05.02.2025

Bauindustrie im Digital- und ESG-Dilemma

Die Baubranche steht vor großen Herausforderungen und sucht nach neuen Geschäftsmodellen – unklare Vorschriften und politische Unsicherheiten erschweren jedoch den Fortschritt.

Beitrag mit Bild

© kasto/de.123rf.com

Die deutsche Bauindustrie steckt in einer Innovationskrise und verfehlt den digitalen Anschluss. PwC Deutschland (PwC) hat 100 Bauunternehmen und Planungsbüros befragt und die Ergebnisse sind alarmierend: Die Branche zweifelt an ihren digitalen Fähigkeiten und fühlt sich in einigen Technologiebereichen zunehmend abgehängt. Der Fachkräftemangel und das fehlende digitale Know-how erweisen sich dabei als erhebliche Entwicklungsblockaden.

93 % der Befragten fordern zudem einen drastischen Abbau bürokratischer Hürden und den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die schleppende Umsetzung von ESG-Vorgaben wird ebenfalls der politischen Trägheit zugeschrieben – ein aufrüttelndes Zeugnis des Stillstands in einer Zeit, die nach Flexibilität verlangt.

Umsatzeinbußen und zunehmender Kostendruck zwingen zum Umdenken

Die Branche leidet unter Umsatzeinbußen und Projektausfällen. Während sich die Lieferkettenproblematik für die Mehrheit der Befragten inzwischen entschärft hat, kämpft die Branche immer mehr mit Umsatzeinbrüchen und Projektausfällen. Insgesamt 69 % der Unternehmen müssen mit Umsatzeinbußen und Projektverschiebungen leben (Vorjahr: 63 %). Zudem ist eine Lösung des Fachkräftemangels als eines der zentralen Probleme der Branche nicht in Sicht: Fehlendes Personal wird als konstante Belastung wahrgenommen. Acht von zehn Befragten geben an, dass der Fachkräftemangel eine der wesentlichen Herausforderungen darstellt. Nur der zunehmende Kostendruck fordert noch mehr Unternehmen heraus.

Als Folge sieht sich die Branche gezwungen, ihre Geschäftsmodelle und Organisationstrukturen in Frage zu stellen. So geben 60 % der Befragten an, dass sie eine Neuausrichtung des Unternehmens für notwendig halten, 70 % der Befragten sehen sich gezwungen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle voranzutreiben.

Digitaler Aufbruch nicht in Sicht

Hierbei könnte die digitale Transformation ein wesentlicher Baustein sein. 80 % der Befragten sehen großes Potenzial in Simulation, Visualisierung und Cloud-Technologien. Trotz dieser optimistischen Einschätzung bleibt die Bewertung der eigenen digitalen Fähigkeiten ernüchternd. In einigen Technologiefeldern öffnet sich die Schere zwischen Potenzial und Kompetenz sogar immer mehr, wie der Jahresvergleich zeigt. Besonders deutlich wird dieses Auseinanderdriften bei IoT-Lösungen auf der Baustelle. Auch bei BIM (Building Information Modeling) gibt es wenig Fortschritte. In den vergangenen Jahren hat diese Technologie weder eine Steigerung in ihrem Mehrwert erfahren, noch konnten die Unternehmen ihre Kompetenzen ausbauen.

KI-basierte Technologien gelten dahingegen als Hoffnungsträger: 66 % der Befragten trauen der Technologie großes Potenzial zu (Vorjahr: 18 %).

Der Fachkräftemangel und das fehlende digitale Know-how sind zentrale Herausforderungen für die Digitalisierung der Bauindustrie. 83 % der Befragten bemängeln zudem, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren nicht ausreichend berücksichtigt werden, während 93 % für einen Abbau bürokratischer Hürden (z. B. analoge Genehmigungsverfahren) plädieren.

ESG-Umsetzung stockt aufgrund fehlender Rahmenbedingungen

Die vorliegende Studie zeigt, dass 75 % der befragten Unternehmen mittlerweile ESG-Ziele definiert haben. Jedoch wird der Fortschritt vor allem durch externe Vorgaben und den Druck von Auftraggebern angetrieben. Einsparpotenziale bei den Kosten sehen lediglich ein Drittel der Befragten als wichtigen Treiber und nur ein Viertel bezieht die Erfüllung von ESG-Vorgaben in die Vergütung ihrer Mitarbeitenden ein. Auch in diesem Kontext ist ein zentrales Hindernis für die Umsetzung das fehlende Know-how, da klare politische Ziele und stabile regulatorische Rahmenbedingungen fehlen, die den Unternehmen die notwendige Sicherheit geben.

Das Beispiel des CSRD-Reportings (Corporate Sustainability Reporting Directive) verdeutlicht die Problematik: Ein Drittel der Teilnehmenden bemängelt das Fehlen entsprechender Vorgaben. Nach dem Ende der Ampel-Koalition verschiebt sich die Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes auf unbestimmte Zeit.

(PwC vom 06.02.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

© Zerbor - Fotolia.com

15.10.2026

Cyberrisiken und KI setzen CEOs unter Druck

Die schwache Konjunktur bleibt für CEOs weltweit das größte Risiko. Laut dem aktuellen CEO Outlook Survey von EY-Parthenon nennen 44 % die wirtschaftliche Unsicherheit als zentrale Belastung. Cyberrisiken und Datenschutzbedrohungen folgen mit 40 %, technologische Umbrüche einschließlich KI mit 34 %. In Deutschland stehen Konjunktur- und Cyberrisiken mit jeweils 40 % gleichauf. Für die Studie

Cyberrisiken und KI setzen CEOs unter Druck
Meldung

© Erwin Wodicka /fotolia.com

14.10.2026

Steigende Kreditkosten: UKs CFOs setzen auf Sparkurs statt Expansion

Seit mehr als drei Jahren stehen geopolitische Konflikte an der Spitze der Risikoliste britischer Finanzchefs, zeigt die aktuelle Deloitte UK CFO Survey. Besonders die Eskalation des US-Iran-Konflikts und Ölpreise von über 100 US-Dollar je Barrel verstärken die Sorge vor Inflation und steigenden Zinsen. Finanzierungskosten auf Zweieinhalbjahreshoch Die Finanzchefs erwarten binnen zwölf Monaten eine Inflationsrate von

Steigende Kreditkosten: UKs CFOs setzen auf Sparkurs statt Expansion
Meldung

© weerapat1003/fotolia.com

13.10.2026

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen

Deutschlands Klimatransformation erfordert bis 2045 Investitionen von sechs Billionen Euro. Für Finanzvorstände wird die Finanzierung zum strategischen Thema. Entscheidend sind Kapitalkosten, Investitionsprioritäten und die Mobilisierung privaten Kapitals. Unternehmen müssen Investitionen deutlich steigern Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der KfW sind jährlich 290 Milliarden Euro für die Klimaneutralität erforderlich. Knapp die Hälfte davon, rund 140 Milliarden

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)