31.12.2025

2025 ist das schwächste IPO-Jahr

Nach Absagen von mehreren geht 2025 als enttäuschendes IPO-Jahr in die Geschichte ein. Auch bei den Fremdkapitalemissionen verlief das Jahr eher durchwachsen.

Beitrag mit Bild

murrstock/123rf.com

2025 war kein gutes Jahr für Börsengänge in Deutschland: Mit nur drei Initial Public Offerings (IPOs) und einem Emissionsvolumen von 1,186 Milliarden Euro geht 2025 als schwächstes IPO-Jahr seit 2020 in die Geschichte ein. 2024 hatte die Frankfurter Börse immerhin fünf IPOs verzeichnet, die insgesamt Erlöse in Höhe von 1,914 Milliarden Euro einspielten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt erfasst.

IPO-Bilanz 2025 fällt enttäuschend aus

„Trotz stabilem Marktumfeld und gut laufender Indizes wagten sich in Deutschland 2025 deutlich weniger Unternehmen an die Börse, als wir vor einem Jahr erwartet hatten: Nach Absagen von mehreren IPOs im zweiten und dritten Quartal geht 2025 somit als enttäuschendes IPO-Jahr in die Geschichte ein“, sagt Stephan Wyrobisch, PwC-Experte für Kapitalmarkttransaktionen.

„Während andere europäische und globale Märkte ein gutes IPO-Jahr verzeichneten, trifft das auf Deutschland nicht zu: Die geringe Emissionsaktivität reflektiert das vorsichtige Verhalten der Investoren. Zum einen befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer schwierigen, von Unsicherheit geprägten Lage. Daneben beobachten wir eine größere Flexibilität auf Emittentenseite, was Transaktionsstrukturen betrifft. So entscheiden sich immer mehr Unternehmen im aktuellen Marktumfeld für ein Dual-Track-Verfahren – und ziehen am Ende einen M&A-Deal dem Börsengang vor“, ergänzt Dirk Menker, PwC-Experte für Kapitalmarkttransaktionen.

Ottobock gelingt erfolgreicher Börsengang im Prime-Segment

Dem Prothesenhersteller Ottobock gelang im vierten Quartal, was kein anderes Unternehmen im Jahresverlauf schaffte: Ein IPO im Prime-Standard an der Frankfurter Börse. Bei seiner geglückten Erstnotiz im Oktober spielte das Unternehmen 808 Millionen Euro ein. Auch auf dem Sekundärmarkt hat sich die Aktie stabil entwickelt.

Mit dem Elektrotechnik-Zulieferer PFISTERER und dem Softwarehersteller innoscripta schafften 2025 zwei Unternehmen den Sprung ins Scale-Segment der Frankfurter Börse. Während die PFISTERER-Aktie seit IPO eine positive Wertentwicklung genommen hat, verläuft die Kursentwicklung von innoscripta weniger positiv.

Dazu kamen zwei namhafte Neuzugänge im Prime Standard, die durch Spin-offs entstanden sind: AUMOVIO als Spin-off des Automobilbereichs von Continental und der Marineschiffbauer TKMS durch die Abspaltung von thyssenkrupp. Beide Unternehmen sind zum Jahresende auch direkt in den MDAX eingezogen. Da die Listings dieser beiden Spin-offs ohne direkte Aktienplatzierungen erfolgten, werden sie in der Analyse nicht als IPO gewertet.

Kapitalerhöhungen dominieren die Transaktionstätigkeit

In puncto Kapitalerhöhungen fällt die Bilanz für das Gesamtjahr 2025 auf den ersten Blick solide aus: Insgesamt nutzten 20 Unternehmen das Instrument der Kapitalerhöhung, um sich insgesamt 3,82 Milliarden Euro über die Börse zu besorgen (Vorjahr: 22 Kapitalerhöhungen mit einem Gesamtvolumen von 569 Millionen Euro). Der Löwenanteil des Emissionsvolumens wurde allerdings von einer einzigen Kapitalerhöhung bestimmt: Der Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg konnte im dritten Quartal 2025 3,106 Milliarden Euro einnehmen, um ein Investitionsprogramm voranzutreiben.

Fremdkapitalemissionen folgen dem Trend: Werte unter Vorjahr

Auch bei den Fremdkapitalemissionen verlief das Jahr 2025 durchwachsen: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Anzahl der Emissionen im Investment-Grade um rund zehn Prozent zurück: von 108 im Jahr 2024 auf 97 im Jahr 2025. Das Emissionsvolumen war ebenfalls rückläufig und lag für das Gesamtjahr bei 80,479 Milliarden Euro (Vorjahr: 83,611 Milliarden Euro).

