• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • BVK: Rekordergebnis des Vorjahres verfehlt, aber Venture Capital im Aufwind

24.02.2016

BVK: Rekordergebnis des Vorjahres verfehlt, aber Venture Capital im Aufwind

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

5,3 Mrd. € haben Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr in insgesamt 1.200 Firmen investiert – rund ein Viertel weniger als 2014. Doch im laufenden Jahr wollen die Investoren wieder mehr Geld in die Hand nehmen.

„Mit Investitionen von 5,3 Mrd. € in gut 1.200 Unternehmen haben Beteiligungsgesellschaften auch 2015 ihre wichtige Finanzierungsfunktion untermauert“, sagte Wilken von Hodenberg, Sprecher des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) auf der Pressekonferenz zur  vorläufigen Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2015. „Das Rekordvolumen des herausragenden Vorjahres wurde zwar um ein Viertel verfehlt. Allerdings wurde das Investitionsniveau von 2013 übertroffen.“ 2014 beliefen sich die Investitionen auf 7,1 Mrd. €, das höchste Investitionsvolumen seit 2008. 2013 wurden 5,1 Mrd. € investiert.

Der Verkauf der Parfümerie-Kette Douglas zählte zu den großen Deals im Jahr 2015. Das Unternehmen wurde an CVC veräußert und plant mit dem neuen Partner an Bord zu einer globalen Marke heranzuwachsen. Neben Douglas gab es mit Synlab und Sivantos weitere herausragende Transaktionen, wenngleich das überaus aktive Vorjahr 2014 nicht übertroffen werden konnte. „Das Finanzierungsumfeld ist zwar gut, aber die Zahl der Übernahmekandidaten bleibt überschaubar“, kommentiert von Hodenberg.

Venture Capital-Investitionen weiter im Höhenflug

Während die Buy-Out-Investitionen um 22 % auf 3,8 Mrd. € sanken, und damit für den Investitionsrückgang im Gesamtmarkt sorgten, investierten Venture Capital-Gesellschaften so viel wie seit 2008 nicht mehr. Mit 0,78 Mrd. € wurde der Vorjahreswert um 16 % übertroffen. Die 724 Venture Capital-finanzierten Unternehmen machten deutlich mehr als die Hälfte aller im Jahr 2015 finanzierten Unternehmen aus. „Auch wenn seit 2012 ein leichter Aufwärtstrend in der Start-up-Finanzierung festzustellen ist, benötigen wir bessere Rahmenbedingungen für die Finanzierung junger Unternehmen, um dem Markt nachhaltig neue Impulse zu verleihen“, sagt Dr. Peter Güllmann, Vorstandssprecher des BVK. Nach der Ankündigung der Großen Koalition, ein Venture Capital-Gesetz einführen zu wollen, sind den Worten bislang nur wenige Taten gefolgt. „Dabei würde ein Maßnahmenpaket wie in unserem Diskussionsentwurf für ein Venture Capital Gesetz mehr Kapital mobilisieren und ausländische Investoren anlocken“, so Güllmann weiter.

Die im europäischen Vergleich nachteiligen steuerlichen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland belasten nicht zuletzt die Kapitalbeschaffung der Beteiligungsgesellschaften. So konnten die deutschen Beteiligungsgesellschaften weniger erfolgreich als im Vorjahr Kapital einsammeln. Ihr Fundraising summiert sich auf 1,33 Mrd. €, was zwar einer Halbierung gegenüber dem starken Vorjahresergebnis (2,78 Mrd. €) entspricht, aber gleichzeitig auf dem Niveau des Jahres 2013 liegt. Das Venture Capital-Fundraising blieb dagegen weitgehend stabil mit 0,76 Mrd. €. Dazu Vorstandssprecher Güllmann: „Leider wurden die Hoffnungen der Branche auf eine Wiederholung des Erfolges vor zwei Jahren nicht erfüllt. Aber zumindest im Venture Capital-Bereich blieb das Fundraising robust“.

Private Equity-Prognose: Branche will 2016 mehr investieren

Für das laufende Jahr zeigt sich die Branche grundsätzlich optimistisch, wie die „Private Equity-Prognose“, eine Befragung zu den Erwartungen der Beteiligungsgesellschaften für 2016, zeigt. So prognostiziert mehr als jede zweite befragte Gesellschaft einen leichten oder deutlichen Anstieg ihrer Investitionen, und weitere 38% sehen die eigenen Investitionen zumindest auf dem Niveau von 2015. Dabei ist der Anteil der Optimisten bei den Vertretern aus den Bereichen Wachstumsfinanzierungen/Buy-Outs mit 60% noch höher als bei den Venture Capital-Gesellschaften mit 45 %. „Bei unveränderten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften die Investitionen der Branche 2016 mindestens so hoch wie im Vorjahr ausfallen“, prognostiziert von Hodenberg.

Fragen & Antworten:

Wie entwickelten sich die Investitionen in den einzelnen Marktsegmenten?

