13.08.2026

Bevölkerung sieht Mehrwert in Open Finance

Open Finance gewinnt in Europa an Bedeutung, wird sich aber nur durchsetzen, wenn Finanzdienstleister Datenschutz, Vertrauen und konkrete Vorteile für Verbraucher überzeugend miteinander verbinden.

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Die Open-Finance-Pläne der EU treffen in der Bevölkerung auf ein geteiltes Echo: Zwar kennt bereits ein Drittel der Europäerinnen und Europäer das Konzept – ein überraschend hoher Anteil. Doch während knapp ein Drittel der Bevölkerung darin bereits klare Chancen für die eigene Finanzplanung sieht, überwiegen bei der Mehrheit noch Skepsis und Datenschutzbedenken. Unabhängig davon, wann die EU-Verordnung Financial Data Access (FiDA) in Kraft tritt: Der Wandel hin zu Open Finance ist bereits in vollem Gange. Getrieben durch KI und steigende Kundenerwartungen arbeiten erste Akteure bereits unabhängig von der Regulierung an Open-Finance-Lösungen.

Banken und Versicherer haben in diesem Umfeld die besten Karten: Sie genießen einen erheblichen Vertrauensvorsprung gegenüber FinTechs und US-BigTech-Konzernen. Jetzt kommt es darauf an, dieses Vertrauenskapital in innovative, datengetriebene Angebote zu übersetzen. Das sind die zentralen Ergebnisse der „European Open Finance Consumer Survey“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC), für die rund 7.700 Verbraucher:innen in acht europäischen Ländern befragt wurden.

Keine Datenfreigabe ohne spürbare Vorteile

Besonders weit verbreitet ist das Wissen um Open Finance in Spanien (40 %), Polen (39 %) und Italien (38 %), in Deutschland kennt es bereits jede dritte befragte Person. Doch zugleich dominieren Skepsis und Zurückhaltung: 61 % der Befragten in Deutschland sehen eher die Risiken als die Chancen von Open Finance – vor allem beim Datenschutz. Die Kommunikation konkreter Sicherheits- und Kontrollmechanismen wird damit zur entscheidenden Voraussetzung für die Akzeptanz von Open Finance.

Eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie: Verbraucher:innen geben ihre Finanzdaten nur dann frei, wenn sie einen spürbaren Nutzen erhalten. In Deutschland steht die Schließung der Rentenlücke als wichtigster Vorteil an erster Stelle (19 %), gefolgt von günstigeren Konditionen und einem lückenlosen Finanzüberblick (jeweils 12 %). Vor allem Menschen mit hohem Einkommen (53 %) und persönlichem Finanzberater (52 %) erhoffen sich optimierte Angebote. „Die Bereitschaft der Verbraucher, Finanzdaten zu teilen, entsteht nicht durch Regulierung, sondern durch erlebbaren Nutzen – FiDA macht genau diesen Zusammenhang erstmals transparent und strategisch gestaltbar“, erklärt Maximilian Harmsen, Embedded & Open Finance Lead bei PwC Deutschland.

Alltagsprodukte als Türöffner für Open Finance

Im Wettlauf um den direkten Kundenzugang haben Banken und Versicherungen einen entscheidenden Vorteil: Sie genießen deutlich mehr Vertrauen als FinTechs oder US-BigTech-Konzerne. 28 % der Befragten nehmen bereits eine Bankberatung in Anspruch, weitere 44 % können sich dies vorstellen. Bei FinTechs lassen sich lediglich 8 % der Deutschen beraten – doch 32 % können sich dies künftig vorstellen. Bei US-Technologieunternehmen sind es derzeit nur 6 %, aber auch hier wächst das Potenzial.

Die Studie zeigt eine klare Hierarchie der Datenfreigabebereitschaft: Am höchsten ist sie bei Produkten mit hoher Alltagsrelevanz – Haftpflichtversicherungen (71 %), Hausratversicherungen (65 %), Kfz-Versicherungen (64 %) und Krankenversicherungen (63 %). Auch beim Girokonto (59 %) und bei Spareinlagen (57 %) besteht eine hohe Bereitschaft. Bei komplexeren Produkten wie Wertpapieren (47 %), Verbraucherkrediten (42 %) und Kryptowährungen (29 %) sinkt sie deutlich. Dies bestätigt den geplanten stufenweisen Ansatz der FiDA-Einführung.

Junge Zielgruppe besonders aufgeschlossen für Open Finance

Besonders offen für Open Finance sind die 18- bis 35-Jährigen: 62 % begrüßen neue digitale Lösungen und viele nutzen bereits heute KI-gestützte Finanzanalysen – ein klares Signal, dass der Bedarf an sicheren, standardisierten Lösungen längst existiert. Europaweit zeigen sich dabei unterschiedliche Akzeptanzlogiken: Während in Großbritannien und Schweden Effizienz im Vordergrund steht, sind in Deutschland Vertrauen und persönliche Beratung entscheidend.

Aus den Studienergebnissen leitet PwC sechs konkrete Handlungsfelder für Finanzdienstleister ab – von der zielgruppenspezifischen Ansprache über strategische Partnerschaften in Ökosystemen bis hin zur technischen Implementierung und einer transparenten Vertrauenskommunikation. Entscheidend für den Erfolg ist eine stufenweise Umsetzung, die mit alltagsnahen Produkten beginnt und das Vertrauen Schritt für Schritt aufbaut. Flankiert werden sollte dies durch KI-gestützte Beratungsprozesse, die automatisiert ideale Angebote zum richtigen Zeitpunkt ermitteln.

„Etablierte Finanzdienstleister haben einen enormen Vertrauensvorsprung. Vertrauen ist eine echte ökonomische Währung. Jetzt kommt es darauf an, dieses Kapital in innovative, datengetriebene Angebote zu übersetzen, bevor neue Marktteilnehmer diese Lücke schließen“, resümiert Harmsen.

(PwC vom 11.08.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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