• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Chemiebranche: Verschnaufpause im Übernahmekampf

05.07.2017

Chemiebranche: Verschnaufpause im Übernahmekampf

Beitrag mit Bild

© gunmanza/fotolia.com

Der Transaktionswettlauf in der Chemieindustrie verliert im ersten Halbjahr 2017 gegenüber den Vorjahren leicht an Dynamik.Dennoch ist der Markt von großen und disruptiven Transaktionen geprägt.

Die weltweiten Fusionen und Übernahmen in der Chemiebranche erreichten im ersten Halbjahr 2017 nicht die gleiche Dynamik wie in den beiden Vorjahren. Wie aus einer aktuellen Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht, gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weltweit 76 Transaktionen ab 50 Mio. USD, die mit einem Gesamtvolumen von 72,8 Mrd. USD zu Buche schlugen. Damit lagen die M&A-Aktivitäten zur Jahresmitte zwar deutlich unter dem Niveau der Rekordjahre 2015 und 2016 zum gleichen Zeitpunkt. Dennoch ist der Markt weiterhin von großen und disruptiven Transaktionen geprägt. Dazu trugen neben den noch schwebenden Übernahmeverfahren des letzten Jahres vor allem die Neuankündigung großer Fusionen zwischen Clariant und Huntsman oder auch Henkel und Darex Packaging bei.

Europa und Nordamerika deutlich vor China

Das durchschnittliche Dealvolumen in Europa wie auch in Nordamerika bleibt trotz eines insgesamt gesunkenen Anteils deutlich über der Schwelle von 2 Mrd. USD. Zum Vergleich: In China lag der durchschnittliche Transaktionswert gerade einmal bei 0,44 Mrd. USD.

„Europa und Nordamerika bleiben die Hotspots für große internationale Übernahmen, während Asien und insbesondere China weiterhin überwiegend mit der Konsolidierung des lokalen Marktes befasst sind“, sagt Dr. Marcus Morawietz, Geschäftsführer bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC, und globaler Leiter des Chemiesektors „Derzeit beobachten wir insbesondere zwei wichtige Treiber für M&A-Aktivitäten: Zum einen streben Unternehmen die Marktführerschaft durch Konsolidierung in spezifischen Segmenten an, etwa in den Bereichen Industriegase oder Crop Protection. Zum anderen werden Firmen mit breitem Portfolio aufgebaut, sogenannte „Specialty Holdings“.“

Große Übernahmen steigen – viele Chemiesegmente werden neu gestaltet

Insgesamt belief sich die Anzahl der angekündigten Übernahmen mit einem Volumen von mindestens 1 Mrd. USD, also die so genannten Mega-Deals, im ersten Halbjahr auf 14 Transaktionen. Dies sind deutlich mehr als zum gleichen Zeitpunkt in den Rekordjahren 2015 und 2016. „Auch für das zweite Halbjahr ist mit einer hohen Dynamik bei den Fusionen und Übernahmen in der Chemie zu rechnen“, kommentiert Morawietz. „Denn aktuell ist mehr als die Hälfte der globalen TOP20-Unternehmen in großen M&A-Deals aktiv und praktisch alle großen Firmen beschäftigen sich intensiv mit Portfolioumstrukturierungen – entweder als Reaktion der richtungsweisenden Übernahmen in 2015/16 oder mit der Absicht, gezielt weitere Chemiesegmente neuzugestalten. Die Wettbewerbslandschaft in der chemischen Industrie wird sich vor diesem Hintergrund weiter stark verändern. “

Übernahmewettbewerb geht weiter

Laut dem PwC-Experten sind wesentliche Treiber dieser Entwicklung die aktuellen Herausforderungen für profitables Wachstum, Erwartungen von Investoren, niedrige Commodity-Preise und das weiterhin günstige Finanzierungsumfeld. Hinzu kommen die aus den laufenden Transaktionen resultierenden Welleneffekte sowie weitere Übernahmen zur Konsolidierung und Portfolio-Erweiterung. Darüber hinaus machen der Margendruck im Downstream-Geschäft und die Aussicht auf den Zugang zu neuen und differenzierenden Fähigkeiten, insbesondere im Bereich Materials & Solutions, Unternehmensübernahmen zu einer attraktiven Option. „Der intensive Wettbewerb um attraktive Unternehmen oder Geschäftsbereiche wird sich fortsetzen und vermutlich sogar noch verstärken. Die Preise für Übernahmen werden weiterhin auf hohem Niveau bleiben“, erläutert Morawietz. „Die größte Herausforderung für Konzerne wird sein, nicht nur die „klassischen“ Synergien bei der Integration zu realisieren, sondern einerseits die erworbenen Fähigkeiten erfolgreich zu nutzen und andererseits auch durch die erwarteten Umsatz-Synergien einen neuen und nachhaltigen Wachstumsschub zu erzielen.“

(Pressemitteilung PwC vom 30.06.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©Sondem/fotolia.com

07.10.2026

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt

Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt
Meldung

© pichetw/fotolia.com

06.10.2026

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen

Mit dem breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst auch der Einfluss von Finanzvorständen. Laut der globalen CFO-Studie des IBM Institute for Business Value unter 1.500 CFOs haben 62% inzwischen zusätzliche Verantwortung für Technologie- oder KI-Strategien übernommen. 56% verfügen über mehr Einfluss auf Portfoliosteuerung und Kapitalallokation, 54% gestalten stärker Geschäftsmodelle und Wachstumsstrategien. Finanzabteilungen noch nicht transformationsreif

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen
Meldung

© ferkelraggae/fotolia.com

05.10.2026

50 Milliarden Euro notleidende Kredite

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums reagieren zahlreiche Banken mit strengeren Kreditvergabestandards und höheren Anforderungen an Sicherheiten. Gleichzeitig gewinnen Debt Fonds und Private-Credit-Anbieter als alternative Finanzierungsquellen klar an Bedeutung. Wie die neue Deloitte-Studie Kreditmarkt-Insights 2026 zeigt, haben notleidende Kredite seit Anfang 2023 stark zugenommen und erreichen mittlerweile knapp 50 Milliarden Euro. Zugleich ist der Anteil der Kredite

50 Milliarden Euro notleidende Kredite
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)