Der deutsche Markt für Börsengänge ist aktuell von kleinen Schritten geprägt: Die Aktivitäten fokussieren sich wie bereits im gesamten Jahresverlauf auf kleinere Erstnotizen, während große Börsengänge rar bleiben. Im dritten Quartal, das durch die Sommerpause traditionsgemäß ruhig verläuft, gelang immerhin zwei Börsenneulingen der Sprung aufs Parkett. Seit Januar verzeichnete die Frankfurter Börse bereits sechs Initial Public Offerings (IPOs) und damit mehr als im Gesamtjahr 2025, als nur drei Unternehmen den Schritt an die Börse wagten.
Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt erfasst.
Kleinere Transaktionen prägen den IPO-Markt
„Das dritte Quartal war von schwachen Konjunktursignalen und einem robusten Kapitalmarkt geprägt. Unternehmen, die sich gut vorbereiten, finden aber weiterhin ein aufnahmebereites Umfeld für Finanzierungen“, erklärt Tina Bloos, Partnerin Capital Markets bei PwC Deutschland. Zum einen gelang der SMAG Mobile Antenna Masts AG das Börsendebüt im Scale-Segment. Dabei erzielte der Hersteller von mobilen Antennenmasten für die militärische Kommunikation Gesamterlöse von 112,7 Millionen Euro. Nach VINCORION und Gabler ist es bereits das dritte Unternehmen aus der Verteidigungsbranche, das in diesem Jahr den Sprung an die Börse umsetzt.
Die zweite Erstnotiz im dritten Quartal ging auf das Konto der HELIOS SOLAR AG, einer auf den südostasiatischen Photovoltaikmarkt spezialisierten Firmengruppe. Das Unternehmen debütierte im General Standard der Frankfurter Börse und erzielte mit der Transaktion ein vergleichsweise geringes Emissionsvolumen von 0,5 Millionen Euro. In den ersten drei Quartalen des Jahres erreichten die IPO-Erlöse 806 Millionen. Damit ist die Vorjahresmarke zumindest in Reichweite (Gesamtjahr 2025: 1.186 Millionen Euro).
Kapitalerhöhungen solide, aber nicht auf dem Niveau des Vorquartals
In Sachen Kapitalerhöhungen zeigte sich im dritten Quartal ebenfalls ein solides Bild, auch wenn insbesondere Volumen und Anzahl der Transaktionen nicht an das überdurchschnittlich starke zweite Quartal heranreichten. Insgesamt fünf Unternehmen setzten zwischen Anfang Juli und Ende September auf Kapitalerhöhungen und beschafften sich auf diesem Weg 220 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2026 waren es noch sechs Kapitalerhöhungen, die 2.860 Millionen Euro in die Kassen spülten. Insgesamt liegt die Anzahl der Kapitalerhöhungen seit Januar bei 14 (Vorjahr: 20), wobei das Volumen der ersten drei Quartale (3.174 Millionen Euro) an das des gesamten Vorjahres anknüpft (3.820 Millionen Euro).
Die größte Kapitalerhöhung des dritten Quartals ging auf das Konto des Motorenbauers DEUTZ AG, der auf diesem Weg 178,6 Millionen Euro einnahm. Die Erlöse sollen zur Optimierung der Kapitalstruktur, insbesondere für die Stärkung der finanziellen Flexibilität hinsichtlich künftiger Wachstumschancen, genutzt werden. Die zweitgrößte Kapitalerhöhung des dritten Quartals verzeichnete die Pentixapharm Holding AG. Das Biotech-Unternehmen nahm via Kapitalerhöhung 20,4 Millionen Euro ein. Die Mittel sollen zur Finanzierung einer Phase-3-Studie und der Expansion auf dem US-Markt eingesetzt werden.
Anleihemarkt zeigt Stärke – besonders im High-Yield-Segment
Während der IPO-Markt auf den nächsten Impuls wartet, setzt der Anleihemarkt ein Ausrufezeichen: Insbesondere das High-Yield-Segment hat sich mit 28 Emissionen und 15,3 Milliarden Euro im laufenden Jahr als verlässliche Finanzierungsquelle etabliert. Im dritten Quartal 2026 zeigt sich der Markt jedoch selektiv: Das durchschnittliche Emissionsvolumen sank von rund 604 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 288 Millionen Euro in Q3 2026 – ein Hinweis auf gezielter platzierte Transaktionen. Das Primärmarktgeschäft im Investment-Grade-Bereich verlief dagegen ruhig. Gründe für die Abschwächung sind die Sommerpause, vorgezogene Finanzierungen und selektiv genutzte Marktfenster.
Die Spreads waren in beiden Segmenten stabil – trotz geopolitischer Risiken: „Spannungen wie Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt oder Handelsstreitigkeiten bilden seit Jahren eine Konstante im Markt. Solange es nicht zu fundamental neuen, globalen Lieferketten-Schocks kommt, sind diese Risiken in den makroökonomischen Modellen der Marktteilnehmer bereits eingepreist“, so Tina Bloos. Die engeren Spreads sind aus ihrer Sicht dennoch eher technisch und renditegetrieben als Ausdruck eines risikofreien Umfelds.
Marktausblick: Solides Umfeld, aber ruhige Pipeline
Mit Blick auf das Schlussquartal zeigt sich Dirk Menker, Partner Capital Markets bei PwC Deutschland, vorsichtig optimistisch: „Die IPO-Pipeline bleibt hinter den Erwartungen zurück, doch das ist kein Zeichen von Schwäche – viele Unternehmen nutzen das stabile Marktumfeld bewusst zur Vorbereitung auf einen Börsengang. Sobald die Rahmenbedingungen stimmen, erwarten wir einen spürbaren Nachholeffekt. Ich gehe davon aus, dass im vierten Quartal noch ein bis zwei weitere Börsengänge hinzukommen.“
(PwC vom 28.09.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

