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19.03.2020

Corona-Krise legt Börsengänge in Deutschland auf Eis

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© moomsabuy/fotolia.com

Die Flaute auf dem Frankfurter Parkett geht weiter. Im ersten Quartal 2020 hat sich kein einziges Unternehmen in Deutschland aufs Börsenparkett gewagt. Die Frankfurter Börse erlebt damit zum ersten Mal seit 2009 zwei aufeinanderfolgende Quartale ohne einen einzigen Börsengang im regulierten Markt. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Durch die rapide Ausbreitung des Corona-Virus und den darauffolgenden Markteinbruch mussten geplante und bereits kurz vor der Vermarktung stehende Kapitalmarkttransaktionen auf unbestimmte Zeit verschoben werden, erklären die Studienautoren. Auch die aktuelle Pipeline von IPO-Kandidaten habe für die kommenden Monate nur geringe Erfolgsaussichten. Einzig die von langer Hand geplanten Abspaltungen großer Industriekonzerne seien aktuell denkbar. Siemens etwa halte vorerst am Zeitplan für den Börsengang seiner Energiesparte in diesem Herbst fest.

Volatilität auf Rekordniveau

Dabei sah das Umfeld für Börsengänge Anfang des Jahres laut der Analyse noch vielversprechend aus. Bis Ende Januar deuteten die makroökonomischen Indikatoren auf eine Verbesserung der Emissionsbedingungen hin. Diese Hoffnungen wurden dann innerhalb kürzester Zeit und in extremer Weise zunichte gemacht, so die Einschätzung der Studienautoren.

Seitdem sich COVID-19 auch in der westlichen Welt rasant ausbreitet, brechen die Aktienmärkte massiv ein, die Volatilität erreicht Rekordniveau und spiegelt die große Verunsicherung bei den Investoren wider. In dieser Abwärtsspirale waren positive Gegenbewegungen der Märkte bislang nur von kurzer Dauer. Fundamentale Kriterien für die Bewertung der Asset-Preise wurden in den vergangenen Tagen immer wieder außer Kraft gesetzt, stellt die Analyse fest. Eine klare Bodenbildung sei noch nicht zu erkennen.

Zwei Kapitalerhöhungen im dreistelligen Millionenbereich

Immerhin die Kapitalerhöhungen an der Frankfurter Börse bewegten sich der Studie zufolge in den ersten drei Monaten auf dem – wenn auch niedrigen – Durchschnitt der vergangenen Quartale. Zwischen Januar und März 2020 besorgten sich fünf Unternehmen frisches Kapital am Markt (Q4 2019: 9 / Q1 2019: 14). Das Volumen der Kapitalerhöhungen lag bei 706 Mio. € (Q4 2019: 383 Mio. € / Q1 2019: 708 Mio. €). Im Fokus standen zwei große Transaktionen, die beide im Januar noch vor dem Ausbruch des Corona-Virus in Europa erfolgreich platziert wurden: Der Essenslieferant Delivery Hero erhöhte sein Kapital um 571 Mio. €, das Immobilienunternehmen DIC Asset um 110 Mio. €.

Spreads bei Fremdkapitalemissionen steigen stark an

Bei den Fremdkapitalemissionen lag das Gesamtvolumen für Investment Grade Bonds im ersten Quartal 2020 mit rund 18,9 Mrd. € laut der Analyse knapp über dem Vorquartal, jedoch unter dem Zweijahresdurchschnitt von 24,1 Mrd. €. Zu Beginn des Jahres verliefen die Spreads in diesem Bereich nach Aussage der Studienautoren noch stabil. In den vergangenen vier Wochen stiegen sie jedoch trotz der getroffenen geldpolitischen Maßnahmen rapide an. Auch im Markt für High Yield Bonds war die Corona-Krise an den Kurssprüngen ablesbar. Das Gesamtemissionsvolumen bewegte sich im ersten Quartal mit 3,8 Mrd. € allerdings auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen zwölf Monate.

Keine Wiederbelebung der IPO-Aktivitäten in Sicht

Wie lange der Stillstand in Folge der Corona-Pandemie anhält, ist nach Einschätzung der Studienautoren völlig offen. Sicher sei, dass sich die Märkte erholen werden, die Frage ist nur wann. Für das zweite Quartal 2020 rechnen die PwC-Experten definitiv noch nicht mit einer Wiederbelebung der IPO-Aktivitäten.

Mittelfristig mehr Kapitalerhöhungen zur Refinanzierung

Mittelfristig gehen die Studienautoren von einem Anstieg der Kapitalerhöhungen zur Refinanzierung von Unternehmen aus, so wie in den Krisenjahren 2008 und 2009. Insbesondere in Branchen, in denen der Cashflow nun massiv einbreche, werde sich vermutlich ein erhöhter Refinanzierungsbedarf ergeben.

Sollten Unternehmen umfangreiche Staatshilfen in Form von Krediten in Anspruch nehmen, wird es nach einer Beruhigung der Situation entsprechende Kapitalerhöhungen im Markt geben, um den Verschuldungsgrad der Unternehmen wieder auf vertretbare Größenordnungen zu reduzieren, prognostizieren die Studienautoren.

(Pressemitteilung PwC vom 19.03.2020)


Redaktion

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