• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Aktive Vorstände und Frauen ziehen als Aufsichtsräte in die Boards europäischer Großunternehmen ein

13.07.2022

Aktive Vorstände und Frauen ziehen als Aufsichtsräte in die Boards europäischer Großunternehmen ein

Die internationale Personalberatung Heidrick & Struggles veröffentlicht seit vielen Jahren einen Überblick über die Veränderungen in den Aufsichtsgremien der größten europäischen Publikumsgesellschaften. In diesem Jahr flossen Daten von knapp 450 börsengelisteten Unternehmen aus 13 europäischen Ländern ein. Im aktuellen „Board Monitor Europe“ werden die Neuberufungen von Aufsichtsräten (Non-Executive Directors) in die Boards im Zeitraum März 2021 bis März 2022 ermittelt und analysiert.

Beitrag mit Bild

©alphaspirit/123rf.com

Im Untersuchungszeitraum wurden in die europäischen Boards 573 neue Aufsichtsräte berufen – dies ist ein deutliches Plus gegenüber dem ersten Pandemiejahr mit lediglich 500 Neuberufungen. Die Studienautoren sehen auch in Deutschland nach einem sehr ruhigen Jahr 2020 bei der Neubesetzung von Aufsichtsräten eine Belebung in den führenden Börsenkonzernen. Die Auswahl neuer Mitglieder sei dabei oft richtungsweisend für die strategische Ausrichtung der Unternehmen und biete die Chance, sich für künftige Entwicklungen durch die personelle Auswahl zu wappnen.

Welche europaweiten Trends sind aus den Neuberufungen ablesbar?

Mit 67% war der Anteil an neu berufenen Aufsichtsräten, die eine aktive Managementfunktion wahrnehmen, besonders hoch (März 2020 bis März 2021: 63%). Vor allem in Frankreich (80%), Norwegen (79%) und Italien (73%) tendierten die Unternehmen zu noch aktiven Kontrolleuren, während in Irland, den Niederlanden und Schweden in hohem Maße pensionierte Top-Managerinnen und -Manager in die Aufsichtsräte einzogen. Das durchschnittliche Alter der neuen Aufsichtsräte beträgt 56 Jahre.

Wunschkandidaten sind aktive Aufsichtsräte mit Erfahrung

Gleichzeitig sank europaweit die Zahl jener Board-Mitglieder auf 43%, die ein erstes Aufsichtsrat-Mandat wahrnehmen. Laut der Studienautoren ist zu beobachten, dass bei der Kandidatenkür für Aufsichtsräte vergleichsweise jüngere Top-Leute, die ihre berufliche Karriere noch nicht abgeschlossen haben, besonders gesucht sind. Sie sollen durch ihre noch aktive Rolle und auch mit Hilfe ihrer Erfahrung als Aufsichtsräte in anderen Unternehmen Erfahrung bei der Lösung der vielen aktuellen Probleme und Risiken mitbringen.

In dieses Bild passt, dass von den Neu-Aufsichtsräten 38% Erfahrung als CEO und 14% als CFO besitzen. Gesucht sind ausgewiesene und hochkarätige Profis, die den Unternehmen bei der anstehenden Krisenbewältigung Stabilität verleihen können.

Themen Cyber Security und Nachhaltigkeit noch unterrepräsentiert

Darunter leiden andere Aspekte: Bei den neuen Aufsichtsrätinnen und -räten zeichnet sich weiterhin kein Fortschritt bei Besetzungen in den Themenbereichen Cyber Security und Nachhaltigkeit gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Länder hier deutlich. Bei den aktuellen Berufungen wurden die Sitze in Dänemark (23%), Irland (22%) und Frankreich (19%) mit Personen mit Erfahrungen bei Nachhaltigkeit vollzogen, während in Ländern wie Belgien, Deutschland und der Schweiz dieses Profil keine besondere Rolle spielte.

