25.08.2020

DAX-Konzernen fehlt ein klares Leitbild

Beitrag mit Bild

© Robert Kneschke/fotolia.com

Die führenden deutschen Unternehmen gefährden ihren langfristigen Erfolg, weil sie kein klares Leitbild als Kompass für ihr Handeln haben. Das macht die Leitbildstudie 2020 der Managementberatung Horváth & Partners deutlich. Sie analysiert die 90 DAX30- sowie MDAX-Unternehmen und zeigt, dass diese noch großen Nachholbedarf haben. Lediglich ein einziges Unternehmen hat ein vollständiges Leitbild definiert.

Aus Sicht der Studienautoren setzt sich ein komplettes Leitbild aus fünf Faktoren zusammen: Purpose, Mission, Vision, Leitsätze und Werte. Diese Elemente haben die Experten im Frühjahr 2020 in der öffentlichen Kommunikation der führenden deutschen Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Vollständige Leitbilder sind vielfach Fehlanzeige.

Die Erstellung von Leitbildern mit den Elementen Purpose Mission, Vision, Leitsätze und Werte sollte nach Empfehlung der Experten heute zu den Standards der Strategiearbeit von Unternehmen gehören, um den langfristigen Markterfolg nicht zu gefährden.

Überzeugende Antworten auf fünf zentrale Fragen nötig

Dabei müssen die Unternehmen laut der Experten zentrale Fragen beantworten: Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für eine bessere Welt (Purpose)? Welchen kundenbezogenen Auftrag erfüllt es (Mission)? Welches Zukunftsbild hat es (Vision)? An welchen Eckpunkten kann sich die tägliche Entscheidungsfindung orientieren (Leitsätze)? Welches Verhalten wird von Mitarbeitern erwartet (Werte)? Ein überzeugendes Leitbild, so die Analyse, erwächst erst aus dem Zusammenspiel dieser fünf Elemente. Das kann bisher nur der Gesundheitskonzern Fresenius vorweisen. 13% der Firmen kommunizieren mit vier Leitbildelementen, 38% mit drei. 10% nutzen bislang kein einziges Element eines Leitbildes.

Kompass gesucht

Gerade in unsicheren Zeiten wie der aktuellen COVID-19-Pandemie benötigen Unternehmen einen eindeutigen Leitstern als Kompass, erklären die Studienautoren. Denn ein klares Verständnis von Sinn, Auftrag und Anspruch des Unternehmens steigere die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Auch externe Stakeholder wie Kunden, Bewerber und Investoren würden immer mehr Wert darauf legen, dass Unternehmen eine übergeordnete Existenzberechtigung vorweisen können. Nicht ohne Grund war Purpose eines der dominierenden Themen beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos, so die Autoren der Studie.

Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr

In die Konzernzentralen ist inzwischen jedoch Bewegung gekommen. Viele Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Hausaufgaben gemacht und einen Unternehmenszweck formuliert. Das belegt der Vergleich der Studienergebnisse mit der Vorjahresuntersuchung: Während 2019 bei nur 20% der DAX30- und MDAX-Kandidaten ein Purpose zu finden war, sind es in diesem Jahr bereits 39%. Das entspricht der Analyse zufolge fast einer Verdopplung. Mit einer Mission können in diesem Jahr 40% aufwarten, 63% mit einer Vision und 24% mit Leitsätzen. Werte sind mit 66% das am häufigsten kommunizierte Element. In den deutschen Chefetagen setzt sich die Erkenntnis durch, dass man sich beim Leitbild keine Schwäche erlauben darf. Offen ist allerdings, wie viele Unternehmen sich tatsächlich nachhaltig am Wohl der Gesellschaft ausrichten werden“, fassen die Studienautoren zusammen.

Die Leitbildstudie 2020 finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Horváth & Partners vom 25.08.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

irrmago/123rf.com

18.02.2026

Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hält an: Im Lauf des Jahres 2025 sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen in Deutschland um 124.100 bzw. 2,3 %. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Jobs gestrichen wurden. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 – ein

Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie
Meldung

©putilov_denis/fotolia.com

17.02.2026

Wachstumsmotor Hightech

Ein Hightech-Potenzial von rund 1,7 Billionen Euro bietet deutschen Unternehmen die Chance, im internationalen Technologiewettbewerb entscheidend aufzuholen. In zentralen Schlüsseltechnologien liegen die Voraussetzungen, um Wertschöpfung zu skalieren und industrielle Stärke in zukünftigen Leitmärkten auszubauen – während andere Nationen wie die USA und China diese Hebel bereits systematisch nutzen und damit den Handlungsdruck für Deutschland erhöhen.

Wachstumsmotor Hightech
Meldung

©JulienEichinger/fotolia.com

17.02.2026

Deutsche Unternehmen blicken optimistisch gen Osten

Mittel- und Osteuropa gewinnt für deutsche Unternehmen in deren globalen Strategien weiter an Gewicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von KPMG und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, für die 115 Unternehmen hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen in der Region befragt wurden. 63 % der Firmen erwarten demnach, dass die Länder Mittel- und Osteuropas in den kommenden fünf Jahren

Deutsche Unternehmen blicken optimistisch gen Osten
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)