• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Cyber Security: Große Schwächen in der Abwehr

06.10.2017

Cyber Security: Große Schwächen in der Abwehr

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

„Cyber-Terroristen legen das deutsche Stromnetz lahm, stehlen sensible Daten und beeinflussen durch sog. Fake News die öffentliche Meinung. Der Staat und seine Bürger sind den Angreifern mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert, denn sie haben den technisch versierten Angreifern wenig entgegenzusetzen. So könnte das Worst-Case-Szenario aus Sicht vieler Führungskräfte in deutschen Unternehmen, Parlamenten und Behörden aussehen. Wie der Deloitte Cyber Security Report 2017 zeigt, bewerten drei Viertel der Studienteilnehmer die Gefährdung der Infrastruktur als größtes Risiko – und nur 12% glauben, dass die Angegriffenen gut vorbereitet sind. Hier muss der Staat zulegen, so der mehrheitliche Appell an die Politik. Favorisiert wird dabei vor allem eine zentrale Gefahrenabwehrstelle. Dass die staatlichen Kompetenzen derzeit ausreichen, glauben selbst in der Politik nur 37% – in der Wirtschaft ist es nicht einmal ein Viertel.

Die Digitalisierung bringt unzählige und unschätzbare Vorteile, aber sie macht auch verwundbar, stellen die Studienautoren fest. Die Akteure würden die Situation jedoch überwiegend realistisch einschätzen und die Regierung in der Pflicht sehen und Unternehmen würden Kooperationsangebote an den Staat zur Verbesserung des Abwehrpotenzials machen. Die Politik ihrerseits sei stark um den Aufbau wirksamer Abwehrstrukturen bemüht, ebenso wie auch das Militär.

Bei Angriff vor allem Sorge um die Infrastruktur

Gegenüber dem Vorjahr sind die Gefahren deutlich gewachsen. Insgesamt 97% halten groß angelegte Hackerangriffe für mindestens bis sehr wahrscheinlich. Jeweils drei Viertel der Befragten sehen elementare Risiken im Hinblick auf die Infrastruktur sowie eine Verseuchung durch Computerviren. Immer noch 68% befürchten Datenbetrug im größeren Stil. Zum Vergleich: Noch vor vier Jahren fürchteten mit 57% deutlich weniger Menschen um die Sicherheit von Krankenhäusern, Verkehrssystemen und Stromnetzen. Weniger Sorgen machen sich die Befragten um die Möglichkeit, unwissentlich von den Behörden überwacht zu werden. Dies gilt aber nur für den eigenen Staat. Ländern wie den USA oder China trauen das immerhin 54% ohne Weiteres zu.

Fake News nur potenziell gefährlich

Immerhin 67% und damit zwei Drittel der Studienteilnehmer bewerten Fake News als ernsthaftes Problem. Ganze 60% rechneten mit einer entsprechenden Beeinflussung des zurückliegenden Bundestagswahlkampfs – darunter deutlich mehr Politiker als Unternehmenslenker. Trotz der überwiegend klaren Sicht auf die Lage wird das Risiko unterschiedlich bewertet: Nur etwa die Hälfte derer, die mit Attacken rechnen, sieht eine ernsthafte Gefahr, dennoch fordern zwei Drittel wirksame Gegenmaßnahmen.

Schutz ist Staatsaufgabe

Wer schützt uns vor der Gefahr aus dem Cyberspace? Im Zweifel der Staat. Hierfür haben die zuständigen Akteure im Jahr 2016 eine entsprechende Sicherheitsstrategie entwickelt, die auf der Grundlage von 2011 aufbaut. Die Bundesregierung hat sich das Thema zu Eigen gemacht, verschiedene Ministerien sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bringen entsprechende Initiativen auf den Weg.

