27.04.2018

Deutsche Banken nur Mittelmaß?

Beitrag mit Bild

© momius / fotolia.com

Deutschland ist Weltmeister in vielen Bereichen. Auf einigen Gebieten reicht es jedoch nur für einen Platz im unteren Mittelfeld. Das gilt für die digitale Infrastruktur – und auch für den Digitalisierungsgrad der Banken des Landes.

Die aktuelle Deloitte-Studie „Digital Banking Maturity 2018“ zeigt, dass für die deutschen Geldinstitute im internationalen Vergleich noch einiger Nachholbedarf besteht, bevor ein Platz auf den vorderen Rängen in Reichweite kommt. Dabei sind die Unterschiede innerhalb der Branche eher gering, sodass es hier eines kollektiven „Rucks“ bedürfte. Für einen großen Sprung nach vorn braucht es insbesondere eine prinzipielle strategische Positionierung als auch die Etablierung bestimmter, vom Kunden nachgefragter Standards wie eine Open-Banking-Plattform und zusätzliche Services in der Peripherie.

„Dass sich gerade Deutschland als High-Tech-Land in punkto digitaler Reifegrad der Banken eher moderat präsentiert, liegt weniger an einer generellen Aversion von Banken und Kunden für digitale Lösungen und Angebote, sondern begründet sich eher im Gegenteil: „Viele alltägliche Zahlungsprozesse funktionieren in Deutschland so gut, dass der Veränderungsdruck bisher gering war, insbesondere im direkten Vergleich mit z.B. Osteuropa“, sagt Hans-Jürgen Walter, Partner und EMEA Co-Lead Financial Services Industry bei Deloitte.

Deutschland nur auf Platz 24

Platz 24 von 38 teilnehmenden Ländern aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika ist kein Ruhmesblatt für die deutsche Bankenlandschaft. Damit gilt Deutschland allenfalls als „Adopter“, der sich näher an den „Latecomers“ als an den „Champions“ und „Smart Followers“ bewegt. In der Spitzengruppe finden sich vor allem ost- und nordeuropäische Staaten, aber auch Frankreich, die Schweiz und Südafrika, während die Schlusslichter vielfach aus dem Nahen Osten stammen.

Das Gute als Feind des Besseren?

Die Gründe für die Position der deutschen Banken sind vielfältig: Zum einen sind die Deutschen generell eher vorsichtig, wenn es um datenintensive Online-Anwendungen geht – was sich nicht zuletzt am hohen Stellenwert des Bargelds manifestiert. Zum anderen bestehen in Deutschland seit Jahrzehnten zahlreiche und gut funktionierende Zahlungssysteme, die den Kundenbedürfnissen und -gewohnheiten weitgehend entsprechen.

Digitale Kontoeröffnung im Fokus

Das Spektrum digitaler Anwendungen ist breit gestreut und reicht vom allgemeinen Informationstransfer über das Tagesgeschäft bis hin zur digital gestützten Auflösung des Kundenverhältnisses. In allen Disziplinen erreichen die deutschen Banken – mit einigen Ausrutschern nach unten – Werte zwischen 20 und 50 Prozent. Gerade aber die vollständig digitale Kontoeröffnung und -schließung scheint besonders entwicklungsfähig, hier liegen die Scores deutlich unter dem Schnitt. Auch beim Tagesgeschäft und der allgemeinen Beendigung des Kundenverhältnisses überschreiten sämtliche Score-Werte kaum die Ein-Drittel-Marke.

Von Internet zu Mobile

Im Internet Banking scheinen die deutschen Banken weiterentwickelt als im Mobile-Bereich – der Schnitt des aktuellen Entwicklungsstands liegt bei Mobile deutlich niedriger. Dabei legen die Kundenpräferenzen eigentlich ein anderes Ergebnis nahe: In nahezu allen Aspekten des Bankings wird der Mobile Channel vorgezogen. Auf der anderen Seite haben Datenschutz-Bedenken gerade im Hinblick auf Apps eine bremsende Wirkung – anders als etwa in den skandinavischen Ländern, die hier bereits über mehr Erfahrung verfügen.

„Wenn Deutschland die führenden Länder ein- oder sogar überholen möchte, haben die Banken noch einige Arbeit vor sich. Das gilt vor allem für die Bereiche Open Banking, also einen in ein Ökosystem eingebundenen, plattformbasierten Ansatz mit Drittanbietern, und für ‚Beyond Banking‘. Bei diesem ebenfalls plattformbasierten Modell sind über die eigentlichen Bank-Leistungen auch zahlreiche weitere Services eingeschlossen – bis hin zu Nischen-Dienstleistungen und individualisierten Angeboten“, resümiert Jürgen Lademann, Partner und Digitalisierungsexperte bei Deloitte Digital

Die komplette Studie finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Deloitte vom 26.04.2018)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

thodonal/123rf.com

27.07.2026

Unsicherheit erreicht historischen Höchststand

Die wirtschaftliche Unsicherheit erreicht in deutschen Unternehmen ein außergewöhnliches Niveau. Laut einer internationalen CRIF-Umfrage sorgen sich 87 % der Befragten um ihre finanzielle Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Damit liegt Deutschland vor allen anderen untersuchten Ländern. 61 % der Unternehmen sprechen sogar von der unsichersten Phase ihrer bisherigen unternehmerischen Laufbahn. Steigende Kosten belasten die

Unsicherheit erreicht historischen Höchststand
Meldung

© Peter38 / fotolia.com

23.07.2026

Strukturkrise der Chemieindustrie verschärft sich

Europas Chemieindustrie läuft seit Jahren im Krisenmodus: Zwischen 2020 und 2025 lag die Auslastung deutlich unter dem Niveau der Vorperiode. Für mehr als 100 Anlagen in Europa wurde in den vergangenen drei Jahren die Schließung oder der Verkauf angekündigt. Es sind vor allem internationale Konzerne, die Europa den Rücken kehren, wie eine neue Analyse der

Strukturkrise der Chemieindustrie verschärft sich
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

22.07.2026

M&A-Aktivität in Transport und Logistik trotzt geopolitischen Unsicherheiten

Die weltweite Transport- und Logistikindustrie bleibt trotz geopolitischer Spannungen auf Wachstumskurs; aber die M&A-Aktivitäten werden deutlich selektiver. Im 1. Halbjahr 2026 wurden laut dem aktuellen „Transport & Logistics Barometer“ von PwC Deutschland und Strategy& weltweit 105 Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mindestens 50 Mio. US-Dollar angekündigt. Im Vorjahreszeitraum waren es 108 Deals. Der Gesamtwert

M&A-Aktivität in Transport und Logistik trotzt geopolitischen Unsicherheiten
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)