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07.11.2023

Das neue China-Geschäft deutscher Unternehmen

Im Umgang mit China als Wirtschaftspartner wächst in deutschen Unternehmen das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Risikomanagements im eigenen Betrieb.

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© Creativa Images/fotolia.com

Die Liste ist lang: Solarpanels, Smartphones, Antibiotika und vieles mehr kommt aus China. Deutschland und China sind wichtige Handelspartner und aufeinander angewiesen. Chinas Null-Covid-Politik und die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben gezeigt, dass globale Lieferketten sehr schnell instabil werden können. Wie reagieren deutsche Unternehmen, die in China aktiv sind, auf diese aktuellen Entwicklungen? Mit der Studie „Das neue China-Geschäft deutscher Unternehmen: Realistisch. Pragmatisch. Risikobewusst.“ hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC Deutschland) ein Stimmungsbild mit einer Umfrage von 180 deutschen Unternehmen aus sechs verschiedenen Branchen erhoben.

Fazit: In China aktive deutsche Unternehmen zeigen nicht nur Realismus bei der Einschätzung der aktuellen Lage, sondern auch eine pragmatische Einschätzung der eigenen Unternehmensstärken – und Schwächen. Im Umgang mit China als Wirtschaftspartner wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Risikomanagements im eigenen Unternehmen.

China bleibt vorerst ein unerlässlicher Wirtschaftspartner

Realismus: 88 % sehen China auch in Zukunft als unerlässlichen Rohstofflieferanten. In puncto Beschaffung erwarten 57 % eine verstärkte Regionalisierung nah am Einsatzort. Gleichwohl geht die Mehrheit der befragten Unternehmen (53 %) für die kommenden drei Jahre von einer steigenden Bedeutung Chinas als Absatzmarkt für ihre Branche aus. Die überwiegende Mehrheit der Befragten will daher ihr Engagement auf dem chinesischen Markt auch in Zukunft fortführen. Lediglich eine sehr kleine Minderheit (1 %) plant einen Abzug oder Teilabzüge (6 %). Zwei Drittel (67 %) erwarten in den nächsten drei Jahren keine Verschiebung von Umsatzanteilen deutscher Unternehmen in andere Länder.

Von Regulierung über Geopolitik: Die Liste der Herausforderungen ist lang

Zwei Drittel der Befragten (65 %) nehmen die Regulierungen der Bundesregierung als Einschränkung in ihr Engagement in China wahr. Fast ebenso viele (63 %) sind der Meinung, dass geopolitische Konflikte Projekte wie die „Belt and Road Initiative (BRI)“ in Frage stellen. Die europäische „Global Gateway Initiative“, betrachtet bisher nur ein Drittel der befragten Firmen als attraktives Angebot. Ein weiteres Hindernis für Unternehmen sieht die Mehrheit der Befragten (56 %) in der Anwendung der Standards für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG).

Nur 29 % agieren mit ausformulierter China-Strategie

„Die Komplexität und Schnelligkeit, mit der sich Rahmenbedingungen ändern können, erschweren das Formulieren einer längerfristigen Strategie für ein China-Engagement. So ist es nicht erstaunlich, dass nur 29 % der deutschen Unternehmen eine ausformulierte China-Strategie besitzen und nur weitere 14 % eine solche planen“, resümiert Thomas Heck, Leiter der PwC China Business Group Deutschland/Europa.

Dennoch zeigen die Unternehmen ein verschärftes Risikobewusstsein, in dem sie konkrete Maßnahmen zur Sicherung ihrer Geschäftsaktivitäten in China entwickeln. Heck sieht darin ein weiteres Zeichen für Pragmatismus und Realismus im Umgang mit China: „Die Mehrheit der deutschen Unternehmen besitzt eine fundierte China- Kompetenz, erworben durch ihre langjährigen intensiven wirtschaftlichen Beziehungen. Sie begleiten China seit der Öffnung 1978 mit allen Höhen und Tiefen und haben somit einen realistischen Blick auf die Gegebenheiten in diesem Land entwickelt.“

Deutsche Unternehmen verstärken Cybersecurity-Aktivitäten in China

Rund sechs von zehn deutschen Unternehmen (59 %) in China beklagen eine starke Zunahme von Cyber-Angriffen. Jedes zweite Unternehmen hat aus diesen Erfahrungen die Cybersicherheits-Aktivitäten erhöht. Das Risikomanagement umfasst aber auch zahlreiche weitere Aspekte: Die größte Herausforderung sehen 84 % der Befragten in den unkalkulierbaren geopolitischen Entwicklungen; 77 % halten Standortalternativen in anderen Ländern als Risikovorsorge für unabdingbar. Bisher haben 37 % der Unternehmen konkrete Ausfallstrategien erarbeitet, um sich für Krisenfälle zu wappnen. Fast sechs von zehn Unternehmen (58 %) geben zudem an, dass steigende Kosten die Vorteile eines China-Engagements reduzieren und knapp die Hälfte sieht den Technologievorsprung deutscher Unternehmen rasant schwinden.

(pwc vom 03.11.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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