07.10.2020

Deutsche Startups trotzen der Corona-Krise

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Die Corona-Krise trifft auch die deutsche Startup-Landschaft hart: 75 Prozent der Startups sehen sich in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Nichtsdestotrotz zeigen sich die Gründerinnen und Gründer optimistischer als die etablierte Wirtschaft. Sie planen, in den kommenden zwölf Monaten im Schnitt sechs neue Mitarbeitende einzustellen – trotz des aktuell schwierigen Umfelds.

Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup Monitor (DSM), den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Umfrage zur Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt.

„Startups sind wie die gesamte Wirtschaft von der Corona-Pandemie betroffen. Doch Gründerinnen und Gründer sehen in der Krise meist auch eine Chance und sind es gewohnt schnell auf neue Situationen zu reagieren. Daher schauen sie optimistischer in die Zukunft als die deutsche Wirtschaft insgesamt“, kommentiert Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Startups e. V. So reagieren 90 Prozent der Befragten mit spezifischen Gegenmaßnahmen auf die Krise. Dabei wollen bisher nur wenige Personal abbauen, um Kosten zu sparen.

Neueinstellungen statt Personalabbau

Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland, sieht in dieser Herangehensweise klare Parallelen zu Familienunternehmen: „Die Startup-Entscheider zeigen in der Krise eine Haltung, die der von Familienunternehmern sehr ähnlich ist: Sie konzentrieren sich auf ihre Stärken und setzen auf nachhaltiges Handeln statt Personalabbau. Damit schaffen sie nicht nur Arbeitsplätze, sondern avancieren zum Wachstumsmotor, um die Wirtschaft aus der Krise zu führen.“

Innovation und Nachhaltigkeit rücken weiter in den Fokus

Dabei setzen viele Gründerinnen und Gründer auf Innovation und Nachhaltigkeit. So ist der Einsatz künstlicher Intelligenz im Startup-Ökosystem weiter auf dem Vormarsch. 43 Prozent der befragten Unternehmen bescheinigen der Schlüsseltechnologie einen klaren Einfluss auf ihr Geschäftsmodell. Gleichzeitig spielen umweltspezifische und soziale Motive bei Startup-Gründungen eine immer wichtigere Rolle: Mittlerweile ordnen 43 Prozent der Startups ihre Produkte und Angebote der Green Economy zu. Das sind rund 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Damit nehmen Startups eine Schlüsselfunktion ein, wenn es um innovative Lösungen für die großen Fragen rund um Klima und Nachhaltigkeit geht.

Zwei von zehn Gründerinnen und Gründern haben einen Migrationshintergrund

„Ebenso wie der unzerstörbare Optimismus und der Wunsch, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten, ist auch Diversität fest in der Identität vieler Startup-Unternehmen verankert. Das Bekenntnis zur Vielfalt bildet einen wichtigen Mosaikstein für den Erfolg des Startup-Ökosystems“, ist Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen überzeugt.

Die Aspekte Diversität, Internationalität und Zuwanderung beleuchtet der Startup Monitor in diesem Jahr zum ersten Mal ausführlich: Zwei von zehn Gründerinnen und Gründern haben einen Migrationshintergrund, wobei der Anteil in Rhein-Ruhr und Berlin mit rund 30 bzw. 25 Prozent besonders hoch ist. Auch bei den Mitarbeitenden wird Vielfalt großgeschrieben: 27 Prozent haben ihre Wurzeln außerhalb Deutschlands. In Berliner Startups kommen sogar 43 Prozent der Belegschaft aus dem Ausland.

Herausforderungen in der Krise: Kundengewinnung, Kapitalbeschaffung und Cashflow

An einer Reihe von Aufgaben haben die Gründerinnen und Gründer jedoch zu knabbern: Als größte Herausforderung bezeichnen 68 Prozent der Befragten den Vertrieb und die Kundengewinnung. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als 2019, was auf das zurückhaltende Konsum- und Investitionsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern und Unternehmen während der Krise hinweist.

Zudem zeigen die Befragungsergebnisse die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen: 43 Prozent halten die Kapitalbeschaffung für herausfordernd, was auf die angespannte Lage auf dem Kapitalmarkt hindeutet (2019: 38 Prozent). Mit 32 Prozent bewerten zudem deutlich mehr Gründerinnen und Gründer die Liquidität als aktuelle Schwierigkeit (2019: 18 Prozent).

Sechs weitere spannende Fakten über deutsche Startups:

  • Frauenanteil stagniert: Der Anteil der Gründerinnen hat im Vergleich zum Vorjahr nur minimal zugenommen – von 15,7 auf 15,9 Prozent.
  • Arbeitssprache Englisch: In 30 Prozent der Startups wird Englisch gesprochen. In Berlin gilt das sogar für 63 Prozent der Startups.
  • Hohe Zufriedenheit mit dem Umfeld: 61 Prozent der Gründerinnen und Gründer bewerten das Startup-Ökosystem an ihrem Standort als (sehr) gut.
  • Fortschritte bei der Finanzierung: Der Anteil der Entrepreneure, die auf externe Finanzierung zurückgreifen, ist auf 63 Prozent gestiegen (Vorjahr: 55 Prozent).
  • Startups drängen ins Ausland: Zwei von drei Startup-Entscheidern planen trotz Krise eine (weitere) Internationalisierung.

Kooperationen nehmen zu: Fast drei Viertel der Startups (72 Prozent) arbeiten mittlerweile mit etablierten Unternehmen zusammen.

(Pressemitteilung PwC vom 29.09.2020)


Redaktion

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