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21.06.2018

Deutsche Unternehmen treiben M&A-Markt weiter voran

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© kritchanut/fotolia.com

Die Investitionslust deutscher Unternehmen bleibt weiter ungebrochen, denn auf dem deutschen M&A-Markt wird nach wie vor mehr gekauft als verkauft. Dabei setzen die deutschen Corporates immer öfter auf eigenes Personal: Erst bei maximal jeder zweiten Transaktion werden externe M&A-Berater an Bord geholt.

Das ist das Ergebnis des zweiten M&A Panels 2018, für das die internationale Wirtschaftskanzlei CMS und das Magazin FINANCE dreimal jährlich leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragen. Die Marschroute ist dabei weiter vorwärts gerichtet: Mehr als drei Viertel der befragten Corporate-M&A-Abteilungen wollen weiter zukaufen – und das vor allem in bereits bekannten Märkten. Lediglich jeweils zwölf Prozent der Befragten geben an, dass Verkäufe oder Joint Ventures den Schwerpunkt ihrer derzeitigen Arbeit ausmachen. Haupttreiber der M&A-Aktivitäten bleibt dabei vor allem die eigene, positive Unternehmensentwicklung.

„Die insgesamt komplizierter werdende weltweite politische Gemengelage mit einem drohenden Wirtschaftskrieg zwischen Europa und den USA, nicht immer einfachen und schon gar nicht reziproken Investitionsbedingungen außerhalb Europas und insbesondere in Schwellenländern mag neben dem Heimatmarkt zu einer Fokussierung auf Märkte beitragen, in denen man sich bereits gut auskennt“, sagt Dr. Oliver Wolfgramm, Corporate Partner bei CMS in Deutschland.

Wachstumsabsichten der Unternehmen geben die Schlagzahl vor

Dealtreiber Nummer eins ist und bleibt aus Sicht der Panelisten das eigene Wachstum. Ein Wert von 8,59 (Skala von 1 = unwichtig bis 10 = sehr wichtig) markiert einen neuen Höchststand dieses Dealtreibers seit Beginn der Befragung vor sieben Jahren. Allerdings verlagern die Unternehmen dabei ihre Wachstumssuche in bereits bekannte Gefilde, um ihre Marktanteile zu erhöhen. Gegenüber dem letzten Panel markiert hierfür ein Wert von 6,88 ein Plus von rund vier Prozent. Mit einem Wert von 6,82 liegt die Expansion in neue Märkte zwar gleichauf, im Vergleich zum letzten Panel ist der Wert jedoch um gut vier Prozent gefallen. Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die M&A-Chefs offenbar nicht überall geeignete Übernahmeziele sehen. Der Aussage, dass sich in Schwellenländern gute Kaufgelegenheiten bieten, stimmen die Befragten nur noch mit einem Wert von 3,94 zu (10 = volle Zustimmung) – ein Minus von 16 Prozent im Vergleich zur letzten Umfrage.

Kaufpreise erreichen neue Rekordstände

Die große Nachfrage nach attraktiven Targets hat ihre Kehrseiten: Nach Einschätzung der Befragten schießen die Kaufpreise durch die Decke. Der These, dass diese in vielen Branchen deutlich überhöht sind, stimmen die M&A-Berater mit einem Wert von 8,76 zu (10 = volle Zustimmung). Auch seitens der Corporates wird die Kaufpreisentwicklung mit einem Wert 7,95 (10 = volle Zustimmung) ähnlich beurteilt. Seit Beginn der ersten Befragung 2011 wurden noch nie solche hohen Werte erreicht. Hinzu kommt, dass nach Ansicht der Beratungshäuser die Bewertungen für verfügbare Targets vielfach zu weit auseinander liegen (Zustimmungswert 7,21).

„Diese Entwicklung erklärt auch die zunehmende Attraktivität von Earn-out-Klauseln, insbesondere in bestimmten Sektoren. Durch Earn-out-Regelungen kann ein Teil des Risikos, wie sich das Target in der Zukunft entwickelt, auf den Verkäufer verlagert werden“, so Dr. Thomas Meyding, Corporate Partner bei CMS in Deutschland. Allerdings sind nach Einschätzung von Meyding Earn-out-Klauseln in der Ausgestaltung häufig sehr komplex und verlangen viel Erfahrung, um den richtigen Mix aus Absicherung des Verkäufers und Flexibilität des Käufers bei der unternehmerischen Führung des Targets in eine Balance zu bringen.

Behörden werden immer seltener zum Dealbreaker

Während unterschiedliche Preisvorstellungen immer öfter Transaktionen ausbremsen, wird von Behördenseite zuletzt seltener in Deals eingegriffen. Die Wahrscheinlichkeit eines regulatorischen Einspruchs wird von den befragten M&A-Verantwortlichen auf Unternehmensseite mit einem Wert von 3,35 als gering eingeschätzt. Das entspricht einem Rückgang von 19 Prozent im Vergleich zur letzten Befragung im Februar. Der Wert ist zudem der niedrigste seit zwei Jahren. Auf Beraterseite wird dieser Punkt mit einem Wert von 3,57 ähnlich unkritisch bewertet.

