20.02.2024

Anhaltend hohe Rezessionsgefahr

Mit jedem Monat wächst das Risiko, dass die konjunkturelle Hängepartie in eine chronische Wachstumsschwäche umschlägt, warnt das IMK.

Beitrag mit Bild

irrmago/123rf.com

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist in den letzten Wochen auf bereits hohem Niveau noch leicht gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von Februar bis Ende April weist der Indikator, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt, eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 61,7 % aus. Anfang Januar betrug sie für die folgenden drei Monate 56,8 %. Gleichzeitig ist die statistische Streuung im Indikator, in der sich die Verunsicherung der Wirtschaftsakteure ausdrückt, mit 18,8 % trotz eines geringfügigen Rückgangs weiter hoch. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Konjunktur-Frühwarnsystem zeigt, wie in den Vormonaten, „rot“, was für eine akute Rezessionsgefahr steht, die bis ins zweite Quartal 2024 reicht.

Verschiedene Negativ-Faktoren

Der leichte Anstieg des Rezessionsrisikos beruht vor allem darauf, dass die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe nach den aktuellsten verfügbaren Daten vom Dezember nochmals gesunken ist. Weitere Negativ-Faktoren sind die zuletzt schwachen Einzelhandelsumsätze und ein gestiegener „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem eigenen Indikator ermittelt. Dieser Anstieg geht unter anderem auf die aktuell überdurchschnittlich hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorpandemiestand zurück. Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit nicht noch stärker gestiegen ist, liegt daran, dass die Aufträge an das Verarbeitende Gewerbe zuletzt zugenommen haben. Diese positive Entwicklung sollte aber nicht überschätzt werden, erklärt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald. Denn sie sei vor allem auf Großaufträge im Flugzeugbau zurückzuführen, die üblicherweise die konjunkturelle Grunddynamik weniger gut widerspiegeln.

„Einige wichtige Rahmenbedingungen verbessern sich aktuell eigentlich: Die Inflation ist deutlich rückläufig, was zu einer absehbar stärkeren Entwicklung der realen Einkommen in Deutschland führt. Parallel steigt die Erwartung, dass demnächst die hohen Leitzinsen zumindest moderat gesenkt werden. Schließlich scheint sich die Nachfrage nach Investitionsgütern bei wichtigen Handelspartnern wieder zu beleben, insbesondere in den USA“, analysiert Theobald das aktuelle Konjunkturbild. Grundsätzlich bestehe daher die Hoffnung, dass sowohl der private Verbrauch als auch die Exporte im Jahresverlauf moderate Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft liefern könnten. Allerdings laufe gleichzeitig eine Art Rennen gegen die Zeit, sagt der Ökonom: „Denn je länger die Konjunkturschwäche andauert, desto stärker droht, dass sie trotz Fachkräftemangels spürbar auf den Arbeitsmarkt durchschlägt.“

Droht chronische Wachstumsschwäche?

„Mit jedem Monat wächst das Risiko, dass die konjunkturelle Hängepartie, die wir seit mehreren Quartalen erleben, in eine chronische Wachstumsschwäche umschlägt“, warnt vor diesem Hintergrund IMK-Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien. In dieser Situation seien sowohl von der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch von der Bundesregierung positive Signale gefordert: „Die EZB sollte möglichst bald die Zinsen senken. Und die deutsche Politik sollte realistische, schnell wirksame Maßnahmen auf den Weg bringen. Dazu gehören erweiterte Abschreibungsbedingungen für Unternehmen, wie sie im Wachstumschancengesetz vorgesehen sind, und eine klare Perspektive, dass die Schuldenbremse künftig nicht mehr dringend nötige öffentliche Investitionen ausbremsen kann“, sagt Dullien.

(Hans-Böckler-Stiftung vom 19.02.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

©alfaphoto/123rf.com

08.01.2026

Deutscher Markt für Wagniskapital trotz Unsicherheit stabil

Der deutsche Markt für Wagniskapital erreicht 2025 mit einem Investitionsvolumen von 7,2 Milliarden Euro trotz anhaltender gesamtwirtschaftlicher Unsicherheit das Niveau der Vorjahre. 2024 lag das Volumen bei 7,4 Milliarden Euro, 2023 bei 7,1 Milliarden Euro. Das Abschlussquartal des Jahres war mit zwei Milliarden Euro das zweitstärkste Quartal. Das sind die Ergebnisse des KfW-Venture-Capital-Dashboards, in dem

Deutscher Markt für Wagniskapital trotz Unsicherheit stabil
Meldung

© designer49/fotolia.com

08.01.2026

M&A-Markt erwartet 2026 klaren Aufwärtstrend

Der deutsche M&A-Markt startet mit Zuversicht in das Jahr 2026: Unternehmen, Private-Equity-Firmen und Family Offices rechnen mit einer spürbaren Belebung der Transaktionsaktivitäten. Nach einem Jahr mit weniger, aber deutlich größeren Deals – im Zeitraum Q4 2024 bis Q3 2025 sank die Zahl der Transaktionen um 12 %, während das Gesamtvolumen zugleich um 30 % stieg – wächst

M&A-Markt erwartet 2026 klaren Aufwärtstrend
Meldung

irrmago/123rf.com

06.01.2026

Top-Unternehmen: Gewinneinbruch trotz Umsatzplus

Der Negativtrend bei der Gewinnentwicklung der 100 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands setzt sich fort: Insgesamt schrumpfte der Gewinn um 15 % auf 102 Milliarden Euro, gut jedes zweite Unternehmen (52 %) verzeichnete einen niedrigeren Gewinn als im Vorjahr. Immerhin: Nach zwei Jahren mit deutlichen Umsatzrückgängen brachte das Jahr 2025 den Konzernen bislang erstmals wieder ein leichtes Umsatzplus: in

Top-Unternehmen: Gewinneinbruch trotz Umsatzplus
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)