Financial Risk- und Compliance-Erfahrung gesucht

Aufsichtsräte mit digitalem Wissen wurden zu 15% berufen (Vorjahr 11%), jene mit Financial Risk & Compliance-Erfahrung zu 29% (Vorjahr 27%). Beides ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen plausibel. Laut der Analyse führen der technologische Fortschritte bei Datenanalyse und künstlicher Intelligenz dazu, dass Aufsichtsräte oft händeringend nach Kolleginnen und Kollegen mit Kenntnissen in diesen Kompetenzfeldern suchen. Risikomanagement besitzt ebenfalls derzeit höchste Priorität, da nach Einschätzung de Studienautoren in Europa eine längere Phase wirtschaftlicher Verwerfungen droht.

Gender Diversity trägt Früchte

43% aller neu besetzen Aufsichtsrat-Sitze gingen im Untersuchungszeitraum an Frauen, wobei die Quoten von Land zu Land stark variieren. In Spanien beispielsweise liegt der Anteil an Frauen unter den Neuaufsichtsräten bei 66%, in Belgien hingegen nur bei 31%. Der Drive, mehr weibliche Aufsichtsrätinnen in die Boards zu integrieren, hat nachgelassen. Im Vorjahreszeitraum gabe es nur 46% weibliche Besetzungen.

Dennoch ist der Anteil an Aufsichtsrätinnen in den führenden europäischen Konzernen nicht zuletzt durch die Einführung gesetzlicher Quoten höher als im operativen Top-Management. Über alle Unternehmen und Länder beträgt dieser Anteil derzeit 33%. Führend in dieser Betrachtung sind die Unternehmen in Frankreich (43%) und Italien (40%). Irland rangiert mit 27% am unteren Ende. Für Deutschland liegt der Wert bei 28%, wobei im Rahmen des „Board Monitor Europe“ die 90 Unternehmen des DAX und MDax berücksichtigt wurden.

(Pressemitteilung Heidrick & Struggles vom 11.07.2022)


Weitere Meldungen


Meldung

© kasto/de.123rf.com

05.05.2026

Baubranche unter Dauerstress

Die deutsche Bauindustrie steht auch 2026 weiter unter erheblichem Druck. Die aktuelle PwC-Studie zeigt eine Branche, die ihre Herausforderungen klar erkannt hat, deren Umsetzung von Gegensteuerungsmaßnahmen jedoch weiter auf sich warten lässt. Kostendruck ist die größte Herausforderung Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen geopolitischen Belastung bleibt der Kostendruck die größte Herausforderung der Branche. 91 %

Baubranche unter Dauerstress
Meldung

©alfaphoto/123rf.com

04.05.2026

Deutscher Markt für Wagniskapital startet solide ins Jahr 2026

Trotz großer wirtschaftlicher und weltpolitischer Unsicherheiten ist der deutsche Markt für Wagniskapital solide ins Jahr 2026 gestartet. Deutsche Start-ups sammelten im ersten Quartal 1,7 Milliarden Euro ein, das waren 6 % mehr als im ersten Quartal 2025. Das Investitionsvolumen war dabei nicht von einzelnen Megadeals getrieben, sondern ergab sich aus einer stabilen Entwicklung in der Breite

Deutscher Markt für Wagniskapital startet solide ins Jahr 2026
Meldung

© tashatuvango/fotolia.com

29.04.2026

Verwaltetes Vermögen wächst weltweit auf 147 Billionen US-Dollar

Das weltweit verwaltete Vermögen (Assets under Management, AuM) stieg im Jahr 2025 um 11 % auf 147 Billionen US-Dollar. Die Margen der Asset-Management-Unternehmen blieben stabil bei über 30 %. Trotz dieser starken Kennzahlen steht die globale Branche vor einem strukturellen Wendepunkt. Denn das Umsatzplus beruht zu 80 % auf positiven Marktentwicklungen, während nachhaltige Nettozuflüsse nur einen begrenzten Beitrag

Verwaltetes Vermögen wächst weltweit auf 147 Billionen US-Dollar
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)