Deals werden häufiger im Alleingang gestemmt

Trotz voller Auftragsbücher auf Seiten der M&A-Berater vertrauen deutsche Unternehmen immer häufiger auf ihre Inhouse-Kompetenz. Laut Befragung setzt eine Mehrzahl der Unternehmen bei maximal jeder zweiten Transaktion auf externe Unterstützung. Bei der Frage nach der Beauftragung von M&A-Beratern ist die Unternehmenswelt gespalten. 41 Prozent der befragten Corporate-M&A-Leiter mandatieren bei maximal jeder vierten Transaktion externe M&A-Berater. Rund ein Viertel der Befragten holen bei maximal der Hälfte der Deals Berater an Bord. Auf der anderen Seite ziehen 29 Prozent der befragten Unternehmensvertreter bei mindestens drei von vier M&A-Deals ein externes Beratungshaus hinzu. Einmal festgelegt, scheint die Ressourcenverteilung hingegen für längere Zeit zu bestehen: 71 Prozent der Befragten geben an, dass sich der Anteil an Transaktionen, bei denen mit externer Unterstützung gearbeitet wird, in den letzten zwei Jahren nicht verändert habe. Fast 18 Prozent der Befragten sagen jedoch, dass dieser Anteil zuletzt geschrumpft oder stark geschrumpft sei.

M&A-Boom könnte bald zu Ende sein

Trotz guter Finanzierungsbedingungen und zurückhaltenden Regulierungsbehörden glauben viele Panelisten, dass der M&A-Boom langsam seinen Zenit erreicht haben dürfte. Der These, dass sich das Umfeld für M&A-Deals in den kommenden zwölf Monaten weiter verbessert, stimmen die M&A-Berater nur noch mit einem Wert von 4,74 zu. Im Vergleich zum letzten Panel markiert dieser Wert ein Minus von 15 Prozent. Rückblickend ist dies sogar der niedrigste Wert seit Oktober 2011. Auch auf Unternehmensseite ist der Blick in die Zukunft nicht positiv: Ein Wert von 4,71 entspricht einem Rückgang von sieben Prozent gegenüber der letzten Befragung im Februar.

„In der Vergangenheit gab es regelmäßig Ereignisse, die zu einem Rückgang der M&A-Aktivitäten führten“, erklärt Thomas Meyding. „Verglichen mit der M&A-Situation vor der Finanzkrise fällt auf, dass Käufer bei Akquisitionen nach wie vor risikobewusst sind und die Transaktionen deutlich länger dauern. Das liegt hauptsächlich an vertieften Due-Diligence-Prüfungen“, so Meyding. „Bei den Kaufpreisen kann es zu Übertreibungen kommen, die Käufer sind sich in der Regel aber sehr über das Risikoprofil des Targets bewusst.“

Finanzierungsseite profitiert von guter Liquidität

Bei Finanzierungen stehen den Unternehmen derzeit in großem Umfang eigene Mittel zur Verfügung. Aus Sicht der befragten M&A-Berater spielt ein schlechtes Finanzierungsumfeld kaum eine Rolle, wenn es nicht zum Vollzug von Deals kommt. Dies zeigt sich mit dem niedrigsten Zustimmungswert von 2,40 seit dem ersten Panel 2011. Beliebtestes Finanzierungsinstrument der befragten Unternehmen bleibt allerdings die eigene Liquidität. Die M&A-Verantwortlichen bewerten diese mit dem Wert 8,29 (10 = sehr wichtiges Finanzierungsinstrument), gefolgt von Bankkrediten mit dem zweithöchsten Wert 6,82.

„Das Finanzierungsumfeld ist weiterhin sehr gut, dies gilt für den Zugang zu Fremdkapital ebenso wie die Konditionen“, bestätigt Oliver Wolfgramm. „Wegen der vorhandenen liquiden Mittel und der immer noch sehr guten Verfügbarkeit von Fremdkapital scheitert keine Transaktion an fehlenden finanziellen Mitteln“, so Wolfgramm weiter.

Zurückhaltung bei zukünftiger Auslastung

Obwohl viele Unternehmen bei M&A-Transaktionen stark auf eigene Ressourcen setzen, geben die M&A-Beratungshäuser weiterhin überdurchschnittlich gut gefüllte Auftragsbücher an. Mit Blick auf ihre zukünftige Auslastung sind jedoch vor allem Mid- und Largecap-Berater deutlich zurückhaltender geworden. Auf einer Skala von -5 bis +5, wobei der Wert 0 ein durchschnittliches Projektaufkommen darstellt, vermelden die M&A-Berater über alle Größenordnungen hinweg einen Wert von 2,02. Im Vergleich zur letzten Befragung ist hier ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Vergleicht man die Angaben zur aktuellen Geschäftsauslastung mit der Prognose, welche die befragten Berater im Februar für die kommenden drei bis acht Monate abgegeben hatten, so verfehlten die Smallcap-Berater ihre erwartete Auslastung erneut deutlich. Sie rechneten in der letzten Befragung mit einem Wert von 1,95 und geben ihren tatsächlichen Auslastungswert nun mit 1,68 an. Zum fünften Mal in Folge haben sie damit ihre Prognose verfehlt. Mid- und Largecap-Berater sind hier entsprechend zurückhaltender und schätzen ihre Auftragslage in den kommenden drei bis acht Monaten mit einem Wert von 2,35 – also eine weiterhin überdurchschnittliche Auslastung – ein.

(Pressemitteilung CMS vom 14.06.2018)


Redaktion

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