29.01.2021

2021: Die Zeichen stehen auf Restrukturierung

Beitrag mit Bild

© Rido/fotolia.com

Trotz einer leichten Erholung im dritten Quartal 2020 wird 2021 zum Schicksalsjahr einzelner Branchen. Besonders hart trifft es den stationären Handel, Automobilzulieferer und die Fluggesellschaften. Gewinner sind der Online-Handel und vor allem asiatische Unternehmen. Das zeigen die jüngsten Zahlen des „Kearney Restructuring Score“, für den die Restrukturierungsexperten diesmal über 6.000 Unternehmen aus 88 Ländern analysiert haben.

Der Handlungsdruck auf die Unternehmen bleibt hoch, auch wenn sich die Gesamtsituation für die Unternehmen im dritten Quartal etwas entspannt hat, stellen die Studienautoren fest. Je länger die Corona-Krise anhalte, desto prekärer werde die Situation einzelner Branchen. Gerade für jene Unternehmen wird 2021 zum Schicksalsjahr werden, die bereits vor Ausbruch der Pandemie in schwierigem Fahrwasser waren und nun unter dieser doppelten Last leiden, so die Analyse.

Restrukturierungsbedarf im Vergleich zu 2019 deutlich gestiegen

Die auf Restrukturierung spezialisierte Unternehmensberatung analysiert für den „Kearney Restructuring Score“ vier Mal im Jahr die wichtigsten Kennzahlen von mehr als 6.000 Unternehmen aus 70 Branchen: Umsatz, EBITDA, Nettoverschuldung, Marktkapitalisierung. Aus den über 42.000 Datensätzen bildet sich dann „Restructuring Score“, der sowohl gesamtwirtschaftlich als auch für einzelne Branche berechnet wird. Je höher der Wert, desto höher der Restrukturierungsbedarf. Für das dritte Quartal 2020 liegt er über alle Segmente hinweg mit einem Wert von 5.2 unter den beiden Werten der ersten Quartale (Q1: 5.4 bzw. Q2: 5.9), jedoch deutlich über dem des vierten Quartals 2019, als er bei 4.9 lag.

Staatliche Hilfsprogramme entfalten ihre Wirkung

Die Gründe für die Verbesserung im globalen Maßstab im Laufe des Jahres 2020 sind nach Ansicht der Studienautoren vielfältig. Zum einen entfalten staatliche Hilfsprogramme ihre Wirkung und auch die positiven Entwicklungen der Börsen begünstigte die Lage. Allerdings gab es teils erhebliche regionale und branchenspezifische Unterschiede. In China hat sich die wirtschaftliche Erholung laut der Studie viel stärker entfalten können als in den USA oder auch Europa.

Autobauer und Zulieferer kämpfen mit anhaltendem Transformationsdruck

Besonders relevant für Deutschland bleibt der Blick auf die Automobilindustrie. Gegenüber dem zweiten Quartal 2020 hat sich der Branchen „Restructuring Score“ deutlich verbessert und sank von 6.8 auf 4.0. Die Sanierungsexperten glauben jedoch, dass es zu früh ist, von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen, denn neben der deutlich schnelleren Erholung der asiatischen Märkte, haben auch zeitlich befristete, fiskalpolitische Maßnahmen wie Kaufprämien das Geschäft belebt. Gleichzeitig kämpfen die Autobauer und insbesondere ihre Zulieferer mit dem anhaltenden Transformationsdruck hin zu mehr Elektrofahrzeugen sowie der Digitalisierung, erklären die Autoren der Studie.

Reise- und Tourismusbranche steht hartes Jahr bevor

Ein hartes Jahr steht nach Ansicht des Kearney Restrukturierungsteams der Reise- und Tourismusbranche bevor. Der „Restructuring Score“ verharrt mit 9.2 Punkten auf extrem hohem Niveau. Für Airlines kommen die Studienautoren gar auf einen Wert von 10.4. Die aktuellen Analysen belegen erneut, dass dem Reise- und Tourismusbereich fundamentale Umwälzungen bevorstehen, die sich 2021 massiv bemerkbar machen werden, prognostizieren die Studienautoren. Viele Unternehmen kämpfen damit, dass ihr Geschäftsmodell obsolet ist und auch nicht mehr in alter Form zurückkommen wird, selbst wenn die Pandemie überwunden sein wird.

Massive Umwälzungen im Handel

Zwar sind die Zahlen für den Handel auf den ersten Blick nicht ganz so dramatisch, doch belegt der „Restructuring Score“, dass sich innerhalb der Branche massive Umwälzungen zugunsten einiger weniger, globaler Online-Händler geben könnte. Amazon und Alibaba seien die Gewinner mit Umsatz- und EBITDA-Steigerungen von jeweils 20% im zweiten Quartal. Die Zeche dafür zahlen der stationäre Handel und die kleineren Online-Händler, so die Einschätzung der Studienautoren.

Den „Kearney Restructuring Score“ können Sie hier bestellen.

(Pressemitteilung Kearney vom 28.01.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©Sondem/fotolia.com

07.10.2026

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt

Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt
Meldung

© pichetw/fotolia.com

06.10.2026

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen

Mit dem breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst auch der Einfluss von Finanzvorständen. Laut der globalen CFO-Studie des IBM Institute for Business Value unter 1.500 CFOs haben 62% inzwischen zusätzliche Verantwortung für Technologie- oder KI-Strategien übernommen. 56% verfügen über mehr Einfluss auf Portfoliosteuerung und Kapitalallokation, 54% gestalten stärker Geschäftsmodelle und Wachstumsstrategien. Finanzabteilungen noch nicht transformationsreif

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen
Meldung

© ferkelraggae/fotolia.com

05.10.2026

50 Milliarden Euro notleidende Kredite

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums reagieren zahlreiche Banken mit strengeren Kreditvergabestandards und höheren Anforderungen an Sicherheiten. Gleichzeitig gewinnen Debt Fonds und Private-Credit-Anbieter als alternative Finanzierungsquellen klar an Bedeutung. Wie die neue Deloitte-Studie Kreditmarkt-Insights 2026 zeigt, haben notleidende Kredite seit Anfang 2023 stark zugenommen und erreichen mittlerweile knapp 50 Milliarden Euro. Zugleich ist der Anteil der Kredite

50 Milliarden Euro notleidende Kredite
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)