Auch Aufgabe der Bundeswehr

Immerhin 46% glauben, dass Cyber-Attacken zum Teil auf die Entwendung militärischer Geheimnisse abzielen. Die Schaffung einer spezifischen Cyber-Abwehreinrichtung der Bundeswehr begrüßen 95% der Befragten. Doch sieht nur jeweils die Hälfte der teilnehmenden Politiker und Wirtschafts-Führungskräfte einen Sinn darin, Deutschland prinzipiell selbst zu solchen (Gegen-)Angriffen zu befähigen. Diejenigen, die das befürworten, halten derartige Maßnahmen für sinnvoll um gegen Gruppen, die selbst Cyber-Angriffe starten, vorzugehen oder um Straftaten wie organisierte Kriminalität oder Terrorismus aufzudecken. Hier liegt die Zustimmung bei fast 90%.

Kräfte in zentraler Stelle bündeln

Im zivilen Bereich liegt die allgemeine Zustimmung zu einer zentralen digitalen Abwehrstelle bei rund 60%. Eine Mehrheit geht ebenfalls davon aus, dass der deutsche Staat die Unternehmen beim Schutz vor IT-Angriffen unterstützen kann. Die Unternehmen wünschen sich eine frühzeitige Warnung vor Gefahren, Informationen über neue Risiken und Schutzmöglichkeiten sowie Unterstützung im Ernstfall.

Staat muss kompetenter werden – am besten durch Kooperationen

Nach Meinung der Befragten muss die Kompetenz der staatlichen Stellen weiter ausgebaut werden. Fast zwei Drittel der Politiker und knapp drei Viertel der Führungskräfte zweifeln daran, dass der aktuelle Status quo ausreichend ist. Das gilt für die praktischen Instrumente genauso wie für den regulatorischen Rahmen. Uneinigkeit zwischen den Berufsgruppen herrscht in Bezug auf die methodischen Ansätze, die zu einer neuen Sicherheitsarchitektur führen sollen: Drei Viertel der Politiker setzen auf stärkere staatliche Kompetenzen, 56% der Manager hingegen auf intensivierte Kooperationen zur Verknüpfung von Unternehmens-Know-how mit staatlicher Kompetenz.

Das Meinungsbild der Erhebung zeigt laut der Studienautoren viele offene Fragen – bei Verantwortlichkeiten genauso wie bei rechtlichen Belangen. Deshalb sei es wichtig, bundesweit klare Definitionen als Voraussetzung für konkrete Abwehrstrategien zu erarbeiten. Dabei scheinen gerade die Unternehmen deutlich mehr Informationen über die Materie zu benötigen. Generell sollte der Austausch zwischen Staat und Privat hier intensiviert werden, so die Autoren der Studie. Nicht zuletzt gelte es, einen supranationalen Rahmen zu schaffen, den nationale Lösungen würden hier nicht ausreichen.

Den kompletten Report finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Deloitte vom 05.10.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© Sergey Nivens/fotolia.com

29.10.2026

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach

Die deutsche Wirtschaft zeigt zum Jahresende 2026 wieder Wachstumssignale. Das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) steigt deutlich über die neutrale 100-Punkte-Marke. Doch der Aufschwung bleibt fragil: Während Industrie und staatliche Investitionen die Konjunktur stützen, halten sich private Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Hohe Energiepreise und ungünstigere Finanzierungsbedingungen erschweren die Planung. Industrie

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

28.10.2026

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko

Engpässe bei kritischen Rohstoffen bedrohen zunehmend die Industrieproduktion. Laut Boston Consulting Group (BCG) unterschätzen viele Unternehmen ihre Abhängigkeiten und verpassen zugleich Chancen auf staatliche Finanzierungshilfen. Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich Nach Berechnungen der BCG könnte die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kupfer und Graphit bis 2040 bei 120 bis 250 % des

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko
Meldung

©peterschreibermedia/123rf.com

27.10.2026

Kostendruck bremst grüne Transformation

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland verschiebt Investitionen in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig kritisiert eine deutliche Mehrheit die aufwendigen ESG-Berichtspflichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Nachhaltigkeit bleibt wichtig – doch das Geld fehlt Die schwache Industriekonjunktur, Liquiditätsengpässe und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Laut Atradius-Umfrage räumen 73 % der Befragten Nachhaltigkeit weiterhin eine

Kostendruck bremst grüne Transformation
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)