• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Business Destination Germany 2022: Internationale Unternehmen fahren Investitionen in Deutschland zurück

02.12.2022

Business Destination Germany 2022: Internationale Unternehmen fahren Investitionen in Deutschland zurück

Die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort ist in Gefahr. Das legen die Ergebnisse der Studie "Business Destination Germany 2022" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nahe. Für diese wurden 360 CFOs der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den wichtigsten Investorenländern befragt. Untersucht wurden dabei die wichtigsten Faktoren des Wirtschaftsstandorts Deutschland im EU-Vergleich. Die alle zwei Jahre durchgeführte Studie wurde zum vierten Mal erhoben. Zwar investieren internationale Konzerne derzeit in Deutschland in zukunftsweisende Leuchtturm-Projekte. Aktuell planen aber nur noch 19% der Befragten in den kommenden fünf Jahren ein Investment von mindestens zehn Mio. € pro Jahr in Deutschland. Vor vier Jahren wollten dies noch 34% der Befragten.

Beitrag mit Bild

© Mustansar/fotolia.com

Der Studie zufolge hat Deutschland hinsichtlich der Standortfaktoren Steuersystem, Digitalisierung und logistische Infrastruktur im EU-Vergleich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Zugleich haben sich grundlegende Standortstärken, für die Deutschland international bekannt ist und geschätzt wird, verschlechtert: Innovationsförderndes Umfeld, Prozessautomatisierung und Arbeitsproduktivität.

Digitale Infrastruktur und Steuersystem besonders schlecht beurteilt

Als größtes Investitionshemmnis zählen internationale Konzerne die unzureichende digitale Infrastruktur. Nur 13% der Inbounds bescheinigen Deutschlands digitaler Infrastruktur eine fortschrittlich-überzeugende Qualität. 9% hingegen bezeichnen diese als die Schlechteste in der EU. 24% zählen sie sogar zu den fünf schlechtesten in der EU. Hinzu kommen Mängel in der logistischen Infrastruktur, insbesondere bei den als stark überaltert wahrgenommenen Straßen, Brücken und Schienen. Nur noch 59% der CFOs internationaler Konzerne in Deutschland stufen diese in die Top-5 in der EU ein. Vor vier Jahren waren es noch 76%.

Auch das Steuersystem erhält eine besonders schwache Bewertung. Lediglich jeder fünfte Befragte zählt es noch zu den Top 5 in der EU. 25% dagegen halten es für eines der fünf unattraktivsten der EU.

Deutschland punktet bei fundamentalen Standortfaktoren

Dennoch sehen mindestens 40% der befragten CFOs Deutschland bei zehn der sechzehn erhobenen Standortfaktoren unter den Top-5-Ländern in der EU. Insofern erscheint das Umfeld für internationale Investoren in Deutschland auf den ersten Blick weiter intakt. Die besten Bewertungen erhält der Wirtschaftsstandort erneut bei den Faktoren Lebensstandard (81%) sowie öffentliche Sicherheit und politische Stabilität (je 80%).

Stagnierende Arbeitsproduktivität gegen den globalen Trend

Geschätzt wird zudem die hohe Arbeitsproduktivität – ihre seit 2018 währende Stagnation wird allerdings mit Sorge wahrgenommen. „Die hiesige Stagnation der Arbeitsproduktivität steht im krassen Kontrast zur Entwicklung in anderen Industrieländern und dem EU-Durchschnitt. Auch hier existiere Reformbedarf in Deutschland.

Auch in Bezug auf die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte hat Deutschland deutliche Fortschritte erzielt. Laut der Studie sehen 38% der internationalen CFOs das Land unter den Top 5 in Europa. Vor zwei Jahren befanden dies nur 25%.

Die besten Bewertungen betreffen bedauerlicherweise nicht spezifische Maßnahmen oder Strategien der Politik, um Deutschland zukunftsfähiger zu gestalten, stellen die Studienautoren fest. Die Bundesregierung stehe daher vor einer Mammutaufgabe, um den Wirtschaftsstandort Deutschland fit zu machen für eine Welt im Umbruch.

