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07.11.2018

Deutsche Städte für viele Investoren zu teuer

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© Robert Kneschke/fotolia.com

Deutschland ist für Immobilieninvestoren nicht mehr die Nummer eins in Europa. Die Investitionen sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht auf nun 65 Milliarden Euro (Vorjahr: 68 Milliarden Euro).  In Großbritannien wurden im gleichen Zeitraum insgesamt 68 Milliarden Euro in Immobilien investiert, womit das Vereinte Königreich im Ranking der europäischen Investitionsstandorte mit Blick auf das Investitionsvolumen den Spitzenplatz einnahm.

Dies geht aus der Studie „Emerging Trends in Real Estate: Creating in Impact. Europe 2019.“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institute hervor.

„Deutschland hat ein Problem: Es gibt zu wenige Assets und die sind zu teuer. Aus diesem Grund konnte Großbritannien im vergangenen Jahr trotz bevorstehendem Brexit im Gesamtvolumen der Investitionen nochmals an Deutschland vorbeiziehen“, sagt Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader PwC Deutschland.

Mit Mietsteigerungen rechnen die Investoren europaweit wie schon im Vorjahr am ehesten in Berlin. Sinkende Mieten hingegen werden einzig in Istanbul erwartet – der Stadt werden vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheit in der Türkei unter den europäischen Städten auch die schlechtesten Zukunftsaussichten als Investitionsstandort eingeräumt.

Frankfurt holt Berlin dank „Brexit-Effekt“ ein

Der nahende Brexit macht sich auch beim Blick auf die europäischen Städte bemerkbar. So wurden in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahr über 14 Prozent mehr in Immobilien investiert – damit liegt die Stadt mit Investitionen in Höhe von 8 Milliarden Euro gemeinsam mit Berlin und hinter Paris auf Platz 3 im europaweiten Vergleich. Auf London entfallen zwar noch immer die meisten Investitionen (20 Milliarden Euro), jedoch musste die Stadt einen Rückgang des Investitionsvolumens um mehr als ein Drittel hinnehmen.

Die künftigen Folgen des Brexit für den britischen Immobilienmarkt bewerten die in der Studie befragten Experten dramatisch. So gehen 78 Prozent der Befragten im Jahr 2019 von sinkenden Investitionen in britische Immobilien aus. 77 Prozent rechnen mit einem Wertverfall von Immobilien auf der Insel. 71 Prozent glauben, dass es Großbritannien künftig schwer haben dürfte, Talente für den Arbeitsmarkt anzulocken.

„Großbritannien dürfte durch den Brexit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verlieren – das bestätigen die über 800 Immobilienexperten, die wir befragt haben. Es verwundert letztlich nicht, dass sich dies auch in Investitions- und Entwicklungsaussichten für Großbritannien niederschlägt“, sagt Susanne Eickermann-Riepe.

Vier deutsche Städte unter den Top-Ten der zukunftsträchtigsten Standorte

Im Ranking der europäischen Städte mit den besten Investment-Gelegenheiten für das kommende Jahr nimmt Lissabon den Spitzenplatz ein. Die Stadt überzeugt vor allem durch überdurchschnittliche Renditen, hohes Wachstum sowie einen wachsenden Bedarf an Entwicklungsprojekten im Bereich der Büroimmobilien.

Als deutsche Städte in den Top-Ten vertreten sind Berlin (Platz 2), Frankfurt (Platz 5), Hamburg (Platz 7) und München (Platz 10). Als wichtigste Kriterien für die Attraktivität eines Investitionsstandorts nannten die Befragten eine gute Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Assets und die Renditeaussichten.

„Investoren legen momentan sehr viel Wert auf sichere Investments. Die deutschen Städte profitieren dabei von der wirtschaftlichen und politischen Stabilität Deutschlands. Dennoch werden Berlin, Frankfurt, Hamburg und München von vielen Investoren als überteuert angesehen. Die Gelegenheiten für wirklich attraktive Investitionen in diesen Städten werden immer rarer“, so Susanne Eickermann-Riepe.

Mangel an Wohnraum sorgt für einen Boom in diesem Segment

Besonders Wohnimmobilien werden von den Investoren gute Entwicklungs- und Investitionsaussichten eingeräumt. Sieben der zehn vielversprechendsten Sektoren kommen aus dem Bereich „Residential“, wie etwa Studentenwohnungen, Projekte für altersgerechtes und assistiertes Wohnen oder sozialer Wohnungsbau.

„Die Tatsache, dass die Investoren in Wohnimmobilien die größten Potenziale sehen, belegt, dass hier auch ein gesellschaftlicher Bedarf liegt. Wohnraum in Ballungsgebieten wird knapper. Und obwohl solche Immobilien aus operativer Sicht für Investoren mit am anspruchsvollsten zu managen sind, versuchen viele hier einzusteigen“, so Susanne Eickermann-Riepe. „Und: Es wird eng in den Städten. Wir sehen zunehmend kleinere Wohneinheiten, die auf urbane Singles abzielen, und immer weniger Wohnraum etwa für Familien. Dies dürfte das Stadtbild gerade in Großstädten für die kommenden Jahrzehnte entscheidend prägen.“

Investoren setzen auf Sicherheit

Insgesamt ist das Investitionsklima in der Immobilienbranche von der Suche nach langfristig stabilen Erträgen geprägt. Das führt dazu, das neben den finanziellen Aspekten auch zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien eine große Rolle spielen und dass die Investoren immer stärker auf soziale und umweltbezogene Faktoren achten. Ganze 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass künftig auch nicht-finanziell messbare Kriterien eine wichtige Rolle für Investitionsentscheidungen spielen werden.

Generell möchten sich die Investoren der Studie zufolge sich vor allem gegen potenzielle Zinserhöhungen und ein zunehmend unsicheres geopolitisches Umfeld absichern. 28 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, dass sie künftig mehr Eigenkapital für Refinanzierungen und Neuinvestitionen vorhalten müssen.

(Pressemitteilung PwC vom 05.11.2018)


Redaktion

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