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02.04.2020

Blockchain-Technologie: Finanzbranche erkennt Relevanz, reagiert aber nicht

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Die Finanzbranche hält die Blockchain-Technologie für wichtig, investiert aber nicht. Das ist das Ergebnis des PwC Blockchain Survey 2020, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers zum dritten Mal bei Banken, Versicherungen und Asset Managern durchgeführt hat. Dabei zeigt sich deutlich: Alle 302 Befragten geben an, dass sie mindestens über ein Grundverständnis in Sachen Blockchain verfügen, auch wenn nur 2% sich selbst eine profunde Expertise zuschreiben. Unter den befragten Führungskräften herrscht dabei ein überwiegend positives Stimmungsbild. Ganze 75% sind vom Potenzial der Technologie überzeugt.

Dem bekundeten Interesse an der Technologie lassen die befragten Finanzdienstleister allerdings kaum Taten folgen. Auf die Frage, ob sich das eigene Unternehmen aktiv mit Blockchain beschäftige, antworteten nur 22% der Teilnehmer mit „Ja“.

Trotz geforderter Regularien bleiben die Unternehmen nur Zuschauer

Eine Antwort, die sich auch in den niedrigen Budgets wiederspiegelt, die die Unternehmen für Blockchain-Produkte bereithalten: 97% stellen kein signifikantes Budget (größer 100.000 €) zur Verfügung, 60% investieren gar nicht. Hier zeigt sich ein deutliches Spannungsverhältnis zwischen dem erkannten Potenzial der Technologie und entsprechenden Aktivitäten. Dabei nennen die Unternehmen als Grund für ihre Zurückhaltung fehlende regulatorische und technologische Entwicklungen, wie schon in der Studie aus 2018.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für Krypto-Assets im Kreditwesengesetz

Doch im Unterschied zu damals sind gesetzliche Rahmenbedingungen heute vorhanden. Krypto-Assets fallen nun unter das deutsche Kreditwesengesetz, welches über weitreichende Regularien zur Verwahrung von Kapitalanlagen verfügt. Eine wichtige Folge daraus ist die Einführung einer Erlaubnispflicht für den Handel mit Krypto-Produkten, wie die Studienautoren erklären. Die Erlaubnispflicht schaffe eine wichtige Absicherung, die den Akteuren am Finanzmarkt neue Möglichkeiten eröffne. Der institutionelle Rahmen sorge für mehr Transparenz. Abgesehen von der Regulatorik habe die Technologie zuletzt auch Fortschritte in Hinblick auf ihre Skalierbarkeit, Sicherheit und Geschwindigkeit gemacht.

Mögliche Anzeichen eines beginnenden Wandels

Für die Studienautoren liegt das Problem der andauernden Untätigkeit deshalb in erster Linie bei den Unternehmen. Diese seien zum einen nicht ausreichend über die Entwicklungen informiert. Zum anderen würden sie sich aufgrund des disruptiven Charakters von Blockchain sowie der gleichzeitigen Beschäftigung mit anderen Technologien (KI, IoT etc.) weiterhin zurückhalten. Die Einschätzung vieler Teilnehmer sei, dass die Entwicklung noch drei bis fünf Jahre brauche, bevor Anlagen mit absehbaren Gewinnmöglichkeiten auf den Markt kommen.

Wenn der Marktdruck dann steigt, sind der Umfrage zufolge diejenigen im Vorteil, die sich das nötige Wissen im Umgang mit den Produkten bereits angeeignet und die erforderlichen Strukturen etabliert haben. Der Ratschlag der Studienautoren für Unternehmen lautet daher: Einen Blick über die Finanzindustrie hinauswagen und sich mit dem Thema Blockchain ernsthaft befassen.

Die Studie könnte sogar ein erstes kleines Anzeichen für eine mögliche Verhaltensänderung beinhalten. Stellten bisher ausschließlich kleinere Unternehmen signifikante Budgets für Krypto-Produkte zur Verfügung, sind es nun die größeren Finanzdienstleister, die höher investieren. Dies sei ein mögliches Indiz dafür, dass Blockchain den Status des Hypes hinter sich lasse und bald schon produktivere Anwendungen und Geschäftsmodelle auf den Markt kommen könnten.

Der Hype der Krypto-Währungen ist vorbei, was kommt als nächstes?

Krypto-Währungen galten lange Zeit als die vielversprechendste Anwendung der Blockchain-Technologie. Doch das hat sich geändert: Knapp 80% der Teilnehmer halten sie für nicht relevant, manchen Befragten sind etablierte Währungen wie Ripple oder NEO nicht einmal bekannt (12% und 18%). Ein Stimmungsbild, das sich mit den meisten Experten-Meinungen deckt. Klassische Krypto-Währungen wie Bitcoin haben laut der Umfrage das große Manko, dass sie mit illegalen Geschäften im Darknet in Verbindung gebracht werden und keine Notfall-Absicherungen bieten – entsprechend gering ist das Vertrauen.

Blockchain-Anwendungen bei Daten-Sicherheit, Audit- und Datenintegrität sowie Peer-to-Peer Payment

Künftige Blockchain-Anwendungen sehen die Teilnehmer der Studie nun vor allem im Umfeld von Daten-Sicherheit, Audit- und Datenintegrität sowie Peer-to-Peer Payment. Bisher würden diese Anwendungen jedoch noch nicht zielgerichtet eingesetzt werden, erklären die Studienautoren. Heutige Anwendungen der Blockchain-Technologie würden insbesondere auf Effizienzsteigerung zielen – das eigentliche Potenzial hingegen liege aber in der Erschließung neuer Geschäftsmodelle.

„Blockchain-Strategie“ der Bundesregierung könnte Technologie anschieben

Hoffnung auf Änderung sehen die PwC-Experten vor allem im Zusammenhang mit einer Ankündigung der Bundesregierung. Diese wolle eine Aufhebung der Papier-Beurkundungspflicht für Inhaberschuldverschreibungen im Zuge ihrer „Blockchain-Strategie“ durchsetzen. Die Lockerung könnte kleinere Marktteilnehmer veranlassen, erste Schuldverschreibungen elektronisch mittels Blockchain zu emittieren, wodurch der Marktdruck auch für die Großen steigen würde. Bisher liegt hierzu allerdings noch kein konkreter Gesetzesentwurf vor, so die Autoren der Umfrage.

Den „PwC Blockchain Survey 2020“ können Sie hier herunterladen.

(Pressemitteilung PwC vom 02.04.2020)


Redaktion

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