Im High-Yield-Bereich zeigt sich ein ähnliches Bild: Dort hatte sich das Emissionsvolumen nach einem starken Jahresauftakt im ersten Halbjahr 2025 noch über dem Niveau des Vorjahres bewegt. Ein schwaches zweites Halbjahr und insbesondere das Schlussquartal des Jahres sorgten jedoch insgesamt für einen Rückgang des Volumens um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Anzahl der Emissionen von High-Yield Bonds sank deutlich – von 57 im Jahr 2024 auf 40 im Jahr 2025. Die jüngste Zinssenkung durch die FED wird wahrscheinlich zu einem deutlichen Anstieg der Emissionen von High-Yield Bonds in 2026 führen.

Vertrauen in den Markt muss wachsen: Fünf bis zehn IPOs sind 2026 realistisch

Für das Jahr 2026 geht PwC-Experte Stephan Wyrobisch trotz solider Rahmenbedingungen nicht von einem Boom-Jahr für Börsengänge aus: „Das Kapitalmarktumfeld war in den letzten Monaten grundsätzlich stabil, Indizes liefen gut, und auch das makroökonomische Umfeld schien sich zu stabilisieren, unterstützt von Zinssenkungen und abflauenden Zollkonflikten. Gleichzeitig sind viele Private-Equity-Unternehmen und Start-ups aus gefragten Branchen wie dem Defence-Bereich in Deutschland grundsätzlich bereit für den Börsengang. Allerdings muss sich das Vertrauen in den Kapitalmarkt als Exit- und Finanzierungsoption nach den Jahren mit geringer Emissionstätigkeit erst wieder aufbauen. Insofern rechne ich damit, dass wir 2026 ungefähr fünf bis zehn Börsengänge in Frankfurt sehen werden.“

Ein weiterer Grund dafür könnte auch ein erneut entflammter Trend aus den USA sein, der aktuell nach Europa schwappt: Dort erfreuen sich so genannte Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) wieder großer Beliebtheit. Rund die Hälfte des Transaktionsvolumens aus den Finanzdienstleistungssektor am US-Kapitalmarkt entfiel 2025 auf SPAC-Transaktionen. Dabei sammelt eine Mantelgesellschaft zunächst über einen Börsengang Geld ein, um damit im zweiten Schritt die Übernahme eines privaten Unternehmens zu finanzieren, das damit den Sprung an die Börse schafft.

(PwC vom 23.12.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

©tadamichi/fotolia.com

16.07.2026

Wirtschaftsprüfer wachsen trotz Rezession weiter

Der deutsche Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung bleibt auf Wachstumskurs. Nach einem Plus von 7,6% im Jahr 2024 stieg das Marktvolumen 2025 um 6,1% auf 22,6 Milliarden Euro. Die 25 umsatzstärksten Gesellschaften legten im Durchschnitt sogar um 8,1% zu. Das zeigen erste Ergebnisse der Lünendonk-Studie 2026, die im August erscheinen soll. Deloitte erreicht erstmals Platz

Wirtschaftsprüfer wachsen trotz Rezession weiter
Meldung

©tashatuvango/ fotolia.com

14.07.2026

Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf Allzeittief

Die Investitionsbereitschaft deutscher Mittelständler ist so niedrig wie seit Beginn der Erhebung 1995 nicht mehr. Nur noch 52% der Unternehmen wollen in den kommenden sechs Monaten investieren. Das zeigt eine Umfrage der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unter mehr als 1.000 Firmen. Hohe Kosten bremsen Unternehmen Die Geschäftserwartungen bleiben schwach:

Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf Allzeittief
Meldung

©pitinan/123rf.com

14.07.2026

Elektroprämie befeuert den deutschen E-Auto-Markt

Die staatliche Kaufprämie hat den deutschen Elektroautomarkt im zweiten Quartal deutlich belebt. Mit knapp 208.400 Neuzulassungen wurde ein neuer Quartalsrekord erreicht. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Absatz um 54%. Von dem Wachstum profitieren jedoch vor allem ausländische Hersteller. Deutsche Konzerne wachsen langsamer Die deutschen Autobauer steigerten ihre Elektroverkäufe zwar um 31%, ihr gemeinsamer Marktanteil sank

Elektroprämie befeuert den deutschen E-Auto-Markt
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)