• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Agribusiness-Umsatz knackt 300-Milliarden-Marke

18.01.2024

Agribusiness-Umsatz knackt 300-Milliarden-Marke

2023 war ein positives Ausnahmejahr nach einer langen Durststrecke im Agribusiness. Aktuelle Analysen zeigen jedoch, dass die positiven Zahlen nicht zum Regelfall werden.

Beitrag mit Bild

© m.mphoto/fotolia.com

Rekordergebnis auf dem Papier, doch die Stimmung der Landwirtinnen und Landwirte ist auf dem Tiefpunkt: 304 Milliarden Euro Umsatz erzielte das deutsche Agribusiness im Jahr 2023, ein Plus von voraussichtlich knapp 8 % im Vergleich zum Jahr zuvor. Damit bleibt die Branche hierzulande mit einem Anteil von fast 13 % der zweitstärkste Sektor im verarbeitenden Gewerbe. Die Ernährungsindustrie ist dabei der mit Abstand umsatzstärkste Bereich im Agribusiness: 238 Milliarden Euro – und damit 78 % des Umsatzes – wurden in diesem Sektor erzielt. Den größten Anteil an diesem Ergebnis hatten die Fleisch- (50 Milliarden Euro) und die Milchwirtschaft (36 Milliarden Euro). Dahinter folgt die Landtechnik mit einem Umsatz von knapp 15 Milliarden Euro. Der Sektor Ernährung ist gleichzeitig mit knapp 648.000 Mitarbeitenden auch der beschäftigungsstärkste Bereich im Agribusiness.

Stimmung in der Branche so schlecht wie seit Jahren nicht

In allen analysierten Sektoren des Agribusiness stiegen die Umsätze – einzige Ausnahme ist der Milchwirtschaft, wo die Zahlen 2023 im Vergleich zum Rekordvorjahr leicht zurückgingen, aber auf einem überdurchschnittlichen Niveau blieben. Trotzdem ist die Stimmung in der Branche so schlecht wie seit Jahren nicht. Wie passt das zusammen? Dr. Christian Janze, Partner bei EY, erklärt: „Noch im Sommer war die Stimmung der Landwirtinnen und Landwirte hierzulande überwiegend gut: Zuversicht und Investitionsbereitschaft waren groß, die Agrarpreise auf einem relativ hohen Niveau. Allerdings wurde im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres ein Kipppunkt erreicht – die Preise für Agrarprodukte stürzten in den vergangenen sechs Monaten ab.“

Insgesamt seien die Umsatzzuwächse zudem fast ausschließlich auf Preis- und nicht auf Mengeneffekte zurückzuführen. Janze weiter: „2023 war, wenn man die reinen Zahlen betrachtet, ein positives Ausnahmejahr nach einer langen Durststrecke, in der zahlreiche Betriebe hierzulande gerade einmal kostendeckend produzieren konnten. Die aktuellen Analysen zeigen jedoch, dass diese positiven Zahlen nicht zum Regelfall werden dürften – ganz im Gegenteil.“ Aktuell verstärken der aus landwirtschaftlicher Sicht zu nasse Herbst und in der Folge verfaulende Wintersamen in zahlreichen Regionen die negative Stimmungslage.

Regulatorik macht der Branche zu schaffen

Was die Beschäftigten in der Landwirtschaft außerdem belastet, sind die Folgen eines seit Jahren deutlichen Anstiegs regulatorischer Maßnahmen. Der aktuell geplante Subventionsabbau, beispielsweise beim Agrardiesel, ist der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Janze: „Es ist wichtig zu verstehen: Die relativ gute Preisentwicklung im vergangenen Jahr darf nicht über die strukturellen Probleme der Branche hinwegtäuschen.“ Auch das Klima habe Landwirtinnen und Landwirte im Jahr 2023 vor enorme Herausforderungen gestellt, sagt Prof. Dr. Ramona Teuber vom Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen: „Die Preise, die Landwirtinnen und Landwirte erzielen, sind nach Rekordwerten Mitte 2023 im Keller, die Kosten für Rohstoffe, Energie und Arbeitskräfte bleiben aber gleichzeitig hoch, die Aussichten trüb.“

Weltweiter Agrarmarkt zwischen Substitution und Diversifikation

Weltweit stand das Agribusiness im vergangenen Jahr – vor allem in Folge des russischen Angriffskriegs – im Zeichen von Substitution und Diversifikation. So mussten Importeure ukrainischen Getreides – wie die Türkei, Ägypten und Äthiopien – neue Anbieter finden. Gleichzeitig wurden knappe Getreidearten und Ölsaaten so weit möglich durch andere ersetzt: Weizen teilweise durch Reis, Sonnenblumenöl durch andere Pflanzenöle. Nutznießer dieser Entwicklung waren neben Russland, Kanada und der Europäischen Union auch die USA. Teuber: „Wichtig war auch, dass sich die meisten Agrarexporteure mit Exportrestriktionen zurückgehalten haben, sodass die Handelsmengen auf den Weltmärkten nicht weiter verknappt wurden.“ Gemessen an Ernte und Beständen im Herbst 2023 ist die globale Versorgungslage bei Getreide aktuell kaum besser als zu Beginn des Krieges im Februar 2022.

(EY vom 17.01.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

©Alexander Limbach/fotolia.com

15.01.2026

Unternehmen verdoppeln KI-Investitionen

Weltweit planen Unternehmen, 2026 ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,7 % des jährlichen Umsatzes zu verdoppeln. 39 % der Unternehmen planen für 2026 KI-Investitionen in Höhe von mindestens 50 Millionen US-Dollar. Deutschland liegt mit 52 % über dem globalen Durchschnitt und belegt damit innerhalb der Europäischen Union (EU-Durchschnitt: 38 %) den Spitzenplatz. Das

Unternehmen verdoppeln KI-Investitionen
Meldung

©garagestock/123rf.com

14.01.2026

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung

Die deutschen Banken beachten klimabedingte Risiken aus regulatorischen Gründen immer stärker bei ihrer Kreditvergabe an Unternehmen. Im deutschen Mittelstand bekommen das vor allem größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten zu spüren. So berichteten 37 % der großen Mittelständler, die 2024 in Kreditverhandlungen waren, dass Nachhaltigkeit in den Gesprächen mit Banken und Sparkassen thematisiert wurde. Das

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung
Meldung

© alexlmx/fotolia.com

13.01.2026

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation

Der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen in Deutschland bleibt hoch. Inmitten umfassender Transformations- und Restrukturierungsprozesse stehen viele Organisationen vor der Herausforderung, einen Stellenabbau professionell, fair und zugleich wirksam umzusetzen, häufig unter erheblichem Zeit- und Kostendruck sowie mit begrenzten Vergleichswerten. Gleichzeitig wird über Restrukturierungen in der Praxis noch immer selten offen gesprochen. Um hier Transparenz zu schaffen,

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)