• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Corona-Krise verunsichert den Venture Capital-Markt und verändert Investorenlandschaft

07.08.2020

Corona-Krise verunsichert den Venture Capital-Markt und verändert Investorenlandschaft

Beitrag mit Bild

© tashatuvango/fotolia.com

Start-ups haben mit Umsatzein­brüchen zu kämpfen, wodurch sich auch die Gefahr des Scheiterns erhöht hat. Zugleich bekommen sie die Krise auch finanzierungs­seitig zu spüren, da sogar bereits zugesagte Deals zum Teil nicht getätigt wurden. Offenbar war die große Unsicherheit durch den Corona-Schock dafür ausschlaggebend. Die Gefahr für weitere coronabedingt geplatzte Deals dürfte mittlerweile aber gebannt sein. Wie lange sich die Investoren jetzt vor allem auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, wird vermutlich aber davon abhängen, wie gut Unternehmen und Volkswirtschaften durch die Krise kommen.

Die ungewissen Auswirkungen der Corona-Krise haben den deutschen Venture Capital-Markt Ende des 1. Quartals 2020 stark verunsichert. Im 2. Quartal ist der erste Schreck nun vorerst gewichen. Das Geschäftsklima konnte sich wieder deutlich vom neuen Allzeittief des Vorquartals absetzen. Das zeigte das aktuelle German Venture Capital Barometer von KfW Research und BVK. Was bedeutet die Corona-Krise darüber hinaus für den deutschen Venture Capital-Markt? Wie verhalten sich die Marktteilnehmer und welche Konsequenzen ergeben sich? In einer Sonderbefragung haben 24 Venture Capital-Investoren einige Aspekte eingeschätzt.

Corona-Krise stresst Start-ups

Die Venture Capital-Investoren geben fast einstimmig zu Protokoll, dass die Start-ups in ihren Portfolien krisenbedingt mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben. Auch rechnet der Großteil mit einem vermehrten Scheitern von Start-ups. Viele stimmen dieser Aussage allerdings nur teilweise zu, vermutlich weil sie verschiedene Branchen im Blick haben, die sehr unterschiedlich von der CoronaKrise betroffen sind.

Umwälzung der Investorenlandschaft

Die Start-ups bekommen die Krise auch finanzierungsseitig zu spüren. So konstatiert die Mehrheit der Venture Capital-Investoren, dass eigentlich zugesagte Deals aufgrund der Corona-Krise doch nicht getätigt wurden. Auch hier gibt es viele Investoren, die nur teilweise zustimmen. Deals wurden dabei offenbar häufiger von Investoren mit einem hohen Investitionsgrad abgesagt. Denn je weniger Reserven zur Verfügung stehen, desto eher wurde die Unterstützung des existierenden Portfolios priorisiert. Gleiches gilt für den Abschluss neuer Deals, wobei hier das Bild insgesamt sehr viel ausgewogener ist. Die Bereitschaft für Neuinvestitionen ist also noch vorhanden. Im German Venture Capital Barometer hat sich diesbezüglich in Q2 2020 eine Entspannung gezeigt, nachdem die Investitionsbereitschaft in Q1 auf Eis lag. Offenbar war die große Unsicherheit durch den Corona-Schock in Q1 ausschlaggebend dafür, dass eigentlich zugesagte Deals doch nicht zu Stande kamen.

Rückzug auf den Heimatmarkt und das Kerngeschäft

Die Gefahr für weitere coronabedingt geplatzte Deals dürfte nun aber gebannt sei. Start-ups dürften beim Zugang zu VC auch indirekt von der Corona-Krise betroffen sein: durch eine Veränderung der Investorenlandschaft. So scheinen ausländische Direktinvestoren und nicht traditionelle Direktinvestoren (wie Unternehmen, Stiftungsfonds, Hedgefonds, Staatsfonds oder Investmentbanken) ihre Aktivitäten auf dem Markt reduziert zu haben. Als krisenbedingte Reaktion wäre der Rückzug auf den Heimatmarkt bzw. das Kerngeschäft normal. Ob die Veränderung der Investorenlandschaft und damit des Venture Capital-Angebots eine Momentaufnahme oder längerfristiger Natur ist, wird vermutlich davon abhängen, wie gut Unternehmen und Volkswirtschaften durch die Krise kommen.

Investoren bleiben Venture Capital-Fonds treu

Der Ausbruch der Corona-Krise verunsicherte Unternehmen und Investoren enorm. Als Reaktion versuchten sie mit großer Anstrengung, Liquidität zu sichern. Investoren zogen sich beispielsweise aus bestehenden Anlagen zurück, wie der Absturz der internationalen Aktienmärkte zeigte. Die Befürchtung war, dass das auch Venture Capital-Fonds beträfe. Dies war offensichtlich aber nur vereinzelt der Fall. Nur wenige Venture Capital-Investoren bejahen, dass Fondsinvestoren versucht haben, sich von Beteiligungen zu trennen oder Zusagen zu Fondsinvestitionen wieder zurückgezogen haben. Wer allerdings gerade im Fundraising ist, der wird es schwerer haben, neue Zusagen von Fondsinvestoren zu erhalten.

Weitere Infos zur Sonderbefragung der KfW finden sich hier. Informationen zum German Venture Capital Barometers gibt es hier.

(Pressemitteilung KfW Research vom 06.08.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

19.03.2026

Automobilzulieferer vor schwieriger Dekade

Die Kfz-Zulieferindustrie steuert auf eine tiefgreifende Zäsur zu: Bis 2035 wird die Nachfrage nach Automobilkomponenten zwar jährlich um 3,5 % steigen. Davon profitieren aber längst nicht alle Unternehmen. Gewinner sind die Hersteller von Fahrzeugsoftware, Batterien und Elektrofahrzeugkomponenten. Sie können mit Wachstumsraten zwischen 13 und 16 % pro Jahr rechnen. Produzenten von Komponenten für Verbrennungsmotoren verlieren deutlich –

Automobilzulieferer vor schwieriger Dekade
Meldung

pitinan/123rf.com

18.03.2026

Trendwende bei Investitionen in Sicht?

Die Investitionstätigkeit in Deutschland verzeichnet eine durchwachsene Entwicklung. Die staatlichen Investitionen sind zum Jahresende 2025 sprunghaft gestiegen, die privaten Wohnbauinvestitionen haben nach langem Rückgang einen Wendepunkt erreicht. Dagegen mussten die Unternehmensinvestitionen im vierten Quartal einen deutlichen Rückschlag hinnehmen – trotz zuvor eher positiver Signale. Dies zeigt der Investitionsmonitor März 2026 von KfW Research. Staat investiert

Trendwende bei Investitionen in Sicht?
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

17.03.2026

Einbruch der Konjunkturerwartungen infolge des Nahost-Kriegs

Nach dem kräftigen Anstieg zum Jahresbeginn brechen die Erwartungen über die Konjunktur Deutschlands im März ein. Sie liegen mit minus 0,5 Punkten um minus 58,8 Punkte unter dem Vormonatswert. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage hat sich dagegen leicht verbessert. Der Lageindikator für Deutschland liegt mit minus 62,9 Punkten um plus 3,0 Punkte über dem

Einbruch der Konjunkturerwartungen infolge des Nahost-Kriegs
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)