmen schaffen es hingegen derzeit nicht unter die weltweiten Top 10. Und von den 100 wertvollsten Unternehmen haben nur 18 ihren Hauptsitz in Europa – 17 stammen aus Asien.

Das wertvollste europäische Unternehmen ist aktuell der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk auf Rang 24. Danach folgt der französische Luxuskonzern LVMH auf Platz 28. Deutschland ist derzeit mit drei Unternehmen im Top-100-Ranking vertreten – vor einem Jahr waren es nur zwei. SAP belegt mit einem Börsenwert von 285 Milliarden US-Dollar Rang 32 (Ende 2023: Rang 62), Siemens belegt Rang 94 (Ende 2023: Rang 88) und ist aktuell gut 153 Milliarden US-Dollar wert. Die Deutsche Telekom liegt mit einem Börsenwert von 147 Milliarden US-Dollar auf Rang 98 (Ende 2023: Rang 117).

Sorgenkind Automobilindustrie

Im Ranking der 300 höchstbewerteten Unternehmen ist die Zahl der deutschen Unternehmen allerdings massiv gesunken: von elf vor einem Jahr auf aktuell nur noch fünf. Hauptgrund dafür ist die angespannte Lage in der Automobilindustrie. Ende 2023 waren noch alle deutschen Autokonzerne unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt vertreten, doch derzeit schafft es keiner mehr in diese Liste. Die deutschen Autohersteller Porsche, Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen kommen zusammen auf einen Börsenwert von 206 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: SAP, das wertvollste deutsche Unternehmen, ist allein 38 % mehr wert als diese vier Automobilkonzerne zusammen.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit halbjährlich untersucht. Stichtag für die vorliegende Analyse ist der 31.12.2024 (Börsenschluss).

KI bewegt die Börsen

„Nach wie vor bewegt vor allem das Thema Künstliche Intelligenz die Börsen und treibt die Wertentwicklung von Technologieunternehmen weltweit an. Die schwache Konjunktur und eine geopolitische Lage, die sich weiter zuspitzt, scheinen dabei in den Hintergrund zu treten“, kommentiert Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, die Ergebnisse. „Tatsächlich ist KI keine vorübergehende Mode, sondern eine in vielerlei Hinsicht revolutionäre Technologie, die eine immer größere Bedeutung für die Wirtschaftswelt haben wird. KI-Technologien werden schon bald in allen Branchen und auch im privaten Bereich breit eingesetzt und zu einschneidenden Veränderungen führen. Damit wird eine erhebliche Wertschöpfung verbunden sein, von der Investoren heute schon profitieren wollen.“

Europa steht beim KI-Boom an der Seitenlinie

Es sind allerdings vor allem US-Unternehmen, die vom KI-Boom profitieren – nur wenige europäische börsennotierte Unternehmen spielen im Zusammenhang mit KI derzeit eine bedeutende Rolle. Der deutsche Softwarekonzern SAP und der niederländische Chipausrüster ASML liegen dabei ganz vorne – die Unternehmen belegen die Plätze 32 und 33 im Ranking. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen spielt Europa beim Thema KI und generell im Digitalsektor eine untergeordnete Rolle“, beobachtet Ahlers. „Und angesichts der rasanten Entwicklung in diesem Bereich besteht die große Gefahr, dass wir zunehmend den Anschluss verlieren. Daran ändern auch die vielversprechenden KI-Startups wenig, die es in Europa und auch in Deutschland durchaus gibt.“

Dass Europa in den kommenden Jahren Top-Technologiekonzerne hervorbringen könne, sei angesichts der Übermacht der USA in diesem Bereich kaum zu erwarten, meint Ahlers. „In Europa dominieren noch die traditionellen Industriebranchen, die sich derzeit mitten in einer tiefgreifenden Transformation befinden, und die zudem mit einer weltweit schwachen Nachfrage kämpfen. Aus Investorensicht bieten viele dieser Unternehmen derzeit wenig Potenzial und sind stark risikobehaftet, was die relativ schwache Aktienkursentwicklung erklärt“, sagt Ahlers.

Industrie 4.0 als Chance für Deutschland?

Damit sei das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. „Die Digitalisierung und auch Künstliche Intelligenz bieten erhebliche Chancen für die Industrie.“ Gerade Industrie 4.0, also die Digitalisierung und Vernetzung von industriellen Produktionsprozessen, biete einem Industriestandort wie Deutschland die Chance, seine industrielle Basis zu modernisieren, wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig nachhaltige und innovative Produktionsmethoden zu fördern. „Durch die Automatisierung und Digitalisierung von Produktionsprozessen können Unternehmen ihre Effizienz steigern und die Produktionskosten senken – was angesichts des Kostenproblems am Standort Deutschland von größter Bedeutung ist“, sagt Ahlers.

Vorerst allerdings spielen die US-Technologiekonzerne in einer anderen Liga als die deutschen Top-Unternehmen. So ist allein Apple mit einer Marktkapitalisierung von knapp 3,8 Billionen US-Dollar fast doppelt so viel wert wie alle 40 DAX Konzerne zusammen (1,9 Billionen US-Dollar).

(EY vom 03.01.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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