• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Deutsche Banken unter Druck: Weiterer Stellenabbau und sinkende Profitabilität erwartet

19.04.2016

Deutsche Banken unter Druck: Weiterer Stellenabbau und sinkende Profitabilität erwartet

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Trübe Stimmung unter den deutschen Banken: 42% der deutschen Kreditinstitute rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage im laufenden Jahr – nur 31% gehen von einer Verbesserung aus. Damit sind die deutschen Banken im europäischen Vergleich neben den polnischen Kreditinstituten am pessimistischsten: Europaweit rechnen immerhin mehr als die Hälfte der Banken (52%) mit besseren Geschäften, nur 23% mit einer Eintrübung.

Im Durchschnitt gehen die deutschen Banken von einer Verschlechterung der Eigenkapitalrentabilität um 0,2% aus – europaweit wird hingegen ein Anstieg um 1,1% prognostiziert, die irischen und britischen Banken rechnen sogar mit einer Verbesserung um 2,8 bzw. 2,7%.

Um gegenzusteuern, soll gerade in Deutschland die Belegschaft abgebaut werden: 61% der deutschen Banken wollen Stellen streichen, nur 14% wollen neue Jobs schaffen. Auch europaweit ist mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen, der aber weniger deutlich ausfallen dürfte: Gut jede zweite Bank in Europa (54%) plant, Jobs abzubauen, 26% rechnen mit zusätzlichen Neueinstellungen.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Bankenbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden 250 Banken in mehreren europäischen Ländern befragt. In Deutschland nahmen 72 Banken an der Umfrage teil.

Niedriges Zinsniveau und Regulierung setzen den Banken besonders zu

Hauptgründe für den Sparkurs der Banken seien zum einen das historisch niedrige Zinsniveau, das die Zinseinnahmen schrumpfen lässt, zum anderen hohe regulatorische Anforderungen an Eigenkapital und Risikovorsorge, die die Gewinnmargen belasten, kommentiert Claus-Peter Wagner; Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. “Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gibt es für die Banken kaum noch etwas zu verdienen – negative Zinsen können sich mittelfristig sogar zu einer existenziellen Herausforderung für viele Banken entwickeln“. Und vorerst sei keine Besserung der Lage in Sicht, im Gegenteil: Die Eurozone lockert ihre Geldpolitik weiter, und die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten führt zu sinkenden Einnahmen aus dem Wertpapierhandel.

Gleichzeitig drängen immer neue Wettbewerber auf den deutschen Markt und verstärken den ohnehin sehr hohen Preisdruck. „Die Situation in der deutschen Bankenbranche bleibt schwierig, die Gewinne werden vorläufig auf niedrigem Niveau verharren“, fasst Wagner zusammen.

Die Folge: Die Banken setzen ihren Sparkurs fort – interne Kosten müssen sinken, die Beschäftigung wird weiter rückläufig sein. „Die Beschäftigungslage im deutschen Bankensektor bleibt angespannt“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei EY: „Die Personalausgaben machen knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche aus. Vor diesem Hintergrund und angesichts des Drucks, den Aufsichtsbehörden und Aktionäre auf die Banken ausüben, sind weitere Stellenkürzungen realistisch“.

Immerhin: Die verbleibenden Mitarbeiter dürfen sich nach mehreren mageren Jahren auf ein leichtes Gehaltsplus freuen: 32% der deutschen Banken wollen die Gesamtvergütung in diesem Jahr erhöhen – nur 7% prognostizieren eine sinkende Gesamtvergütung.

Vorerst keine Konsolidierungswelle in Deutschland

„Strengere regulatorische Vorgaben und Niedrigzinsen führen auf Dauer dazu, dass die Banken deutlich weniger verdienen werden als vor der Finanzkrise. Dementsprechend müssen zunehmend auch massive Einschnitte ins Auge gefasst werden – beim Produktportfolio, beim Filialnetz oder beim Personal. Sie müssen aber auch verstärkt über neue Ertragsquellen nachdenken und beispielsweise Gebühren für Bankdienstleistungen verlangen, die bislang umsonst waren. Es geht darum, ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell zu finden.“

Angesichts der aktuell schwierigen Situation vieler Banken rechnen viele Bankmanager mit einer spürbaren Marktbereinigung: „Der Kuchen wird kleiner, die Herausforderungen werden größer. Viele Banken sind auf sich allein gestellt gar nicht in der Lage, einerseits einen Sparkurs einzuschlagen und auf der anderen Seite hohe Summen etwa in die Digitalisierung zu investieren“, beobachtet Müller-Tronnier.

