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01.02.2016

Chinesische Konzerne auf Shopping-Tour in Europa

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Corporate Finance

Deutschland bleibt das bevorzugte Investitionsziel chinesischer Unternehmen in Europa: 2015 führten chinesische Unternehmen 36 Unternehmenskäufe in Deutschland durch. Damit war Deutschland für chinesische Investoren das attraktivste Investitionsland in Europa – dicht gefolgt von Großbritannien, wo 34 Transaktionen durchgeführt wurden.

Hinter Deutschland und Großbritannien folgten im vergangenen Jahr mit deutlichem Abstand – aber steigender Tendenz – Frankreich (20), Italien (17) sowie Spanien und Russland (12 bzw. 9) als Zielländer.

Größte M&A-Transaktion 2015 in Großbritannien angekündigt

Der mit Abstand größte M&A-Deal des Jahres wurde in Großbritannien angekündigt: der Verkauf der britischen Telefonica-Tochter O2 an Hutchison im Wert von 15,4 Mrd. USD. Für diese Transaktion steht allerdings noch die Genehmigung der Behörden aus. Auf dem zweiten Rang der größten chinesischen Zukäufe in Europa rangiert die Übernahme des italienischen Reifenkonzerns Pirelli durch ChemChina (8,9 Mrd. USD), gefolgt vom Kauf des Schweizer Flugzeug- und Airportdienstleisters Swissport durch die chinesische HNA Group für 2,8 Mrd. USD.

Übernahme der Hauck & Aufhäuser Privatbank durch Fosun größte Transaktion in Deutschland

Die in Deutschland getätigten Zukäufe spielten im vergangenen Jahr noch durchweg in einer anderen Liga – zudem sind nur für zwölf der 36 Deals Angaben zum Kaufpreis verfügbar. Die größte Transaktion in Deutschland war die Übernahme der Hauck & Aufhäuser Privatbank durch den Mischkonzern Fosun im Wert von 210 Mio. USD. Auch diese Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. Anfang dieses Jahres fand dann die bislang größte Komplettübernahme eines deutschen Unternehmens durch einen chinesischen Käufer statt: der Kauf des Maschinenbauers Krauss-Maffei durch ChemChina für 925 Mio. €.

Zahl der Transaktionen in Europa 2015 um 10% gestiegen

Insgesamt kauften sich im vergangenen Jahr chinesische Investoren europaweit bei 179 Unternehmen ein – 2014 waren 163 Zukäufe gezählt worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden gerade einmal 34 europäische Unternehmen von chinesischen Investoren gekauft, im Vorkrisenjahr 2007 führten chinesische Investoren insgesamt 51 M&A-Transaktionen in Europa durch.

„Chinesische Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Käufergruppe auf dem internationalen Transaktionsmarkt entwickelt – inzwischen sind sie auch immer öfter in Mega-Deals involviert und zahlen Milliardensummen für europäische Konzerne“, beobachtet Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz. „Im Zentrum des Interesses steht dabei – zumindest bei Industrieunternehmen – eindeutig Deutschland“.

Dass im Vergleich zum vergangenen Jahr nur noch ein leichtes Plus bei chinesischen Übernahmen in Deutschland zu verzeichnen war, führt Sun auf den Mangel an Kaufgelegenheiten zurück – nicht auf stagnierendes Interesse auf chinesischer Seite: „Deutsche Industrie- und Technologieunternehmen genießen in China höchsten Respekt, das Interesse an den deutschen „Hidden Champions“ ist nach wie vor sehr groß. Allerdings ist die Bereitschaft im deutschen Mittelstand, einen ausländischen Investor ins Boot zu nehmen, traditionell eher gering. Dies beginne sich jedoch zu ändern: „Die positiven Erfahrungen mit Investoren aus Fernost sprechen sich herum, daher werden wir ganz sicher künftig mehr Transaktionen in diesem Bereich sehen.“

USA weiterhin größter Investor in Deutschland

Im Ranking der größten Auslandsinvestoren in Deutschland kletterte China im vergangenen Jahr vom sechsten auf den fünften Platz: Chinesische Unternehmen waren im vergangenen Jahr – bezogen auf die Zahl der Transaktionen – der fünftgrößte Investor in Deutschland und der zweitgrößte außereuropäische Investor hinter den USA, die sich mit 158 Transaktionen in Deutschland bei weitem am stärksten engagiert haben. Zweitgrößter Investor in Deutschland war Großbritannien mit 77 Transaktionen, gefolgt von Frankreich (66). Insgesamt haben sich ausländische Investoren an 652 (Vorjahr: 685) deutschen Unternehmen beteiligt oder sie akquiriert.

Investoren aus Fernost schätzen Industrieunternehmen – Gesundheitsbranche zunehmend attraktiv

Die meisten M&A-Deals chinesischer Unternehmen in Deutschland zielten im vergangenen Jahr auf Industrieunternehmen ab – insbesondere auf Maschinenbauer. Insgesamt zwölf Transaktionen wurden in dieser Branche gezählt. Deutlich gestiegen sind die Zukäufe in den Bereichen Konsumgüter und Handel (von drei auf sechs) sowie Pharma/Gesundheitswesen (von null auf fünf). Rückläufig war hingegen die Zahl der Transaktionen im Automobilsektor – nach acht Deals im Jahr 2014 wurden 2015 nur vier Transaktionen gezählt.

Je nach Land setzen die chinesischen Investoren unterschiedliche Schwerpunkte. In Großbritannien investierten chinesische Unternehmen etwa verstärkt in Infrastrukturunternehmen (Eversholt Rail) oder in die Reise-, Freizeit- und Entertainment-Branche (Thomas Cook, City Football Group, Les Ambassadeurs Club). In Frankreich konzentrierten sich chinesische Investoren vor allem auf Weingüter und Hotels.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa untersucht. Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung EY vom 01.02.2016)


Redaktion

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