• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Corporate-Banking-Index: Mehr Kredite, weniger Gewinn

15.12.2016

Corporate-Banking-Index: Mehr Kredite, weniger Gewinn

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Die Kreditvergabe der Banken an Firmenkunden in Deutschland steigen im ersten Halbjahr 2016 auf einen neuen Rekordwert. Der harte Wettbewerb und weiter sinkende Margen verhindern allerdings einen Anstieg der Erträge der Banken. Die Profitabilität im Corporate-Banking sinkt damit auf den niedrigsten Stand seit 2013.

Die Kreditvergabe der Banken an Firmenkunden in Deutschland steigen im ersten Halbjahr 2016 auf einen neuen Rekordwert. Der harte Wettbewerb und weiter sinkende Margen verhindern allerdings einen Anstieg der Erträge der Banken. Die Profitabilität im Corporate-Banking sinkt damit auf den niedrigsten Stand seit 2013.

Die umstrittenen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank mit einem Leitzins von null Prozent und Negativzinsen auf Einlagen zeigen zumindest im Firmenkundengeschäft der deutschen Banken Wirkung. Im ersten Halbjahr 2016 stieg das Kreditvolumen um immerhin knapp 2 Prozent auf den neuen Rekord von 1.024 Milliarden Euro. Insbesondere Großbanken sowie genossenschaftliche Institute und Sparkassen weiteten ihr Engagement aus. Der enorm harte Wettbewerb um jedes größere Unternehmen verhinderte jedoch einen spürbaren Effekt auf Erträge und Gewinne. Der Bain-Corporate-Banking-Index stieg in der Dimension Ertrag im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2015 zwar um 3 Prozent, blieb damit aber leicht unter dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2015. In der Dimension Profitabilität ging der Bain-Corporate-Banking-Index noch einmal um 6 Prozent zurück und weist damit den niedrigsten Stand seit 2013 auf. Nach der Finanzkrise 2008/09 fiel er lediglich im zweiten Halbjahr 2013 noch tiefer.

In den Jahren 2010 bis 2012 hatte der Profitabilitätsindex noch um bis zu 75 Prozent höher gelegen – ein entscheidender Grund, warum Landesbanken, regionale und ausländische Institute sowie Spezialanbieter ins Corporate-Banking drängten. Dr. Jan-Alexander Huber, Partner bei Bain & Company, beobachtet mittlerweile zum Teil ruinöse Tendenzen im Wettbewerb und warnt: „Es macht keinen Sinn, Kunden um jeden Preis und zu jeder Marge zu gewinnen oder zu halten. Vielmehr sollten die Banken ausgewählte Firmenkunden mit einer exzellenten Gesamtleistung überzeugen.“ Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen mahnt er insbesondere einen Ausbau des Provisionsgeschäfts an.

Kreditmarge fällt auf Niveau des Krisenjahrs 2008

Die schwierige Situation im Kreditgeschäft verdeutlicht dessen Marge. Mit 1,3 Prozent fiel sie im ersten Halbjahr 2016 auf das Niveau des Krisenjahrs 2008. Banken versuchen hier bereits gegenzusteuern, indem sie sich auf Kernkunden und auf differenzierte Margen konzentrieren. Die Kreditrisikovorsorge ist zuletzt um 50 Prozent gestiegen und belastet das Geschäft zusätzlich. Nach einem besonders niedrigen Stand Ende 2015 kehrte sie in diesem Jahr wieder auf den Durchschnitt der letzten zweieinhalb Jahre zurück.

Fortschritte gab es zur Halbzeit 2016 auf der Kostenseite. Die Cost-Income-Ratio im Corporate-Banking stabilisierte sich bei 42 Prozent. In den vergangenen Jahren hatte – allen Sparmaßnahmen zum Trotz – speziell die verschärfte Regulierung zu einem Anstieg der Cost-Income-Ratio geführt. Der Erfolg der laufenden Programme zur Kostensenkung zeigt sich auch beim Verwaltungsaufwand. Nach einem kontinuierlichen Anstieg in den letzten zwei Jahren sank der Indexwert in diesem Jahr erstmals wieder leicht.