Immerhin 42% der deutschen Banken prognostizieren noch für das laufende Jahr eine mittlere oder starke Konsolidierung im deutschen Bankensektor. Auf 3-Jahres-Sicht prognostizieren sogar 92% eine umfassende Marktbereinigung durch Fusionen, Übernahmen oder das Ausscheiden von Marktteilnehmern.

Banken wollen mehr Kredite vergeben – vor allem an den Mittelstand

Trotz durchwachsener Konjunkturaussichten gehen die Banken von einer Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik für die meisten Branchen aus. Davon sollte vor allem der Mittelstand profitieren: Die Hälfte der deutschen Bankmanager gibt an, mehr Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben zu wollen.

„Das ist ein gutes Signal für die mittelständischen Unternehmen. Die Banken wollen die Kreditvergabe ausbauen und damit ihrer Rolle als Finanzierer für die Wirtschaft gerecht werden. Sie müssen aber gleichzeitig weiter die Risikoposten in ihrer Bilanz abbauen und ihr Ausfallrisiko in stärker risikobehafteten Branchen mindern. Das werden einige Wirtschaftszweige auch zu spüren bekommen“, sagt Wagner. Betroffen dürften vor allem die Transport- und Energiebranche sowie Finanzdienstleister sein: Für diese Branchen rechnen die Banken mit einer tendenziell restriktiveren Kreditvergabe. Unternehmen aus der Gesundheitsbranche, Industrie und Dienstleister können sich hingegen auf einen leichteren Zugang zu Krediten freuen.

Brexit bereitet deutschen Banken kaum Sorgen

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde europaweit bei fast jeder vierten Bank nach eigener Einschätzung zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit führen. Besonders betroffen von einem Brexit wären britische und irische Banken, bei denen sogar 53 bzw. 48% mit erheblichen Problemen rechnen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung EY vom 11.04.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

pitinan/123.rf.com

02.06.2026

Finanzplanung per KI: Das Vertrauen wächst

Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Das Vertrauen in Maschinen wächst dagegen: 39 % der Menschen in Deutschland nutzen Künstliche Intelligenz, um ihre Finanzplanung zu optimieren. Das zeigt der aktuelle „AI Sentiment Index 2026 – Fokusthema Finanzen“ von EY, für den weltweit rund 18.000 Menschen in 23 Ländern befragt wurden, darunter 1.000 in Deutschland. Damit

Finanzplanung per KI: Das Vertrauen wächst
Meldung

© designer49/fotolia.com

01.06.2026

Gesundheitsmarkt: Wenn Krise zum Deal-Treiber wird

Der deutsche Gesundheitsmarkt steht unter Druck – und genau das hält den M&A-Markt in Bewegung. Trotz Krankenhausreform, Fachkräftemangel, steigender Personal- und Energiekosten sowie unsicherer Finanzierungslage blieb die Zahl der Transaktionen 2025 nahezu stabil. Laut PwC-„Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2025“ wurden 240 Deals gezählt, nach 237 im Vorjahr. Pflege dominiert den Markt Der stärkste Transaktionsbereich war erneut die

Gesundheitsmarkt: Wenn Krise zum Deal-Treiber wird
Meldung

nialowwa/123rf.com

28.05.2026

KfW Research revidiert Wachstumsprognose

Die deutsche Wirtschaft ist mit einem Wachstum von 0,3 % im Vergleich zum Vorquartal solide ins Jahr 2026 gestartet. Im Ranking der großen Euroländer hat sich Deutschland damit im ersten Vierteljahr auf Rang 2 hinter Spanien geschoben, dessen Wirtschaft um 0,6 % im Vergleich zum Vorquartal wuchs. Der Krieg im Iran trübt nun aber die Konjunkturaussichten deutlich.

KfW Research revidiert Wachstumsprognose
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)