Keine Verbesserungen bei den bereits vor zwei Jahren bemängelten Schwächen

Nach Einschätzung ausländischer Investoren hat es bei keiner der vor zwei Jahren bemängelten Schwächen Verbesserungen gegeben. Deutschland hat laut Umfrage hinsichtlich der Standortfaktoren Steuern, Digitalisierung und logistische Infrastruktur im EU-Vergleich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Zugleich haben sich grundlegende Standortstärken, für die Deutschland international bekannt ist und geschätzt wird, verschlechtert: Innovationsförderndes Umfeld, Prozessautomatisierung und Arbeitsproduktivität.

Politik hält nicht Schritt mit dem exogenen Veränderungsdruck

Auch das Feedback zum Reifegrad des Standorts Deutschland bei der Prozessautomatisierung fiel deutlich schwächer aus als vor zwei Jahren. Damals bewerteten noch 52% der Inbounds Deutschlands Potenzial für künftige Produktivitätssprünge als EU-weit führend. Heute vertreten nur noch 45% diese Auffassung. Dennoch sehen mindestens 40% der befragten CFOs Deutschland bei zehn der sechzehn erhobenen Standortfaktoren unter den Top 5-Ländern in der EU. Insofern erscheint das Umfeld für internationale Investoren in Deutschland auf den ersten Blick weiter intakt. Die besten Bewertungen erhält der Wirtschaftsstandort erneut bei den Faktoren Lebensstandard (81%), öffentliche Sicherheit (80%) sowie politische Stabilität (80%).

Diverse Industrien befinden sich aufgrund der Mega-Trends Digitalisierung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie der geopolitischen Entwicklungen und dem demografischen Wandel in einem grundlegenden Transformationsprozess, so das Fazit der Studienautoren. Diesem exogenen Veränderungsdruck begegne die deutsche Politik nach Auffassung internationaler Investoren bislang zu wenig agil.

Die Studie „Business Destination Germany 2022“ können Sie hier abrufen.

(Pressemitteilung KPMG vom 18.11.2022)


Weitere Meldungen


Meldung

©andreypopov/123rf.com

05.03.2026

Mittelstand zeigt sich wieder innovationsfreudiger

Deutschlands Mittelstand zeigt sich wieder etwas innovationsfreudiger. Im Zeitraum zwischen 2022 und 2024 haben 41 % – oder 1,6 Millionen – der mittelständischen Unternehmen innerhalb der vorangegangenen drei Jahre mindestens eine Innovation getätigt. Das waren zwei Prozentpunkte mehr als zwischen 2021 bis 2023. Die Ausgaben der Unternehmen für Innovationen lagen 2024 bei 35,4 Milliarden Euro, das waren

Mittelstand zeigt sich wieder innovationsfreudiger
Meldung

© Robert Kneschke /fotolia.com

04.03.2026

Baufinanzierungsstudie: Markt steht zunehmend unter Druck

59 Milliarden Euro Neugeschäftsvolumen: Der Baufinanzierungsmarkt verzeichnet im vierten Quartal 2025 ein Plus von 15 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Doch gestiegene Zinsen und konjunkturelle Unsicherheiten bremsen die Dynamik. Zu diesem Ergebnis kommt die Baufinanzierungsstudie Q4 2025 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) in Kooperation mit der Interhyp AG. „Das robuste Wachstum im Neugeschäft

Baufinanzierungsstudie: Markt steht zunehmend unter Druck
Meldung

peshkova/123rf.com

03.03.2026

KI gegen Finanzkriminalität: Vom Trend zur Pflichttechnologie

Künstliche Intelligenz ist heute ein zentraler Bestandteil moderner Strategien zur Bekämpfung von Finanzkriminalität – mit klarem Fokus auf Effizienzsteigerung und Next-Generation-Sicherheitstechnologien wie verhaltensbasierter Biometrie. INFORM, Entwickler von Softwaresystemen für KI-gestützte Entscheidungsfindung in den Bereichen Risiko, Betrug und Compliance, veröffentlichte zentrale Ergebnisse seiner aktuellen Branchenumfrage „The Artificial Intelligence & Anti-FinCrime Market Research Survey“. Die Resultate unterstreichen

KI gegen Finanzkriminalität: Vom Trend zur Pflichttechnologie
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)