Venture Capital-Gesellschaften investierten 2015 mit 0,78 Mrd. € 16 % mehr als im Vorjahr, wobei alle Teilbereiche (Seed, Start-up, Later Stage-Venture Capital) zulegen konnten. Wachstumsfinanzierungen (Growth) summierten sich auf 0,68 Mrd. € und erreichten damit nahezu das Vorjahresvolumen dank einiger großer Einzelinvestitionen bei etablierten Mittelständlern, aber auch bei reiferen Start-ups. Im Buy-Out-Segment wurden 2015 weniger sehr große Transaktionen registriert als im überaus aktiven Vorjahr. Auch die Transaktionszahl ging zurück, weshalb die Investitionen in Buy-Outs mit 3,8 Mrd. € knapp ein Viertel unter dem Vorjahresniveau blieben.

Welche Unternehmen werden hauptsächlich mit Beteiligungskapital finanziert?

Der Beteiligungsmarkt ist ein Mittelstandsmarkt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden durch Beteiligungskapital unterstützt. 96 % der im Jahresverlauf finanzierten Unternehmen beschäftigten weniger als 500 Mitarbeiter, 86 % sogar weniger als 100 Mitarbeiter. Drei Viertel der Unternehmen setzten weniger als 10 Mio. € um, weitere 18 % zwischen 10 und 100 Mio. €.

Welche Gründe gibt es für den Rückgang des Fundraising-Ergebnisses 2015?

Insgesamt summierte sich das Fundraising der deutschen Beteiligungsgesellschaften auf 1,33 Mrd. € – eine Halbierung gegenüber dem starken Vorjahresergebnis (2,78 Mrd. €) und gleichzeitig das Niveau des Jahres 2013 (1,33 Mrd. €). Das Minus ist auf einen deutlichen Rückgang des Fundraisings von Buy-Out-Fonds um rund 1,5 Mrd. € zurückzuführen. Das Venture Capital-Fundraising blieb dagegen weitgehend stabil mit 0,76 Mrd. € nach 0,85 Mrd. € im Vorjahr.

Was könnte die positiven Aussichten der Beteiligungsbranche für 2016 trüben?

Unsicherheiten birgt das inzwischen hohe Bewertungsniveau im Markt, was nach Einschätzung der Beteiligungsgesellschaften auch 2016 nicht sinken dürfte. Etwa die Hälfte der in der „Private Equity-Prognose“ Befragten geht zwar von unveränderten Bewertungen der Zielunternehmen aus, mehr als ein Drittel erwartet allerdings weiter steigende Unternehmensbewertungen.

Wie ist das Fundraising für dieses Jahr einzuschätzen?

2016 dürfte von regen Fundraising-Aktivitäten gekennzeichnet sein. 28 deutsche Gesellschaften gaben an, bereits mit dem Fundraising begonnen zu haben oder bis zum kommenden Jahr damit beginnen zu wollen. Dabei wollen sie rund 3,1 Mrd. € neues Fondskapital einsammeln.

Die ausführliche vorläufige Beteiligungsmarktstatistik 2015 sowie die „Private Equity-Prognose 2016“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung BVK vom 22.02.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©alfaphoto/123rf.com

08.01.2026

Deutscher Markt für Wagniskapital trotz Unsicherheit stabil

Der deutsche Markt für Wagniskapital erreicht 2025 mit einem Investitionsvolumen von 7,2 Milliarden Euro trotz anhaltender gesamtwirtschaftlicher Unsicherheit das Niveau der Vorjahre. 2024 lag das Volumen bei 7,4 Milliarden Euro, 2023 bei 7,1 Milliarden Euro. Das Abschlussquartal des Jahres war mit zwei Milliarden Euro das zweitstärkste Quartal. Das sind die Ergebnisse des KfW-Venture-Capital-Dashboards, in dem

Deutscher Markt für Wagniskapital trotz Unsicherheit stabil
Meldung

© designer49/fotolia.com

08.01.2026

M&A-Markt erwartet 2026 klaren Aufwärtstrend

Der deutsche M&A-Markt startet mit Zuversicht in das Jahr 2026: Unternehmen, Private-Equity-Firmen und Family Offices rechnen mit einer spürbaren Belebung der Transaktionsaktivitäten. Nach einem Jahr mit weniger, aber deutlich größeren Deals – im Zeitraum Q4 2024 bis Q3 2025 sank die Zahl der Transaktionen um 12 %, während das Gesamtvolumen zugleich um 30 % stieg – wächst

M&A-Markt erwartet 2026 klaren Aufwärtstrend
Meldung

irrmago/123rf.com

06.01.2026

Top-Unternehmen: Gewinneinbruch trotz Umsatzplus

Der Negativtrend bei der Gewinnentwicklung der 100 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands setzt sich fort: Insgesamt schrumpfte der Gewinn um 15 % auf 102 Milliarden Euro, gut jedes zweite Unternehmen (52 %) verzeichnete einen niedrigeren Gewinn als im Vorjahr. Immerhin: Nach zwei Jahren mit deutlichen Umsatzrückgängen brachte das Jahr 2025 den Konzernen bislang erstmals wieder ein leichtes Umsatzplus: in

Top-Unternehmen: Gewinneinbruch trotz Umsatzplus
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)