Eigenkapitalrendite geht zurück

Die Stabilisierung auf der Kostenseite reichte jedoch nicht aus, um den Rückgang der Eigenkapitalrendite in der ersten Jahreshälfte 2016 zu stoppen. Die höhere Kreditrisikovorsorge, der Margendruck und die fortlaufende Stärkung der Eigenkapitalbasis konterkarierten die positiven Effekte der laufenden Sparprogramme und des steigenden Kreditvolumens. Mit nunmehr 14 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern verdienen die Banken in Deutschland im Corporate-Banking aber nach wie vor mehr als ihre Eigenkapitalkosten. „Allerdings darf sich keine Bank trotz zweistelliger Renditen in Sicherheit wiegen“, betont Branchenkenner Dr. Christian Graf, Principal bei Bain & Company. „Das Umfeld wird auch in den kommenden Jahren herausfordernd bleiben.“ Er verweist auf den harten Wettbewerb und das Vordringen bankfremder Anbieter. „Das Gebot der Stunde ist die Konzentration auf profitable Geschäftsfelder und profitable Kunden.“

(Pressemitteilung Bain vom 13.12.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Erfolg, Startup, Start-up, Existenzgründung, Gründung, Karriere
Meldung

©Sunnystudio/fotolia.com

30.09.2022

Start-up-Geschäftsklima kühlt ab: Deutsche Start-ups trotz zunehmender Unsicherheit robust

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen hat die Unsicherheit unter Start-ups deutlich zugenommen. Das Start-up-Geschäftsklima kühlt spürbar ab, ist aber im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 deutlich positiver und auch mit Blick auf die Gesamtwirtschaft noch wesentlich optimistischer. Mit durchschnittlich 18 Beschäftigten zeigt sich das Start-up-Ökosystem insgesamt robust – 9 geplante Neueinstellungen pro Start-up machen zudem deutlich, dass junge Unternehmen auch unter den aktuellen Bedingungen wachsen wollen.

Start-up-Geschäftsklima kühlt ab: Deutsche Start-ups trotz zunehmender Unsicherheit robust
Europa
Meldung

©DenysRudyi/fotolia.com

30.09.2022

Unternehmen in Europa arbeiten mit Hochdruck an der Lokalisierung ihrer Wertschöpfungsketten

Wie eine neue Studie zu Deglobalisierungstendenzen zeigt, plant eine große Mehrheit der Unternehmen in Europa, ihre Wertschöpfungsketten in den jeweiligen Absatzmärkten stärker zu lokalisieren. Branchenübergreifend geben 85% der befragten Unternehmen an, ihre Strukturen von Produktion bis Vertrieb künftig stärker in den jeweiligen Absatzmärkten bündeln zu wollen (“local for local“). Von Unternehmen mit Standorten in China arbeiten mehr als 60% konkret daran, diese Aktivitäten schrittweise beziehungsweise teilweise zu verlagern. Als mögliche neue asiatische Fokusmärkte werden vor allem Indien und Japan gesehen, gefolgt von Singapur und Südkorea.

Unternehmen in Europa arbeiten mit Hochdruck an der Lokalisierung ihrer Wertschöpfungsketten
M&A, Mergers, Fusion, Übernahme
Meldung

© Tim/Fotolia.com

29.09.2022

Fintech M&A seit zwei Jahren im stetigen Anstieg

Die Fintech-Branche trotzt der allgemeinen Talfahrt bei M&As. Laut des Hampleton Partners Fintech M&A Market Reports kennt das weltweite Dealvolumen im Bereich Fintech seit zwei Jahren nur eine Richtung: Bergauf. So sind die Fusionen und Übernahmen in der ersten Jahreshälfte 2022 mit 591 veröffentlichten Deals im Bereich integrierte Finanzdienstleistungen, Krypto, Blockchain und Open Banking API-Dienstleistungen stark angestiegen. Der Report verzeichnet damit einen Anstieg von 46% gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 (406 Fintech-Deals) und einen massiven Anstieg von 70% gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 (348 Fintech-Deals).

Fintech M&A seit zwei Jahren im stetigen Anstieg
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank